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Die Rathaus-Maus ...

Dieter-Klaus, die Rathausmaus …



Als sie – neee, das stimmt so nicht … als ER, Dieter Klaus ist ja ein Mausemann - das Licht der Rathaus-Welt erblickte, da hatte seine Oma darauf bestanden, dass seine Eltern ihn Dieter-Klaus nannten. Weil die Oma sich in ihren Backfischtagen einst unsterblich in einen jungen Rathausfahrstuhlführer verguckt hatte, der eben von allen Dieter-Klaus gerufen wurde – obwohl ihr das damals zuerst auch als ein seltsamer Name erschienen war. Und mit diesem Namen wurde er denn auch auf dem Standesamt in das Geburtenbuch der Stadt eingetragen. Obwohl er ja viel lieber Attila oder so ähnlich heißen würde – von wegen König und stark und so. Den Eintrag in das Amtsbuch besorgte sein Mausepapa selber. Nach Dienstschluß der Standesamtsleute nagte er mit seinen spitzen Mausezähnen einfach die Daten seines Filius in die Tagesseite der dicken Einwohnerkladde. Die Protokollführerin hat zwar am nächsten Morgen von der nächtlichen heimlichen Tätigkeit der Rathausmitbewohner trotz ihrer Hornbrille mit den dicken Gläsern nichts bemerkt – aber sein Name stand nun auf jeden Fall drin in dem Wälzer.
In siebenundneunzigster Generationenfolge versah Dieter-Klaus nun schon das Amt einer Rathausmaus. Seinen Mauseohren entging nicht das leiseste Geräusch innerhalb des kantigen dunklen Backsteinkastens Högerbau – selbst wenn es der nur verhaltene Pupser des Oberbürgermeisters oder der blähbauchige Rülpser eines schamhaft überfutterten Ratsmitgliedes nach einem ausgiebigem Schlemmermahl auf Kosten des chronisch magersüchtigen Stadtsäckels war…
Dieter-Klaus, der Rathausmaus, entging nichts – seine scharfen Äuglein spähten mit Späherblick durch jede noch so feine Ritze und irgendwie las er in den Köpfen der sich im Rathaus herumtreibenden Herumtreiber auch ihre erschrecklichen Gedankenblitze. Es ist nur gut, dass niemand davon wusste oder weiß, denn dann wäre das Rathaus wohl leer und so manche Köpfe wären heiß. Doch jedoch auf Dieter-Klaus da liegt ein Fluch von diesem Haus – es ist die Ratsvertraulichkeit, die deckt so manch’ Versaulichkeit – denn was er so sieht und hört bei jedem, da darf er dienstverschwiegen nicht von reden. Drum greift er hin und wieder schon zu Stift, Papier und Mikrofon – füllt sein privates Stadtarchiv mit dem was gerade oder schief – mit Bildern, Worten oder Ton - mit dem was müh’voll wurd’ verbogen oder auch ganz dreist gelogen – schaut den Damen unter ihre Röcke und belauscht die Herren Böcke – verzeichnet manche Kungelei zwischen schwarz und roter Ratspartei – bemerkt verwundert das Gehabe zwischen Radio- und Rathausschabe und ist gespannt was da gezeugt, durch den Akt, den er beäugt. Etwas Gutes wird da nicht entstehen, wenn Berg dann kreißt nach heftig Wehen – vielleicht ein neues Riesenloch, das Geld verschlinget noch und noch. Vielleicht ein zweites Klinikum mit Aufsichtsrat als Unikum, in dem dann auch das Moos verschwindet, das keiner dann je wieder findet. Und alle die dabeigewesen, werden es dann in der Zeitung lesen, dass niemand wusste was geschah – und schon ist alles wunderbar. Um den Stadtsack wieder prall zu machen, ersinnt man „bürgerfreundlich“ Sachen – man bestellt den Steuerdreher – der schraubt die Steuer immer höher – vor allem bei die kleinen Leut’, denn das hat Reich noch nie gereut – erspart sogar der Oma Liese, die über das Mehr an Steuer ganz verzückt – den Gang mit Fiffi auf die Hundewiese – und schafft, dass sie vor Einsamkeit wird halbverrückt – schafft dass wir werden eine Stadt, die viele Halbverrückte hat – schaffet andre Ungeheuer neben erhöhter Hundesteuer – nur sich selbst verschonet man – man gibt sein Bestes ja schon täglich, indem im Rat versagt man kläglich, indem man brav den Arm hochhebt, wenn Machtesmensch nach Einfluß strebt – indem man Post’ um Pöstchen schafft .mit seiner ganzen Schaffenskraft – dass treugedient’ Parteigenossen auch weiter sind vom Filz umschlossen.

ewaldeden
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