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Wedemärker besuchen die Bockwindmühle in Wettmar

Müller drehen die Mühle in den Wind (Foto: Konert)
 
Mühlenbesucher aus der Wedemark (Foto: Konert)
Wedemark: Wedemark | Vergangenheit und Gegenwart – Abbensen und Wettmar

An diesem Wochenende ging die Ausstellung „Mühlen in der Wedemark / Wirtschaft – Technik –Sozialgeschichte“ im „Richard-Brandt-Heimatmuseum Wedemark“ zu Ende. Das Museumsteam um Peter Schulze und den Leiter des Heimatmuseums Karl-Hans Konert hat ganze Arbeit geleistet, denn sie war unerwartet erfolgreich, was die Zahl der unterschiedlichen Exponate (Dokumente, Geräte, Bilder, Modelle, Mühlen-Bauteile usw.) und was das Besucherinteresse angeht. Die Presse berichtete vielfältig und aufgeschlossen über die Wedemärker Mühlengeschichte, in der sich in der Zeit vom 15. Jahrhundert bis heute fast zwanzig Mühlen nachweisen lassen: Wassermühlen, Bockwindmühlen, Holländermühlen und Dampfmühlen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Funktionsfähig ist allerdings keine einzige mehr, die allermeisten sind verschwunden, sind zu Wohnzwecken umgewandelt oder noch teilweise vorhanden, aber nicht mehr betriebsbereit.
Das Ausstellungsprogramm wurde vervollständigt durch einen Vortrag des bekannten Wedemärker Mühlenbautechnikers Rüdiger Hagen über alle bekannten Mühlen, durch einen Vortrag des Wettmarer Müllers Reinhard Tegtmeier-Blanck aus Bissendorf über die Arbeitszeiten und die soziale Situation von Mühlenarbeitern um 1900 und einen interessanten Klönschnack mit dem Zeitzeugen und Müllermeister Friedrich Niemeyer über seine Zeit in seiner Brelinger Mühle.
Es ging aber in der Ausstellung zu einem erheblichen Teil auch um die Frage, ob es gelingen wird, die letzte Wedemärker Windmühle, den Erdholländer in Abbensen, zu retten und als Beispiel der hieisgen Mühlengeschichte an einem anderen Platz als dem jetzigen zu restaurieren und wieder funktionsfähig zu machen.
Zur Information, aber auch Motivation wurde auch eine Besichtigung der Bockwindmühle in Wettmar am 14. Juni 2017 angeboten. Denn an dem Wettmarer Beispiel ist das gelungen, was die Bürgerinitiative „Rettung der Abbenser Mühle“ anstrebt: Die Wettmarer Bockwindmühle von ca. 1550 war vor 2010 in einem ruinösen Zustand und befand sich an ihrem historischen Standort im Dorf, der von hohen Eichen und Wohnhäusern umstanden und für eine Restaurierung ungeeignet war. Und seit 2010 steht sie nun funktionsfähig an einem windgängigen Platz vor dem Ortsrand und erfreut sich seit Jahren eines großen Besucherstromes aus der Region. Das alles ist ein Ergebnis des Engagements der Dorfbevölkerung und vor allem eines rührigen Vorsitzenden des dortigen Heimatvereins.
Für die fünfzehn Besucher aus der Wedemark, die von den Freiwilligen Müllern Dieter Rosin, Dirk Bode und Reinhard Tegtmeier-Blanck empfangen und geführt wurden, bestand jetzt die Gelegenheit, über die Funktionsweise einer Windmühle praktisch etwas zu erfahren und nicht aus Dokumenten einer Ausstellung zu erschließen.
Während sonst die Besucher auf eine betriebsfertige Mühle treffen und diese erklärt bekommen, konnten sie jetzt selbst verfolgen, was alles getan werden muss, um eine gesicherte Bockwindmühle in den Betriebszustand zu versetzen, damit schließlich gemahlen werden kann / könnte: Sturmstützen herausnehmen und alle anderen Bremsvorrichtungen lösen, den „Klappenknecht“ zur Steuerung der Jalousieklappen entfernen, den Mahlstein hochnehmen, die Steertsicherung lösen, Blitzableiterkabel abschrauben, die Mühle in den Wind drehen, die beiden Segel auflegen und dann die Flügel drehen lassen – falls der Wind stark genug weht.
Das tat er aber nicht und mehr als zwei knappe Flügelumdrehungen waren während der ganzen zweistündigen Besichtigung leider nicht möglich!
Nichtsdestoweniger war das Interesse der Wedemärker Besucher groß an dem, was sie mit eigenen Augen sehen konnten und was ihnen durch die Müller fachkundig erläutert wurde.
Sie konnten darüber hinaus mit den Eindrücken nach Hause fahren, dass die große Aufgabe, die Abbenser Mühle für die Nachwelt zu erhalten und zu einem kulturhistorischen Zentrum der Wedemark zu machen, lösbar ist. Zwanzig Kilometer entfernt.
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Dieter Goldmann aus Seelze | 19.06.2017 | 06:23  
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