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Rückwärts ins Ziel und das Ende einer Rennfahrerzeit

Ernst-Dieter Heine heute mit Helm von damals und Gau Leistungsbuch und Fahrer-Lizenz von 1967
 
Erst-Dieter Heine in seinem Alfa Romeo
Stadthagen: zu Hause | Langjährige SMC Mitglieder berichten von unvergesslichen Momenten

„Elfi kommt“, und schon wusste jeder damals Bescheid. Und daran war nicht ihre spektakuläre Zieleinfahrt Mitte der 80er Jahre schuld, sondern mehr ihr quirliges Temperament. Lebensfroh und immer auch etwas aufgeregt vor einem Rennstart war Elfi Mevert, damals auch liebevoll Elli Pirelli genannt, eigentlich immer. Dadurch brachte sie die Papierabnahme auch gern etwas durcheinander, wenn sie mit ihrem roten Golf GTI zu einem Clubsport Automobilslalom kam. Damals gab es noch mehr weibliche Teilnehmer im Motorsport als heute und es waren reine Damenwertungen ausgeschrieben. Eine besondere Fahrt ist wohl vielen in Erinnerung geblieben und sorgt auch noch heute für einige Lacher. Denn welcher Rennfahrer kann schon sagen, dass er rückwärts ins Ziel gefahren ist? Die spektakuläre Fahrt ereignete sich auf dem Hanodrom in Hannover. Normalerweise trug Elfi bei den Rennen Turnschuhe, doch diese standen den Tag noch versehentlich daheim. Also wurde in Strümpfen gefahren. Rasant umrundete sie den Parcours, machte aber kurz vor dem Ziel einen kleinen Fehler, so dass das Auto sich drehte und der Motor ausging. So stand Elfi nun mit dem Heck des Fahrzeugs kurz vor dem Ziel. Also entschied sie sich, schnell den Wagen wieder anzulassen und einfach rückwärts durch das Ziel zu fahren, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Da die Schiedsrichter so etwas auch noch nicht erlebt hatten, musste erst diskutiert werden, ob es überhaupt gewertet werden kann. Zwar reichte es nach Genehmigung nicht für den Sieg, aber es gab wenigstens die Punkte für die Gesamtwertung der Serie. Seit 41 Jahren ist Elfi Mevert schon Mitglied im Stadthäger Motor Club e.V. im ADAC und hat sich bis heute ihre frische und fröhliche Lebenseinstellung bewahrt, auch wenn die Zeit der aktiven Autorennen vorbei ist.
Mit über 50 Jahren Mitgliedschaft kann Gründungs- und Ehrenmitglied Ernst-Dieter Heine viele Erlebnisse und Anekdoten berichten. Aus seiner eigenen Rennfahrerkarriere ist seine letzte Fahrt ein bitterer und doch auch schöner Moment zugleich. Deutschlandweit war Heine von Mitte der 50er Jahre bis 1972 aktiv unterwegs. Angefangen hatte er mit Rallyes, es endete mit einem Bergrennen. Im hessischen Lorch am Rhein startete er mit einem Alfa Romeo GTA, der einen Wagenpass hatte und auch nicht für den normalen Straßenverkehr, sondern nur für Rennen ausgestattet war. Die Sicherheitsausstattung war Heine ebenso wie damals Elfi Mevert auch sehr wichtig und da wurde nicht am Geld gespart. Dass der Wagen in dieser Sicht sehr gut ausgerüstet war, hat Heine wohl auch den Tag das Leben gerettet. In der Trainingsrunde war noch alles okay, doch beim 1. Lauf gab es Probleme mit der Doppelzündung des Fahrzeugs. Heine war deswegen ärgerlich und in einer S-Kurve, die extrem rechts gefahren werden musste, da sich links ein Felsen befand, gab es den verehrenden Fehler. Das Auto reagierte sehr sensibel bei jeder Bewegung und erwiderte die kurze Unachtsamkeit mit einem Ausbrechen des Hecks, stellte sich quer, knallte gegen den Fels und überschlug sich mehrfach, bis es zum Stillstand kam. Ernst-Dieter Heine hatte Dank Überrollkäfig nur Schrammen vom kaputten Visier an der Stirn und Verstauchungen im ganzen Körper, aber sonst keine Verletzungen. Im Gegensatz zu seinem Wagen, von dem nur noch das rechte Rücklicht heil war. „Das war dann mein letztes großes Rennen, da der finanzielle Schaden am Fahrzeug doch extrem war“, berichtete Heine. „Aber durch viele persönliche Tiefschläge in der Zeit vor dem Rennen war ich wohl unkonzentrierter als sonst. An meinem fahrerischen Können lag es bei mir nicht“. In seinen Leistungsbüchern der damaligen Zeit vom Gau Niedersachsen sind danach nur noch Einsätze als Sportwart verzeichnet. Denn auch wenn man selber nicht mehr aktiver Fahrer ist, so bleibt trotzdem noch Benzin im Blut und die Leidenschaft zum Motorsport im Herzen.
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