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Hintergrund: Dampfzugfahrt nach Wernigerode / Harz vom 4.12.2011

Auf einer der meistbefahrensten Strecken Deutschlands kommt "Else" richtig in Fahrt und zeigt was sie kann
 
Die Freiwillige Feuerwehr Groß Düngen versorgt "Else" mit frischen Wasservorräten
Stadthagen: Stadthagen-West | Stadthagen ist Betriebssitz der Dampfeisenbahn Weserbergland e. V. (DEW) und von hier aus bietet der Verein mit seiner imposanten Dampflok Nr. 52 8038 von 1943 nicht nur Fahrten auf der Eisenbahn Rinteln-Stadthagen an. Mehrmals im Jahr geht es auf DB-Gleisen in die Ferne, wie am 4. Dezember in den Harz zu den Weihnachtsmärkten in Goslar und Wernigerode. Für die Anfahrt zum DEW-Gelände Stadthagen-West (Straße „Am Bahnhof“) wurde ein Zubringerbus aus Rinteln und Oberkirchen angeboten, ansonsten gibt es dort reichlich Parkplätze. Weitere Fahrgäste stiegen in Haste, Wunstorf, Hannover Hbf, Sarstedt und Hildesheim zu. Im Zug wurde ein Frühstück angeboten und während der gesamten Fahrt stand in zwei Buffetwagen zu zivilen Preisen eine reiche Auswahl von Speisen, Getränken und Souvenirs bereit. In den altmodischen Waggons fühlte man sich wie auf einer Zeitreise – in den Übergängen drang mal etwas Dampf nach innen, aus dem Fenster sah man die helle Dampfwolke der Lok, wie sie in der Luft wilde Kringel formte und sich plötzlich auflöste, und dazu hörte man den Auspuffschlag der Zylinder. Allein das „tacktack“ der Schienenstöße fehlte wegen der heute üblichen geschweißten Verbindungen. Während der Fahrt wurden von den DEW-Mitgliedern kleine Süßigkeiten und Stadtpläne von Goslar und Wernigerode verteilt. In Wernigerode standen dann überraschend gleich drei Dampfloks der Harzer Schmalspurbahnen auf den Nachbargleisen, die dem Museumszug der DEW ein Begrüßungspfeifkonzert darboten. Der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt und ein Spaziergang zum Schloss über der historischen Altstadt bei trockenem Wetter rundeten den gelungenen Tag ab.
Um Fahrten wie diese auszuführen bedarf es ausgeklügelter Logistik. Carsten Reinhardt vom Vorstand der DEW erzählt: Schon am Samstagvormittag musste die Lok „Else“ angeheizt werden, damit Sonntag früh der nötige Betriebsdruck zur Verfügung stand. Die gesamte Fahrt erfordert bis zu 40 m³ Wasser und etwa 10 t Kohle (als bildlicher Vergleich sind das 200 Zentnersäcke), die vom Heizer mit der Schaufel zu bewegen sind! Bei den vorzuhaltenden Mengen der Speisen und Getränke mussten allein 800 frische Brötchen verarbeitet werden. 500 Anmeldungen waren mit Zahlungseingang, Platzreservierungen und Fahrkartenversand abzuarbeiten. Wegen der großen Nachfrage waren leihweise drei weitere Waggons aus Münster herbeizuschaffen; der aus insgesamt 10 Waggons bestehende Zug stieß an die Grenzen der Bahnsteiglängen der DB-Bahnhöfe. Für die Benutzung der Gleise ist eine üppige Trassengebühr (ähnlich LKW-Maut) zu entrichten, rechtzeitige Fahrplananmeldung ist erforderlich und ein zweiter Lokführer war vorgeschrieben. Zum Schutz vor den Folgen eines Lokschadens auf der DB-Strecke entstanden weitere Kosten für eine entsprechende Versicherung. Unterwegs musste eine Pause in Groß Düngen eingelegt werden, damit die Freiwillige Feuerwehr die Lok mit neuem Wasser versorgen konnte; das Räderwerk erhielt neues Schmieröl. Die Eisenbahner mussten aufpassen, das dabei nicht eifrige Hobbyfotografen aus dem Zug sprangen. Zusammen mit den Zugbegleitern in ihren historischen Uniformen waren insgesamt 20 aktive Mitglieder des Vereins mit der Vorbereitung und Durchführung der Fahrt beschäftigt. Dazu hinterher wieder aufräumen, saubermachen, entschlacken wie überhaupt das ganze Jahr über – ehrenamtlich - Wartung, Pflege und Erneuerungsarbeiten von Lok, den Waggons und auf dem Gelände zu machen sind.
Den Antrieb für die Aktiven gibt die Faszination der unter Dampf wie ein Lebewesen wirkenden Lokomotive und das Bewusstsein, ein Stück alten technischen Kulturgutes zu erhalten. So erfährt eine Dampflok stets ein großes öffentliches Interesse, viele Leute treten ganz nah heran und staunen oder postieren sich mit Film- und Fotokameras an der Strecke. Bei der Fahrt am 4.12. zückten unterwegs ganze Trupps von Bahnarbeitern aus ihren orangefarbenen Arbeitsanzügen Kameras und machten Schnappschüsse. So schön das ist, sorgen doch aber hauptsächlich die zahlenden Fahrgäste dafür, dass der Kessel mühsam weiter unter Dampf gehalten werden kann und die Räder rollen. Wer gerne bei den nächsten Fahrten dabei sein möchte, vielleicht noch Freunde dazu einlädt, findet den Fahrplan unter http://www.dampfeisenbahn-weserbergland.de. Am 11.12. finden noch Nikolausfahrten statt (Stadthagen, Wunstorf, Rinteln). Die Dampfeisenbahn Weserbergland würde sich auch sehr über eine Spende freuen. Im Menüpunkt „über uns“ auf der Homepage versteckt sich bescheiden die Kontonummer 341 296 762 bei der Sparkasse Schaumburg, BLZ 255 514 80. Bei Angabe der Adresse kann der gemeinnützige Verein auf Wunsch steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausstellen.

Update:
Ein kleines Amateurvideo über die Fahrt gibt es unter http://www.youtube.com/user/Schienenschrat?feature...
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