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30 Stadt ignoriert Eingaben des Heimatbundes. Dem Rathaus auf die Sprünge helfen I

Jümmer vorwärts. Heimatbund Niedersachsen e.V.
 
Altes Gericht auf dem Kirchenhügel
Ronnenberg, Stadt der sieben Richtigen?

Ein Blick ins Schaufenster der Stadt im Internet belehrt Besucher eines Besseren.
Schon bei den Auslagen wird mit zweierlei Maß gemessen.
So werden Äpfel mit Birnen verglichen, wenn für Empelde die Ersterwähnung ausdrücklich an Urkunden des neunten Jahrhunderts festgemacht wird, die allerdings nicht auf Empelde lauten, für Ronnenberg dagegen eine Vielzahl von Urkunden des zehnten bis zum 15. Jahrhundert übersprungen werden, um schließlich eine Urkunde von 1466 als Beleg für die Ersterwähnung unter dem heutigen Namen zu bemühen.

Empelde, Zitat offizielle Web Seite:
„In diesem Sinne ist eindeutig historische Kontinuität erkennbar. Urkundlich erstmals
840 n. Chr. erwähnt, weitete sich Empelde im ausgehenden Mittelalter zu einem Haufendorf aus.“ Weiter unter Bergbau: „Schon vor 1.100 Jahren wurde im Bereich des heutigen Empelde Salz gewonnen.“

Ronnenberg, Zitat offizielle Web Seite:
„Die Geschichte des Stadtteiles reicht rund 1.000 Jahre zurück. Seit 1466 ist der heutige Name urkundlich erwähnt. Die Michaeliskirche als Wahrzeichen des Stadtteiles bildet seinen Mittelpunkt.

Die Stadt über sich selbst.
Das Wahrzeichen Ronnenbergs, die Michaeliskirche, 1291 erwähnt, war damals vermutlich die Mutterkirche des Landes zwischen Deister und Leine, gleichzeitig jedoch Amtssitz des Bischofs von Minden. Verwaltet wurde er von einer Ministerialenfamilie „von Ronnenberg“.
Das Wappen dieser Familie wurde 1929 zum Wappen der heutigen Stadt Ronnenberg bestimmt.

Fazit
Worin die für Empelde bescheinigte eindeutig historische Kontinuität begründet liegt, bleibt ein Rätsel. Zwischen den frühen Amplithi/Amplidi Belegen des neunten Jahrhunderts und
den nächst jüngeren Urkunden im 13. Jahrhundert liegen immerhin rund 400 Jahre ohne Belege oder archäologische Datierungen. Der heutige Name Empelde ist erstmals im frühen 14. Jahrhundert erwähnt.
Für Ronnenberg sind die Belege des zehnten bis zum 15. Jahrhundert auf Runibergun, Runiberc, Runeberchen, Runneberg (zwölftes Jahrhundert) eindeutig mit Ronnenberg identisch, werden aber übergangen.
Vor dem zehnten Jahrhundert hat Ronnenberg immerhin wissenschaftlich bestätigte archäologische Datierungen aufzuweisen, die ins dritte Jahrhundert vor Chr. zurückreichen mit mehrperiodischer Siedlungskontinuität an verschiedenen Stellen, die sich ergänzen, des Weiteren die Hinterlassenschaft der Bonifatuiskapelle (vermutlich der Urkirche des Deisterlandes) wie zwei Portale und drei Kapitelle sowie der Beleg Runibergun des sechsten Jahrhunderts als These für eine Identität mit Ronnenberg, die eine durchgängige Siedlungskontinuität stützen.
Kurzum:
Die Belege Amplidi und Runibergun sind mit Identitätsproblemen belastet. Beide Zuweisungen basieren auf Hypothesen. Allerdings kann sich Ronnenberg angesichts des gesicherten Umfeldes vor und nach dem sechsten Jahrhundert auf deutlich stabilere Indizien berufen.
Die Geschichte der Stadt freilich beginnt frühestens mit dem Ronnenberg - Gesetz 1969. Insbesondere kann die Stadt nicht Attribute, die dem Stadtteil Ronnenberg zustehen, und dort keine Erwähnung finden, für sich in Anspruch nehmen. Zudem sind die Darstellungen teilweise fraglich bzw. falsch. Z. B. wurde das Wappen der Familie von Ronnenberg 1929 nicht der Stadt Ronnenberg sondern der damaligen Gemeinde Ronnenberg genehmigt und erst 1969 zum Wappen der Großgemeinde bestimmt.

Auf diese Thematik wurde die Stadt Ronnenberg mit Schreiben vom 19.11.2007 und 23.6.2009 angesprochen und um Richtigstellung gebeten. Dies ist bis heute nicht geschehen, auch mein Angebot einer kostenlosen Überarbeitung der fraglichen Seiten fand keine Resonanz.

Vielen Dank.
Karl-Fr. Seemann
13.5.2010

NS
Empelde täte gut daran, sich bei den Belegen des neunten Jahrhunderts nicht auf Thesen der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts auszuruhen, die, wie in Ronnenberg, damals eine Ersterwähnung zuließen, einer Quellenselektion nach heutigen Maßstäben aber nicht standhalten würden. Immerhin wird zunächst einem Notar in kaiserlichen Diensten ein Schreibfehler bei der Abfassung einer Schenkungsurkunde unterstellt, um Empelde überhaupt ins Spiel zu bringen. Zudem leidet der Beleg Corveyer Schenkungsliste unter dem Verlust des Originals aus dem neunten Jahrhundert. Inwieweit der vorhandene neuzeitliche Beleg mit dem Original identisch ist, entzieht sich also einer kritischen wissenschaftlichen Forschung. Hinzu kommt, das die archäologischen Daten für Empelde eine von der früheren Ortsforschung unterstellte uralte Salztradition in keiner Weise bestätigen.

Vorabdruck eines Auszuges der in Arbeit befindlichen Ronnenberger Geschichthefte.
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