74 Das Zugangebot der S-Bahn-Haltestelle Ronnenberg - Ein öffentlicher Brief

Jümmer vorwärts - Heimatbund Niedersachsen e. V., Gruppe Ronnenberg
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Region Hannover
Bodo Messerschmidt
Vorsitzender der Regionsversammlung
Hildesheimer Straße 20

30169 Hannover

Anbindung der Kernstadt Ronnenberg an den ÖPNV, hier insbesondere an den S-Bahnverkehr

Sehr geehrter Herr Messerschmidt,

der Darstellung des Regionspräsidenten Hauke Jagau in der CZ. vom 21.2.2014 „Im Regionsvergleich ist ÖPNV-Anbindung gut“ müssen wir mit aller Deutlichkeit widersprechen. Bei der Aufzählung der Verkehrsmöglichkeiten ignoriert Herr Jagau leider wie gehabt die Tatsache, dass die Haltestelle Ronnenberg mit der Einführung des S-Bahnverkehrs von der Eisenbahnlinie Altenbeeken-Hannover ausgeschlossen wurde. Und er verschweigt den Bürgerinnen und Bürgern Ronnenbergs wissentlich die im Jahr 2007 für Dezember 2013 schriftlich zugesagte und noch 2011 ausdrücklich bestätigte Direktanbindung an die Züge der S-5 und damit an den Flughafen und die Weserberglandregion.
Im Übrigen sollte dem Regionspräsidenten doch bekannt sein, das es sich bei dem von ihm zitierten Stadtteil Ronnenberg um die Kernstadt dieser Kommune handelt.

Mit dieser Eingabe wenden wir uns ausdrücklich gegen augenfällige Benachteiligungen Ronnenberger Bürgerinnen und Bürger wie:

☻ umständliches zeitraubendes Umsteigen in Verbindung mit Einbußen von 10 Minuten in Hannover und 20 Minuten in Weetzen, das vor allem älteren und gebrechlichen Fluggästen auch physisch und psychisch die Reise erschwert, wie täglich auch etwa 20 Ronnenberger Schulkindern, die die Berufsschule in Springe besuchen.
☻ längere Anfahrten mit eigenen PKWs oder Taxen zu S-Bahn tauglichen Haltestellen oder gar zum Zielort.
☻ besonders ärgerlich bei den häufigen Verspätungen oder Zugausfällen vornehmlich der S-1/2 sowohl in Ronnenberg als auch in Hannover sind S-5 Züge, die in Ronnenberg nicht halten und insbesondere in Ronnenberg Berufspendler mit Mehrausgaben für Taxenbeförderung belasten.

Weiterhin widerspricht es jeglicher kaufmännischer Logik, die Haltestelle der Kernstadt Ronnenbergs mit einem Einzugsgebiet von ca. 10000 potentiellen Fahrgästen, soeben mit erheblichem Aufwand S-Bahntauglich ausgebaut, nur mit Knapp 44% des verfügbaren S-Bahnangebotes zu bedienen.
Mit anderen Worten: Mehr als 56% der Züge des ÖPNV, die nach der Vorgabe des Planers dieses Zugsystems an jeder Haltestelle zu halten haben, fahren in Ronnenberg durch.

Auch die Tatsache, dass in der Vergangenheit Protesten Hannoverscher Stadtteile gegen durchfahrende Züge der S-5 spontan mit dem Halt dieser Bahnen nachgegeben wurde, ohne den nächsten Fahrplanwechsel abzuwarten, während der HBN seit 2007 stereotyp auf den Fahrplanwechsel 12/2013 vertröstet und die Zusagen dann nicht eingehalten werden, erregt den Unwillen Ronnenbergs, zumal anlässlich einer Bürgerbefragung des Heimatbundes 2008 bereits 420 Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift für einen sofortigen Halt dieser Züge votiert haben. Diese Aktion ist der Verwaltung der Region bekannt.

Für die Kernstadt Ronnenberg erwarten wir weder Vorteile noch Sonderechte.

Allerdings beharren wir auf einer sofortigen Anbindung unserer Haltestelle an die Züge der Linie S-5, würden allerdings angesichts des offensichtlichen Engpasses Richtung Hannover einen 60-Minutentakt tolerieren. Im Gegenzug würden wir für die S-1/2 stündlich auf einen Halt im Wechsel zwischen den Zielorten Nienburg und Minden verzichten. Fahrten nach Hannover bleiben mit einem 30 Minutentakt unverändert, der Flughafen wäre im 60-Minutentakt erreichbar.
Diese Regelung erfüllt die 30-Minutentakt Norm und der Engpass Ronnenberg - Hannover würde, wenn überhaupt, maximal 1X stündlich mit der Ronnenberger Haltezeit belastet.

Ein kurzer Rückblick dokumentiert die Schwachstellen, denn die falsche Weichenstellung bei der Einführung des S-Bahn Betriebs fußt wieder einmal auf der Tatsache, dass langjährige historische Traditionen ignoriert wurden.
Die Ronnenberger Bahngeschichte beginnt mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Hannover- Hameln anno 1872. Ronnenberg war Station der ersten Stunde und der zweite Haltepunkt nach der Centralstation Hannover und besaß damals bereits einen der wenigen Bahnhöfe dieser Strecke. Traditionell gehörte Ronnenberg zur Hamelner Bahn, wurde aber zur Gänze auch von der Deisterbahn bedient.
Noch 1994 hat der Verkehrsausschuss des Kommunalverbandes Hannover dem Bahnhof Ronnenberg angesichts erheblich höherer Fahrgastzahlen den zusätzlichen Halt von fünf Hamelner Schnellzügen täglich genehmigt!
Diese angemessene Versorgung fand zu Beginn des 21. Jahrhundert abrupt ein Ende, obwohl kurz zuvor Klaus Abelmann als Sprecher des Kommunalverbandes Großraum Hannover (verantwortlich für die Planung des zur Expo 2000 eingeführten S-Bahnsystems) der in Gründung befindlichen Region diese Forderung mit auf den Weg gegeben hatte. Zitat:

„Die S-Bahn ist als öffentliches Verkehrsmittel für den Nahbereich konzipiert. Sie soll an allen Haltepunkten Station machen. So will der Kommunalverband Großraum Hannover möglichst vielen Fahrgästen das Umsteigen vom Auto auf die Bahn ermöglichen“. (HAZ vom 3.3.2001)

Den Kardinalfehler haben also die Region bzw. deren Politiker zu verantworten, die bei der Umstellung auf den regulären S-Bahnbetrieb eine 128 jährige Ronnenberger Bahntradition schlichtweg missachtet haben. Mit der totalen Abkopplung von der Hamelner Strecke wurde Ronnenberg ungefragt ein Bauernopfer abverlangt mit der Folge, dass viele Dauerkunden der Schiene endgültig den Rücken gekehrt und sich ihres PKWs erinnert haben. Damit wurde die soeben verkündete Zielmarke des Großraumverbandes „Entlastung des Individualverkehrs“ bereits in der Anfangsphase diametral unterlaufen. Diese Kunden fehlen seitdem bei den turnusmäßigen Zählungen. Und dieser elementare Fehler war der ideale Nährboden für zwölfjährige Neid- und Milchkannenattacken von Deisterinitiativen, denen es konkret um die Durchfahrt in Ronnenberg ging nach dem Motto „Gleiches Recht für alle“. Die Schließung der Ronnenberger Haltestelle wurde billigend in Kauf genommen und in jenen Tagen bereits öffentlich und in Bahnkreisen diskutiert. Zuwegung und Bahnanlagen verfielen zusehends. Folglich kehrten weitere frustrierte Kunden dem total vernachlässigten Bahnhof den Rücken, der mittlerweile nur noch über halsbrecherische Zuwegungen erreichbar war.

Während die Aktionen der Deister-Initiativen um einen Zeitgewinn von wenigen Minuten aber heute mit zusätzlichen kostspieligen Sprintern belohnt werden, verschreckt man bar jeglicher Logik weiterhin mögliche Bahnkunden in Ronnenberg konstant mit mehrheitlich durchfahrenden Zügen.

Zusammenfassend gilt leider die Feststellung, dass der beklagte Kundenschwund die Folge einer in toto verfehlten Regionspolitik ist.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir angesichts des großen Interesses dieses Schreiben gleichzeitig der Öffentlichkeit präsentieren.

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Fr. Seemann für BÜBARO und Heimatbund

Bürgerreporter:in:

Karl-Fr. Seemann aus Ronnenberg

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