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Ein rätselhafter Soldatenfriedhof – Schiftung/Rheinmünster

 
Der Hinweisstein "Zum Soldatengrab" ist nur schwer zu erkennen
Rheinmünster: Soldatengrab | Wer den Flughafen Karlsruhe-Baden aus Richtung Süd-Ost, quasi durch den Hintereingang anfährt kann mit etwas Glück einen Stein mit dem Hinweis „zum Soldatengrab“ entdecken der an der Einmündung zu einem schmalen Waldweg steht.
Diesem Weg folgend steht man nach wenigen Metern vor einem kleinen, umzäunten Friedhof der sich jedoch von anderen Kriegsgräberstätten seltsam unterscheidet.
Es gibt wie sonst üblich keine einzelnen Grabstätten; die Namen der 31 hier liegenden Menschen sind auf einem großen, steinernen Kreuz eingemeißelt – und es gibt nur ein Datum: der 19.Januar 1945. Auch fehlen die sonst üblichen Dienstgradangaben – nur die Überschrift auf dem Stein daß es sich um deutsche Soldaten handelt.
Auf der Internetseite der Deutschen Kriegsgräberfürsorge findet sich kein entsprechender Eintrag.
Wer nun versucht über das Datum herauszufinden was an diesem Ort, an diesem Tag passierte wird nicht fündig. Die Chronik besagt sogar daß es zu diesem Zeitpunkt in dieser Gegend noch gar keine Kämpfe zwischen deutschen und alliierten Truppen gegeben haben soll, auch von einem Luftangriff ist nichts beschrieben.

Was also ist passiert?

Erst der Kreishistoriker aus Bühl löst das Rätsel.
Im Dezember 1944 versuchte die deutsche Armee mit der „Operation Nordwind“ das Blatt doch noch zu wenden und startete im Nordelsass eine Gegenoffensive gegen die US- und französischen Streitkräfte. Die Deutschen versuchten nach Straßburg vorzurücken und konnten dabei einige Erfolge erringen – und sowohl deutsche als auch die US- und französischen Truppen, vor allem aber die Zivilbevölkerung mußten einen hohen Preis zahlen.
An den Kämpfen beteiligt war auch die 10. SS Panzerdivision der auch SS-Obersturmführer Erwin Bachmann angehörte. Ihm und seiner Einheit gelang es am 17. Januar bei Herrlisheim 60 US- Soldaten gefangenzunehmen und insgesamt 12 „Sherman“ Panzer zu erbeuten die dann gegen die US-Truppen eingesetzt wurden.
Zwei Artikel darüber bekam ich in die Hand mit dem Hinweis daß es sich um Kameraden Bachmanns handeln würde und er sich bis vor einigen Jahren für diesen Friedhof eingesetzt hat – hier fanden denn wohl auch einschlägige Gedenkfeiern statt.

Die 3. Französische Infanteriedivision wies vom 17. bis zum 21. Januar Angriffe der 10. SS-Panzerdivision auf Kilstedt blutig ab – und bei einem Gefecht am 19. Januar starb auch der SS- Offizier Horst Kallmeyer:
„In January 1945 he was posted to the 10 SS-Division Frundsberg. This division was formed on the 19th January 1945 to carry out a counterattack to Strasbourg/Alsace. West of Herrlisheim/Alsace his tank platoon (tank V Panther) were ambushed by an American Sherman tank. A shot destroyed his tank. In total 31 soldiers died. The counterattack has been a failure. „
http://www.worcestershireregiment.com/wr.php?main=...

Die Zahl der getöteten Soldaten stimmt – und auch der Name Horst Kallmeyer findet sich auf dem Steinkreuz.

Doch – wie entstand dieser Friedhof ?
Die SS-Panzer-Division „Frundsberg“ wurde Anfang Januar 1945 in den Bereich zw. Stollhofen und Freistett verlegt zur Verteidigung des linksrheinischen Brückenkopfes bei Offendorf/Gamsheim. Bereits im Februar wurde diese Panzer-Division nach Pommern verlegt um dort gegen die Sowjet-Armee bei Stargard zu kämpfen.
Bei den erwähnten Kampfhandlungen im Elsass fielen am 19.1.45 31 Soldaten dieser Kompanie. Die eigene Werkstatt- und Versorgungskompanie legte im Söllinger Wald bei Schiftung für sie eine Grabstätte an; einzelne Soldaten wurden später von Angehörigen in deren Heimatorte umgebettet.
Die Grabstätte trug anfangs die Bezeichnung „Heldenfriedhof“. Nachdem der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dort ein Ehrenmal errichtet hatte erhielt sie die Bezeichnung „Soldatengrab“. Ein Stein mit entsprechender Aufschrift wurde von einigen Überlebenden dieser Einheit im Jahre 1976 gestiftet.
Es gab auch Mutmaßungen daß es sich bei den Toten um ehemalige KZ- Aufseher aus dem Lager Neue Bremme im Saarland handelt die 1946 zum Tode verurteilt und im selben Waldstück erschossen wurde. Diese wurde allerdings auf lokalen Friedhöfen in den umliegenden Ortschaften beerdigt.
Es ist schon merkwürdig daß dem normalen Besucher der Hintergrund dieser Grabstätte vorenthalten wird...
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11 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 19.11.2011 | 19:04  
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Detlev Müller aus Burgdorf | 19.11.2011 | 20:09  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 19.11.2011 | 20:17  
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Edgard Fuß aus Bühl | 20.11.2011 | 15:19  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.11.2011 | 15:38  
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Hubert Joachim aus Bobingen | 25.11.2011 | 09:13  
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Edgard Fuß aus Bühl | 25.11.2011 | 21:17  
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Sonja Badenremembered aus Rheinmünster | 10.01.2013 | 04:38  
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Edgard Fuß aus Bühl | 10.01.2013 | 10:42  
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Sonja Badenremembered aus Rheinmünster | 10.01.2013 | 20:52  
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Edgard Fuß aus Bühl | 10.01.2013 | 21:42  
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