Siegfried Born: Missbrauchsfälle durch die Katholische Kirche in den USA und in Deutschland

Die vor kurzem an die Öffentlichkeit gelangten Ergebnisse der Ermittlungen der Grand Jury in Pennsylvania, USA, zum Missbrauchsskandal durch Vertreter der Katholischen Kirche gegen ihre Schutzbefohlenen in den letzten 70 Jahren machen eine weitere kritische Betrachtung der Vorfälle notwendig. Siegfried Born, der sich schon 2016 mit den Missbrauchsfällen der Katholischen Kirche, hier insbesondere bei den Regensburger Domspatzen, kritisch auseinander gesetzt hatte, („Ehemalige Opfer der Regensburger Domspatzen werden nun entschädigt“) nimmt die aktuellen Ermittlungen zum Anlass, um sich erneut kritisch zu Wort zu melden:

Jetzt in den USA: Etwa 1000 Missbrauchsfälle durch die Katholische Kirche von der Grand Jury in Pennsylvania aufgedeckt

Ein Skandal ungeahnten Ausmaßes wurde jetzt öffentlich. Die Rede ist vom Missbrauchsskandal durch Vertreter der Katholischen Kirche in den USA, Pennsylvania, gegen etwa eintausend Schutzbefohlene. Dachten wir bisher, dass die Missbrauchsfälle durch Vertreter der katholischen Kirche gegenüber Schutzbefohlenen hier in Deutschland von enormen Ausmaß sei, ist die Zahl der Missbrauchsfälle in den USA wesentlich höher, leider! Etwa 300 Täter wurden durch die Grand Jury, eines Geschworenengremiums der weltlichen Justiz in Pennsylvania, ermittelt, die in den vergangenen 70 Jahren ihr Unwesen getrieben haben sollen. Dabei gab und gibt es eine große Anzahl von Geistlichen, die Mitwisser waren und die Täter deckten und derartige widerwärtige Taten vertuschten, wie der zuständige Justizminister des betreffenden Bundesstaates, Josh Shapiro, vor wenigen Tagen äußerte.

Welche Ergebnisse liegen bis heute in Deutschland vor?

Aber immer noch wartet die Öffentlichkeit hier in Deutschland auf die Aufklärung von etlichen Missbrauchsfällen, wie zuletzt bei den Regensburger Domspatzen, wo seit 1945 über 540 Jungen sexuell missbraucht und misshandelt worden sein sollen. Der als Sonderermittler beauftragte Rechtsanwalt, Ulrich Weber, hatte nach seiner zweijährigen Untersuchung im Falle des Missbrauchsskandals bei dem weltberühmten Knabenchor in Regensburg seinen Abschlussbericht vorgelegt, in dem er feststellen mussten, dass etwa 500 Chorkinder körperliche Gewalt und 67 sexuelle Gewalt erlitten hätten. Da die Dunkelziffer höher sei, gehe Weber davon aus, dass etwa 700 Opfer zu beklagen sind. Die Betroffenen haben ihr Schicksal als „Gefängnis“, „Hölle“ oder sogar als „Konzentrationslager“ bezeichnet. Weber habe 49 Personen als mutmaßliche Täter ermittelt. Aber leider sind juristisch fast alle Fälle verjährt. Hauptsächlich in den 60er und 70er Jahren haben sich die Taten ereignet. Körperliche Gewalt war anscheinend bis 1992 gängige Praxis. Die Ermittlungen gingen sowohl gegen den damaligen Kardinal, Gerhard Ludwig, als auch gegen Georg Ratzinger, den Bruder des damaligen Papstes Benedikt XVI. Opferanwalt Weber hatte schwere Vorwürfe erhoben wegen des Wegschauens und wegen fehlenden Einschreitens trotz Kenntnis. Auch in Pennsylvania wurde systematisch weggeschaut, nicht eingeschritten nach Kenntnisnahme und die Täter sogar noch befördert.

Bistümer in Deutschland sowie die Deutsche Bischofskonferenz sind in der Pflicht

Hier in Deutschland will nun der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes Wilhelm Rörig, angesichts der unsäglichen Verbrechen in den USA aber auch hier in Deutschland die Katholischen Kirche, insbesondere die Bistümer, dazu bewegen, mehr für die Aufklärung der bisherigen Missbrauchsfälle zu tun.

Er bemängelt, dass einige Bistümer bei der Aufklärung nicht so kooperativ sind, wie gewünscht. Deshalb ist der Trierer Bischof Ackermann nicht gut zu sprechen auf Rörig, der festgestellt habe, dass nicht alle Bistümer ihre Archive für die lückenlose Aufklärung von Missbrauchsfällen geöffnet haben.

Denn noch immer scheint es so, dass Institutionen- und Täterschutz höher zu bewerten seien als Opferschutz. Damit muss jetzt aber ein für allemal Schluss sein. Wenn es aber nicht mehr um das Ansehen und den Schutz der Kirche gehen dürfe, so Rörig, dann bleibt nur zu hoffen, dass die bekannten 49 Täter innerhalb der Katholischen Kirche nun endlich ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Noch wichtiger aber ist es, vorzubeugen, dass derartige Missbrauchsfälle nicht wieder geschehen können.
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