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“Tatort”: Doppelleben ohne Spannung

Der “Tatort” macht es seinen Zuschauern in letzter Zeit nicht leicht. Die Unterhaltung der letzten Sendungen gleicht einer Achterbahn und erreichte gestern wieder einen Tiefpunkt. Der Kölner Fall „Trautes Heim“ beleuchtete das Doppelleben eines Mannes. Doch Spannung suchte man gestern Abend vergebens.

Kaum ist die bekannte „Tatort“-Melodie verklungen, zeigt sich auf dem Bildschirm das, was der Titel bereits verrät: Ein „trautes Heim“ in Form einer kleinen und offensichtlich glücklichen Familie. Mit viel Liebe weckt Mutter Simone Schäfer (Alma Leiberg) ihren kleinen Sohn Lukas, der ganz vernarrt in die Hörspiele eines Weltraum-Helden ist. Nach der Verabschiedung von Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat), einem Software-Entwickler, geht das Drama los: Auf dem Weg zum Fußballtraining wird Lukas von maskierten Verbrechern in einen Wagen gezerrt und entführt. Ein Augenzeuge, der helfen will, wird von den Entführern überfahren und stirbt noch am Unfallsort. Ein guter Einstieg, der einen spannenden Fall für die Kommissare Ballauf und Schenk verspricht.

Mehr Schein als Sein

Doch es bleibt wohl Wunschdenken, denn wirklich in Fahrt kommt „Trautes Heim“ zu keiner Sekunde. Nachdem die Entführung bekannt wird und die Eltern informiert werden, gibt es keine Tränen – das stößt vor den Kopf. Bei Vater Roman ist es nachvollziehbar, da er vor dem Auftreten der Polizisten von den Entführern informiert wird, aber den Gesetzeshütern nichts davon erzählt. Doch die Mutter? Keine einzige Träne. Stattdessen tauchen ihre Schwester Heike (Meike Droste) und deren Freund Kai (Lasse Myher) auf; ein überzeichneter, zu auffälliger Auftritt, der bereits die erste Spur in Sachen Täter legt. Dass das Bild der trauten Familie nicht ganz stimmt, zeigt sich erst im weiteren Verlauf des „Tatort“.

Ein Krimi ohne Emotionen

Im Laufe der Ermittlungen wird bekannt, dass Roman Sasse ein Doppelleben führt: An zwei verschiedenen Orten hat er zwei verschiedene Familien. Eine spezielle Agentur hilft Roman, die zwei Leben unter einen Hut zu bekommen. Ein Mann, zwei Frauen und zwei Kinder. Wirre Konstellationen, die sich in den 90 Minuten zuspitzen und beim Zuschauer die Frage aufwerfen, ob das überhaupt sein muss. Ein Drehbuch, das verwirrt. Was fehlt: Große Emotionen und Spannung. Selbst als Simone Schäfer vom zweiten Leben ihres Mannes erfährt, lässt sie das kalt, sie neigt sogar dazu, ihn in Schutz zu nehmen. Die überzeugendste Darbietung an diesem Abend lieferte letztendlich die andere Frau, Ruth Junghanns (Sandra Borgmann), die ihrem Charakter realistische Gefühle einhaucht. Und doch bleibt es am Ende ein zäher „Tatort“, der nie mitreißt, einen nie wirklich mitfiebern lässt.


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