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In Lübeck: Zwei Glocken als Mahnmal gegen Krieg und Gewalt

Junge Leute vor der Gedenktafel (links): Die zerborstenen Glocken liegen seit 1942 unverändert als Mahnmal unter dem Südturm der Marienkirche.
Lübeck: Marienkirche | Vor der Gedenkkapelle in der Lübecker Marienkirche tippte die junge ausländische Schülerin auf die Hinweistafel und fragte, was denn mit „ehemaligen Feinden“ gemeint sei. Eigentlich hätte die komplette Geschichte des 20. Jahrhunderts erläutert werden müssen.

Angesichts persönlicher leidvoller Erfahrungen in der Gegenwart können sich junge Leute kaum ausmalen, welches Elend die Menschen vor drei Generationen ertragen mussten: Krieg, Tod, Zerstörung, Hunger, Not.

Die Reste zweier Glocken hinter dem schmiedeeisernen Gitter signalisieren das Ausmaß der Verwüstung, die die Hansestadt während des Zweiten Weltkriegs traf. Während der Brandnacht 1942 stürzten sie aus 60 m Höhe ab, zerschlugen das Gewölbe und gruben sich in den Boden. Sie blieben als Mahnmal an dieser Stelle liegen.

Auf der Informationstafel ist nachzulesen:
"Für Frieden und Versöhnung
Die Kathedrale von Coventry wurde am 10. November 1940 von deutschen Fliegern zerstört. Alliierte Bomber setzten Palmarum 1942 (28. zum 29. März) St. Marien in Brand. Die Glocken stürzten aus dem brennenden Südturm in die Tiefe der Kapelle. Zwei Glocken liegen hier geborsten als Mahnung gegen Krieg und Gewalt, von englischen Christen wurde ein Versöhnungswerk mit den ehemaligen Feinden begonnen, das heute in der ganzen Welt wirkt. Das Zeichen dafür ist das 'Nagelkreuz von Coventry', das sich in der Mauernische der Kapelle befindet."

Auf der großen Glocke, die von Albert Benningk 1668 gegossen wurde, steht am Schlagring:
"Zur Predigt/
zum Gebet.
Ich läut auch zu den Leichen/
Krieg.
Feuer deut ich an/
Geb Fried- und Freudenzeichen/
gieb Jesus, daß in Fried und Freud
ich stets schall/
Wend ab von dieser Stadt
Pest, Feuer, Überfall."

Diese 5. Pulsglocke läutete getreu ihrer Inschrift vom 1. Advent 1669 bis zum Palmsonntag 1942, insgesamt 273 Jahre lang.
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