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Erinnerung an den Untergang der "Pamir" im Jahr 1957

Das Rettungsboot in der Turmkapelle ("Pamirkapelle")
 
Schrifttafeln informieren über die dramatischen Ereignisse 1957
Lübeck: St.-Jakobi-Kirche | In der kleinen Turmkapelle von St. Jakobi – seit 2007 eine nationale Gedenkstätte der zivilen Schifffahrt - steht das Rettungsboot Nr. 2, das nach dem Untergang der Viermastbark Pamir 1957 geborgen wurde. Diese Pamirkapelle ist vor allem ein Ort der Stille, des Gedenkens, der Erinnerung. Schrifttafeln thematisieren die dramatischen Ereignisse von 1957, als die Pamir auf der Heimreise von Argentinien in einen Hurrikan geriet und mit achtzig Mann Besatzung im Atlantik versank. Sechs Seeleute wurden gerettet.

Die Infotafel:
Der Untergang der Pamir am 21. September 1957
Die 3100 BRT große Viermastbark war am 10. August 1957 mit 86 Mann aus Buenos Aires ausgelaufen. Am 21. September traf der Hurrikan Carrie auf einer völlig regelwidrigen Bahn auf das Schiff, dessen Führung es gelungen war, mit reduzierter Segelfläche den so genannten fahrbaren Quadranten zu erreichen. Der tropische Wirbelsturm war allerdings in seiner Form einer Wandlung unterworfen, in der der vordere Quadrant durch stärkste Winde zum gefährlichen Sektor geworden war.
Pamir lag ohne gesetzte Segel mit zunehmender Krängung auf Backbord-Bug. Die Situation des Schiffes in hochgehender See ließ ein Zuwasserbringen der Boote, die ohnehin durch Seeschlag in ihren Halterungen stark beschädigt worden waren, nicht zu. Boot Nr. 6 war schon vorher verloren gegangen.
Als die Toppen zu Wasser kamen, sprangen und fielen viele Männer nach Lee und wurden vom kenternden Schiff unter Wasser gedrückt. In den aufgetriebenen wracken Booten Nr. 5 und 2 fanden einige Seeleute zunächst einen Halt. In Boot Nr. 5: Zehn Mann, von denen fünf nach ca. 54 Stunden gerettet wurden. In Boot Nr. 2: Einundzwanzig Mann, von denen einer nach ca. 72 Stunden gerettet wurde.

Der Bericht von Günter Haselbach, der gerettet wurde:
Das Boot trieb leeward des kieloben treibenden Schiffes. Im letzten Moment waren die Laschings geslipt worden. Die Strömungen am Schiff ließen das Boot, an dem schlagenden Ruder vorbei, achteraus treiben. Es wurde zum Sammelpunkt für Schwimmer, die nach und nach eintrafen, die letzten nach vielen Stunden in dunkler Nacht. Wind und Wellen trieben das Boot vom Schiff fort, das nach etwa einer Stunde versank. Bis fast zuletzt war noch ein Mann auf dem kieloben treibenden Schiff zu sehen gewesen.
Die steil herabfallenden, brechenden Kämme der Sturmseen zwangen das Boot mit den Männern immer wieder unter Wasser und ließen es mehrfach kentern. Den Atem anzuhalten und sich einen Halt zu bewahren, war das Gebot.
Später verteilten sich die Männer, die alle Schwimmwesten trugen, auf dem Dollbord, die Hände fest an den Greifleinen. Nur die Köpfe, gelegentlich die Schultern, waren über dem Wasser zu sehen. Schon in der ersten Nacht wurden Dampferlichter gesehen, und die Idee einer freundlichen Messe und einer Tasse Tee gaben Hoffnung. Drei Männer gingen verloren in der ersten Nacht.
An den Folgetagen wurden wiederholt Fahrzeuge und Flugzeuge gesichtet. Einen Tanker konnte man unterscheiden. Die Männer versuchten, das Boot mit Hilfe der Riemen, nach Auslegerart gelascht, zu stabilisieren. Der Treibanker wurde ausgebracht.
Die Wasserfässer waren fortgespült worden oder der Inhalt mit Seewasser vergällt. Eine passierende Regenflage war wenig ergiebig. Schiffskeks, stark gesüßte, dicke Milch in Cans und Dextro Energen wurden redlich geteilt, sowie das Wetter es zuließ. Seenotsignale, soweit noch vorhanden und zu betreiben, versagten in der Nässe. Eine Spiere mit einem Stück des Bootssegels wurde aufgerichtet.
Am Morgen des dritten Tages nach dem Untergang waren noch acht Mann im Boot. Verschlucktes Seewasser, Mangel an Frischwasser und die Auskühlung führten zu einem Versinken in sich selbst. Verlockende Bilder, die scheinbar Rettung in erreichbarer Nähe signalisiert haben könnten, mögen zu einem Realitätsverlust geführt haben.

Das Schiffsmodell
Das Modell ist ein Geschenk eines ehemaligen Besatzungsmitgliedes des Segelschulschiffes Pamir an die Seefahrer- und Fischerkirche St. Jakobi zu Lübeck. Eines der beiden gefundenen Rettungsboote liegt in dieser Kirche und erinnert an alle Menschen, die draußen auf See geblieben sind.
Erbauer und Stifter des Modells ist Kapitän Wilfried Hartwig, Lübeck.
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1 Kommentar
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain | 07.11.2010 | 13:10  
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