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Was wollen Sie in Ihrer neuen Gemeinde bewegen, Frau Gärtner?

  • Beate Gärtner und Superintendent Ralph Charbonnier.
  • Foto: K. Jarolim-Vormeier
  • hochgeladen von Annika Kamissek

Beate Gärtner ist die neue Pastorin der Matthäus-Kirchengemeinde. Im myheimat-Interview erzählt sie von ihrem Einführungsgottesdienst und verrät, was sie in ihrer neuen Gemeinde bewegen will.

Frau Gärtner, seit Kurzem sind Sie Pastorin der Matthäus-Kirchengemeinde, zuvor haben Sie für die Andreas-Gemeinde in Hildesheim gearbeitet. Wie sind Sie aufgenommen worden?

Ausgesprochen herzlich! Mein Einführungsgottesdienst und der anschließende Empfang am 8. August werden mir noch lange in sehr guter Erinnerung bleiben. Ich habe in freundliche Gesichter geblickt, bin mit offenen Armen empfangen worden und habe warme Worte gehört. Das wird mich in meiner Arbeit beflügeln.

Was unterscheidet denn die Gemeinden voneinander?

St. Andreas in Hildesheim ist die Bürgerkirche der Stadt, einstmals von selbstbewussten Bürgern als Gegenpol zum Domhof und zum Bischofssitz errichtet, angefüllt mit Geschichte, aber eben auch Ehrfurcht gebietend. Einer Kirche mit einem 28 Meter hohen Mittelschiff begegnet man in der Regel nicht vertraut. Eine solche Kirche will gesiezt werden. Und ähnlich verhält es sich mit dem Gemeindeleben. Genau das unterscheidet die Lehrter Matthäusgemeinde mit ihrer Kirche auf so wohltuende Weise von St. Andreas: ein im 19. Jahrhundert mit roten Backsteinen erbauter Haase-Bau mit hölzernem Gestühl – das wirkt einladend und anheimelnd. Die Matthäuskirche bietet einem sofort das „Du“ an. Sie schafft unmittelbare Gemeinschaft in der Gemeinde und unter den Menschen, die sich in ihren Mauern treffen.

Was wollen Sie in Ihrer neuen Gemeinde bewegen, wo wollen Sie sich besonders engagieren?

Als die Stelle in der Evangelischen Zeitung ausgeschrieben war, stand dort: Wir sind eine lebendige Gemeinde im Herzen Lehrtes. Das hat mich angesprochen. Denn das will ich selbst auch: so in der Gemeinde mitarbeiten, dass sie lebendig ist und bleibt. Dass in ihr vielfältige Gruppen und Kreise ihren Ort finden und einer den anderen akzeptiert, mehr noch, dass sich die Gruppen und Kreise gegenseitig begeistern und so nach außen tragen, wie bunt, lebensfroh und ansteckend christlicher Glaube ist. Meinen Teil will ich dazu beitragen, indem ich mit Liebe Gottesdienste feiere, einfühlsam Kasualien gestalte und mich aktiv im regionalen Konfirmandenmodell „Auf Kurs“ engagiere.

Warum lohnt sich ein Gottesdienstbesuch in Lehrte?

Weil es in der Matthäusgemeinde zwei engagierte Pastoren und eine engagierte Diakonin gibt, die gern, gut und abwechslungsreich predigen. Und weil eine engagierte Kirchenmusikerin diese Gottesdienste ebenso abwechslungsreich musikalisch mitgestaltet. Traditionell kommen diese Gottesdienste daher und außergewöhnlich – etwa als Gospelgottesdienste oder als Gottesdienste für Groß und Klein. Gottesdienst in Matthäus, das heißt: Vielfalt. Das heißt auch, dass viele zur Sprache kommen. In Predigt, im Gesang, als Band, als Chor, als Ehrenamtlicher. Ein Gottesdienst, der von der Gemeinde getragen wird und viel mehr ist als nur eine Stunde im Kirchenschiff. Hinterher beim Kirchenkaffee zu bleiben, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Kaffee und Tee oder aber Kirchencola für Kinder zu trinken, das rundet den Gottesdienst erst richtig ab.
Einen dieser besonderen Gottesdienste gibt es am Sonntag, 19. September, ab 10 Uhr. Er wird ökumenisch gefeiert und findet in einem Zelt auf dem Schützenplatz am Hohnhorst-Park statt. Es wird dort Musik vom Gospelchor Swing Low zu hören geben, die Kinder der Kinderbibelwoche werden vermelden, was hinter dem Aufruf: ‚Ab in die Arche!‘ steckt. Und wer schon immer mal seine Fürbitte an Gott per Luftballonpost in den Himmel schicken wollte, der kann das in diesem Gottesdienst tun.

Welche weiteren Gottesdienstprojekte planen Sie?

Aus Hildesheim habe ich eine Idee mitgebracht, die allerdings noch in den Kinderschuhen steckt und, vorausgesetzt, dass der Kirchenvorstand ihr zustimmt, sicherlich erst 2011 verwirklicht werden kann: ein Gottesdienstformat, das sich Kanzelrede nennt. Dabei werden in einer Reihe, in etwa halbjährlichem Turnus, VIPs gebeten, im Gottesdienst zu einem biblischen Text eine etwa 20-minütige Rede von der Kanzel zu halten. Außerdem werden sie gebeten, sich anschließend einer Fragerunde des Publikums zu stellen. Moderiert und liturgisch begleitet wird das Ganze von einem Pastor. Meine Hoffnung ist: dass jetzt sehr viele Lehrter VIPs das hier lesen und denken: „Das wollte ich doch schon immer mal machen“, und sich bei mir melden. Die Bürgermeisterin Jutta Voss hat übrigens grundsätzlich auf meine Nachfrage schon zugesagt – aber das nur als kleiner Anreiz für die anderen.

Wenn jemand Interesse am Ehrenamt hat: Wie kann er sich in Ihrer Gemeinde engagieren?

Vielfältig. Fast unglaublich vielfältig. Die vergangenen Wochen habe ich damit verbracht, alle möglichen Gruppen und Kreise zu besuchen: ich habe es bisher nicht geschafft! Es ist wirklich für jeden etwas dabei und auch für jede Altersstufe. Im „Matthäus-Kalender“, der in den Schnittpunkten, unserem gemeinsam mit Markus herausgegebenen Gemeindebrief erscheint, kann man zwischen 25 Gruppen und Kreisen wählen! Und, was auch wichtig ist: hier mitzumachen, macht Spaß, weil die Stimmung gut ist und die Menschen nett sind. Ich sollte das jetzt vielleicht mal theologisch formulieren: weil hier der Geist Gottes auf eine gute Art und Weise weht.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?

Ich lese sehr gerne. Allerdings nichts Theologisches, sondern Belletristik. Und Krimis. Außerdem lerne ich seit einiger Zeit Dänisch, weil ich begeisterte Dänemark-Urlauberin bin.

Mal abgesehen von Ihrem Beruf: Was macht Lehrte lebenswert?

So banal das klingt: zunächst einmal das Pfarrhaus. Ein ausgesprochen helles und freundliches Haus mit einem sehr schönen Garten. Dann die Menschen, die mir hier bisher begegnet sind. Vielleicht gibt es eine besondere Lehrter Art, die sich in Freundlichkeit und Zugewandtheit ausdrückt.

Und was sollte in Lehrte besser werden?

Ich fürchte, dass ich das nach so kurzer Zeit nicht angemessen beurteilen kann und außerdem dazu neige, massiv in die Banalitäten weiblicher Einkaufsbedürfnisse abzugleiten. Also: Den Bauzaun in der Nähe der Zuckerpassage finde ich nicht so schön, und ich habe bisher meine bevorzugte Schuhmarke noch nicht finden können.

Seit zwei Jahren schreiben Bürgerreporter aus Lehrte auf dem Portal myheimat. Was halten Sie von dem Projekt? Können Sie sich vorstellen, dort auch von Ihren Projekten zu berichten?

Ich finde myheimat ein sehr gelungenes Projekt. Bürgernah durch die Bürgerreporter. Und am Puls der Zeit durch den Auftritt im Internet. Ein Forum, das ich als Pastorin auf alle Fälle nutzen werde, um die Matthäus-Gemeinde der Öffentlichkeit zu präsentieren.

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