Anzeige

Bankbetrug, Teil 5 – das Mehrkontensystem

Zu Urgroßmutters Zeiten standen im Küchenschrank mehrere Töpfchen, und wenn der treusorgende Vater nach Hause kam und seinen geringen Lohn auf den Tisch legte, dann wurde das kleine Häufchen auf die einzelnen Töpfchen verteilt: Miete, Strom, Wassergeld, Kleidung, Schulzeug, ein wenig für Essen. Nach dem Willen der Banken sollen wir es auch heute genau so machen, nur freilich sollen es statt der Töpfchen viele, viele Konten bei der Bank sein.
Da geht es also nicht nur um das allerwelts Girokonto. Es muss auch ein Tagesgeldkonto sein, eins für Monatsgeld, eins für einen Sparvertrag, eines für staatlich gefördertes Sparen und noch möglichst viele weitere. Mit etwas Glück – aber wer hat heute schon Glück? - werden alle diese Konten gebührenfrei geführt. Verschwiegen werden das Festlegungsdatum und die weniger und noch weniger mickerigen Zinssätze, nur die Kreditzinsen, die sind stattlich.
Das Führen dieser vielen Konten kostet die Bank praktisch heute nichts, denn für jede Buchung werden ja nur ein paar Bit im Rechner verschoben. Wo liegt also der Gewinn für die Bank?
Da gibt es zunächst einen objektiven und sehr ehrenwerten Grund. Die Bank muss Mindestreserven bei der Bundesbank halten und zwar zinslos. Diese Mindestreserve ist ein Prozentsatz der Einlagen. Und für die einzelnen Einlagearten ist dieser Prozentsatz unterschiedlich hoch. Am höchsten ist die bei der Bundesbank zu haltenden Mindestreserve für Sichteinlagen, das sind die Kontoguthaben auf den Girokonten. Geringer sind die bei der Bundesbank zu haltenden Mindestreserven bei längerfristigen Termingeldern und bei Sparguthaben.
Da die Bank mit den bei der Bundesbank zu haltenden Mindestreserven nichts verdienen kann, wohl aber selbst darauf Guthabenszinsen zahlen muss, hat die Bank ein objektives und sehr ehrenwertes Interesse daran, diese Mindestreserven möglichst niedrig zu halten – und das kann sie nur, indem sie ihre Kunden überredet doch länger liegendes Geld vom Girokonto auf ein Festgeldkonto zu verschieben. Und dafür ist die Bank sogar bereit auch etwas zu zahlen.
Dann aber gibt es auch das heimtückische Interesse der Bank im Mehrkontensystem. Die Bank hofft, dass sich der Kunde in seinen möglichst vielen Konten und Anlageformen verheddert und dann irgendwo, irgendwann gezwungen ist ganz schnell einen überteuerten Kredit aufzunehmen.
Mein Rat: immer alle Konten und Anlagen im Blick haben, Kontoauszüge und Fälligkeiten prüfen, Termingeld rechtzeitig kündigen (oder [automatisch] verlängern), Vermögen rechtzeitig umschichten!

25.09.2010
Hermann Müller
Bentieröder Bruch 8
OT Bentierode
D-37547 Kreiensen
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.