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Bankbetrug, Teil 12 – Vom Geld

Neulich - ich weiß nicht, ob das Wesen da schon Mensch war oder noch nicht - also neulich kam so ein Tiermensch auf die Idee, dass er etwas haben wollte, was ein anderer Tiermensch gerade hatte. So einfach wegnehmen ging diesmal nicht, der andere ist genauso stark und ein Kampf darum lohnt nicht. Also beschafft sich unser erster Tiermensch etwas, was vielleicht der andere haben möchte – und dann geht er zu dem anderen hin und bietet dem an: gib mir, was du hast, und ich gebe dir, was ich habe! Und dies ist die Geburtsstunde des globalen, internationalen, weltumspannenden, allen Gewinn bringenden Tauschhandel.
Der Tauschhandel ist der einzige beständige Handel. Auch heute noch. Nach dem Krieg (1945) wurde viel getauscht („Wer sein Leben liebt, der schiebt; wem Ehrlichkeit im Blute rauscht, der tauscht; wem beide Wege sind verbaut, der klaut!“). In Gefängnissen wurde auch später noch getauscht. Und der Tauschhandel ist auch später noch international: der ganze Interzonenhandel zwischen Ost- und Westdeutschland war ein Tauschhandel.
Der einfache Tauschhandel ist recht beschwerlich. Was ist, wenn die zu tauschenden Dinge nicht auf das nötige Interesse treffen? Muscheln, Schnecken, Hummer mögen für andere sehr wertvoll sein, ich mag sie alle nicht, also haben diese Dinge in meinem Wertmaßstab keinen Wert, ich werde nichts dafür geben. Umgekehrt wird der Anbieter dieser Dinge vielleicht mit meinem Angebot nichts anfangen können. Der Tausch im Duett ist also mühsam, besser geht es schon beim Tausch im Dreieck: A gibt B; B gibt C; C gibt A. Noch immer nicht optimal, aber doch schon deutlich besser. Je mehr Personen also in den Tausch einbezogen werden, um so größer die Wahrscheinlichkeit, dass jeder das bekommt, was er am liebsten gerne haben möchte.
Und da kam ein unbekannter auf die entscheidende Idee: Wir brauchen ein Ding, ein Wirtschaftsgut, dass möglichst alle gerne haben wollen. Und dann tauschen wir alle anderen Dinge gegen dieses eine Superwirtschaftsgut – und dieses Superwirtschaftsgut nennen wir „Geld“. Das waren im einem Fall Muschelschalen, die man am Meeresstrand suchen und sammeln musste, das waren im anderen Fall dicke große Mühlsteine, im dritten Fall waren es hübsche Steine, die man aus der Erde graben konnte, und in einem weiteren Fall war es Gold, das man aus dem Sand waschen konnte. Aus dem Gold wurden bestimmte Mengen in bestimmte Formen gepresst, die so geprägten Münzen waren erfunden als Teil des Geldes. Man schleppte sein Gold- und Silber-Geld nun in Säcken mit sich herum, und weil es sich besser tragen ließ, im Geldgürtel, so wie manche heute ihren Sprengstoffgürtel oder Globetrotter wieder ihr (Papier-)Geld im Gürtel verstecken.
Und mit dem Geld kam eine neue Art des Betruges. Die Grafen von Mansfeld pressten („prägten“) ihre Münzen falsch: innen Ton außen etwas Metall. Dies war die Inflation: das Geld wurde schlechter.
Aber längst hatte man auch gelernt, dass es doch auch viel leichter geht, leichter im ureigentlichsten Sinn. Man malte auf Papier, behauptetet diese Papierstücke seien so viel Wert wie eine bestimmte Menge Gold. Und man malte immer größere Zahlen auf das gleiche Stück Papier. Das war die Voraussetzung für die galoppierende Inflation. Schöne neue Zeit der Geldwirtschaft. Nur in manchen Krisen- und Mangelzeiten, wie nach dem letzten Weltkrieg, da entsinnen sich alle des guten alten realen Tauschhandels – und betrogen zeitgemäß: statt Butter in der Verpackung nur etwas Kartoffeln.
Geld, egal in welcher Form es auftritt, hat immer drei Funktionen: a) Recheneinheit; b) Zahlungsmittel; c) Wertaufbewahrungsmittel.
Recheneinheit. Alle rechnen heute in Euro, manche gelegentlich auch noch in der guten alten DM. Andernorts rechnet man in der jeweiligen Landeswährung. Früher, irgendwo in Muschelschalen, Ziegen, Kamelen, in Zigarettenstangen oder „Lullen“ (Ausdruck im Knast). Die Währungseinheit ist also der Wertmaßstab, alles ist eine bestimmte Menge an Währungseinheiten wert.
Zahlungsmittel. Wer etwas zu bezahlen hat, der zahlt in Geld, bei uns in Euro. Der Euro ist unsere Landeswährung, jeder darf eine Schuld in Euro bezahlen, jeder muss den Euro als Zahlungsmittel annehmen. Schön, wenn das freiwillig geschieht. Aber da auf die Freiwilligkeit kein Verlass ist, hilft der Staat mit entsprechenden Gesetzen dem freien Willen etwas nach. Für Geldscheine besteht Annahmepflicht, auch bei größeren Beträgen, nicht aber für Münzen. Nur der Staat selbst hält sich (rechtswidrig) nicht immer an seine eigenen Gesetze und verlangt bisweilen die „unbare“ Zahlung.
Wertaufbewahrungsmittel. Wer sein Geld nicht sofort wieder ausgeben will, der „spart“ es. Schon als Kind lernte ich, das Sparen grundsätzlich etwas Gutes sei, sozusagen Sparen als Selbstzweck. Sparen hat aber nur einen Sinn, wenn das Gesparte seinen Wert behält. Wir sparen also heute in Euro und hoffen, dass diese gesparten Euro noch ihren/einen Wert haben. Theoretisch wissen wir, wir sollten es mindestens wissen, dass dies nicht so ist. Allein die Inflation entwertet unser Geld von Jahr zu Jahr um über 2 Prozent. Das weiß auch die Bundesbank oder heute die EZB. Lange wurde die Behauptung „Mark ist Mark“ oder heute eben „Euro ist Euro“ hoch gehalten. Indexabsicherungen waren verboten. Langsam bröckelt diese Festung – nur welche Folgen das hat und wie diese sich auswirken, will keiner offen sagen.
Also zurück: unsere Währung („währen“ = dauern, beständig sein) ist, wie jede Währung ein Wertaufbewahrungsmittel – mindestens kurzzeitig.
Was ist „Geld“? Für uns Normalbürger ganz klar: die paar Scheine und Münzen in unserer Tasche, also die gedruckten Geldscheine und die geprägten Münzen. Die Wirtschaftfachleute aber definieren anders, sie kenne die Geldmenge M1 (die 1 als tiefgestellten Index), sowie die Geldmengen M2 und M3 .
Die Geldmenge M1 umfasst: das umlaufende Bargeld (ohne Kassenbestände der Banken) und die Sichteinlagen inländischer Nichtbanken bei den Kreditinstituten.
Die Geldmenge M2 umfasst: die Geldmenge M1 und zusätzlich alle Termineinlagen inländischer Nichtbanken bei den Kreditinstituten mit Befristung bis zu vier Jahren.
Die Geldmenge M3 umfasst: die Geldmenge M2 und zusätzlich die Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist.
Geldumlauf, Umlaufgeschwindigkeit. Das Geld geht von einem zum anderen, das ist der Geldumlauf. Die Häufigkeit, mit der das Geld (zum Beispiel ein 50-Euro-Schein) innerhalb eines Jahres seinen Besitzer wechselt, ist die Umlaufgeschwindigkeit. Nun gibt es kein Instrument, diese Umlaufgeschwindigkeit zu messen, und es kommt ja auch nicht darauf an, wie viel Mal dieser eine Schein mit der aufgedruckter Nummer xy von Hand zu Hand geht, sondern es geht um die gesamte Menge Geld und deren Umlaufgeschwindigkeit ist von erheblicher Bedeutung.
Man weiß, dass schmutzige oder zerrissene Scheine oder sehr abgegriffene Münzen schneller ausgegebenen werden (schneller „umlaufen“ = höhere Umlaufgeschwindigkeit) als schöne neue Scheine oder vor allem neue sauber geprägte Münzen. Hier zeigt sich ein für alle Wirtschaftler wichtiger Sachverhalt: schlechtes Geld hat eine höhere Umlaufgeschwindigkeit als Gutes. Diese Regel gilt auch für schlechtes Geld im Sinn von Geld, das wenig Wert hat. Oder anders: durch Inflation verschlechtertes Geld läuft schneller um – und erhöht so die Inflation! Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist also, obwohl direkt nicht messbar, für unsere Wirtschaft von großer Bedeutung.
Wie viel Waren können mit einer bestimmten Menge Geld, zum Beispiel jenem 50-Euro-Schein, in einem Jahr gekauft werden? Klar, zunächst einmal für eben diese 50 Euro, wenn nun der Verkäufer diesen Schein aber sofort weiter gibt, um andere Ware zu kaufen, dann wurde bereits für diesen einen Schein von 50 Euro Waren für 2 mal 50 Euro also für 100 Euro gekauft. Und wenn der Schein dann noch ein paar mal den Besitzes wechselt, dann erhöht sich die dadurch gekaufte Warenmenge weiter. Allgemein gilt, das Produkt aus Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit gibt genau den Wert der Menge an Waren an, die in dieser Zeit gekauft werden können.
Nun ist aber zugleich die gesamte Menge an Waren multipliziert mit dem Preis dieser Waren der Betrag, den wir eben als Produkt von Geldmenge und Umlaufgeschwindigkeit kennen lernten. Es gibt also eine einfache Gleichung, die immer stimmt:
Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit = Warenmenge * Warenpreis
Und jetzt erkennen wir sofort: wenn eine größere Geldmenge und/oder Umlaufgeschwindigkeit auf eine konstante Warenmenge stößt, dann kann sich nur der Preis dieser Warenmenge erhöhen – und das ist Inflation. Lässt sich aber die Warenmenge erhöhen ohne dass der Warenpreis steigt – dann ist das Wirtschaftswachstum! Die Kunst der Wirtschaftspolitik der Regierung und der Zentralbank ist immer, durch eine Änderung der Geldmenge möglichst nur das Wachstum zu fördern und nicht in die Inflation abzugleiten.
Und was ist, wenn bei gleicher Geldmenge sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verringert, weil die lieben Geldbesitzer lieber ihr Geld in der Tasche behalten, also sparen? Dann muss, bei gleicher Warenmenge, der Preis fallen – und das ist die gefürchtete Deflation, das Gegenteil der Inflation. Gefürchtet, weil es für die Regierung und die Zentralbank kein Mittel gibt, daran etwas zu ändern. Auch mehr Geld in den Kreislauf geben, hilft nicht. Wenn die Leute kein billiges Geld haben wollen, ist die Zentralbank machtlos. Diese Situation ist zur Zeit ungefähr gegeben: die EZB gibt den Banken jede geforderte Menge Geld. Die Geldtheoretiker kennen den Vergleich: Man kann den Esel am Saufen hindern (= das Geld verknappen) und ihn gegen seinen Willen verdursten lassen (= die Wirtschaft abwürgen), aber umgekehrt kann man ihn zwar ans Wasser führen (= viel Geld anbieten), saufen muss er selber (= Kredite anfordern). Aber manchmal will der Esel eben nicht – und ist damit sehr menschlich.
Und wie misst man nun den Wert des Geldes? Nun, den Wert von einem Kilo Fleisch messen wir in dessen Preis, also einer Menge Geld, und den Wert einer Palette Fliesen messen wir ebenfalls in deren Preis, also wieder in einer Menge Geld, und so messen wir den Wert aller verfügbaren Güter immer in deren Preis, also immer in einer bestimmten Menge Geld.
Umgekehrt messen wir den Wert des Geldes in einer bestimmten Menge Waren. Wir fragen jetzt: wie viel Ware bekomme ich für eine bestimmte Menge Geld? oder, wie viel muss ich für eine bestimmte Menge Ware geben? Nur nehmen wir dafür nicht eine einzelne Ware sondern einen ganzen „Warenkorb“, eine bestimmte Menge verschiedener Waren, also ein paar Kilo Fleisch, etwas Heizöl, eine Bahnfahrkarte und noch vieles mehr, das alles ist unser „Warenkorb“ und dann fragen wir, wie viel Geld muss für diesen Warenkorb gegeben werden, heute, vor einem Jahr, vor zehn Jahren. Und das ergibt einen „Index“, eigentlich eine Zeitreihe von Indexzahlen.
Es gibt verschiedene Indices, für einzelne Warengruppen, für bestimmten Haushaltsbedarf, für Verbraucher und Verbrauchergruppen. Unser normaler „Indes der Lebenshaltungskosten“ bezieht sich auf eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Kindern, einem Mädchen und einen Jungen bestimmten Alters. Es gibt auch einen „Rentnerindex, denn Rentner haben einen anderen Warenkorb als unsere Statistikfamilie.
Das mag als Ausblick auf die Kunst der Volkswirtschaft für heute genügen. - Wenn Sie wollen, dann demnächst etwas mehr.

20.10.2010
Hermann Müller
Bentieröder Bruch 8
OT Bentierode
D-37547 Kreiensen
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