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Tiergestützte Therapie: Wenn Worte allein nicht reichen

Das Tier ist nicht „die Therapie“ und nicht „der Therapeut“, auch nicht „der Co-Therapeut“. Es unterstützt durch seine Gegenwart auf vielfältige Art den Beratungs-, Behandlungs- und Heilungsprozess. Die Kommunikation mit einem Tier bedeutet einen ersten Schritt auf den Weg zu Kommunikation mit dem Therapeuten und der menschlichen Umwelt.

Das Tier dient als eine Art Vermittler im Aufbau von angemessenen und befriedigenden sozialen, zwischenmenschlichen Aktionen. Der Patient entwickelt zunächst durch körperliche und tastende Handlungen eine gute Beziehung zum Tier. Dann dehnt sich allmählich der Kreis sozialer Kontakte erst auf den Therapeuten aus, der das Tier eingeführt hat, später auf andere Menschen. Die anfangs nicht-sprachliche Form der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Tier wird dabei durch sprachliche Verständigung und einer immer breiter werdenden Bandbreite verschiedener Stimmungen und Gefühle ersetzt.

In der Umgebung von Tieren stabilisiert sich der menschliche Kreislauf. Über Lachen und Spielen werden körpereigene Stoffe ausgeschüttet, die heilsame Wirkungen zeigen. Stress wird reduziert. Die beruhigende Wirkung von Tieren liegt in vor-zeitlichen Grunderfahrungen des Menschen, die während der frühen Menschheitsgeschichte gelernt haben, ruhende Tiere als Zeichen einer gefahrlosen Umwelt zu deuten.

Es gilt als wichtiger Faktor für Gesundheit und Krankheit „Geliebt zu werden“, „der Gegenstand von Fürsorge zu sein“ und „sich als Teil einer stabilen Beziehung fühlen zu können. Das sind Faktoren, die dabei helfen, eine Krankheit zu bewältigen. Tiere können auf vielfältige Weise für soziale Unterstützung sorgen: direkt durch ihre eigene Zuneigung und Bewunderung sowie indirekt als soziale Vermittler. Diese Überlegung greift vor allem bei einer schon eingetretenen Krankheit. Krankheit beeinträchtigt die geistigen Fähigkeiten des Menschen und damit gewinnt das emotionale Erleben an Bedeutung. Tiere sprechen die Gefühlsebene an und finden deshalb leichteren Zugang zum Kranken als Menschen.

Menschen und Tiere „sprechen“ nonverbal. Die Beziehung funktioniert deshalb auch dann, wenn die beim modernen Menschen sonst vorherrschende sprachliche Kommunikation gestört ist. Tiere können aus diesem Grund auch völlig zurückgezogene Patienten „ins Gespräch ziehen“ und auf diese Weise menschlichen Therapien öffnen.

Tiere lösen eine verschiedenartigste Antriebe aus: Anregung aller Sinne über Hautkontakt, Wärme, Geruch, Laute und optische Reize. Dies stellt einen hohen Aufforderungs-, Motivations- und Belohnungscharakter dar.

Die Mensch-Tier-Beziehung als sozial wechselseitiges System zeichnet sich durch Einfachheit und Klarheit, Bedingungslosigkeit und Wertfreiheit sowie Sicherheit der emotionalen Verbundenheit unabhängig von Alter, Sozialstatus, Krankheit und Behinderung aus. Im Vergleich dazu erfahren Patienten in zwischenmenschlichen Beziehungen ziemlich oft negative Emotionen, Ablehnung, eine doppeldeutige Haltung oder Überforderung von Seiten der Bezugsperson. Aus psychosozialer Sicht kann der Tierkontakt daher ein wesentlich stabilisierender Faktor sein.

Ein Tier kann die Bedürfnisse eines Menschen nach Bindung ähnlich gut erfüllen wie Menschen. Ein Tier erfüllt auch kindliche Bindungsbedürfnisse wie eine sichere Bindungsperson, und sichere Bindung führt zu mehr sozialen Kompetenzen, Empathie und Emotionsregulation.

Es wird sogar vermutet, dass die Bindung zum Tier während des Heranwachsens des Kindes weniger Belastungen ausgesetzt ist, als diejenige zu menschlichen Bindungspersonen und bei den Aufgaben des Großwerdens aus diesem Grund ausgleichend, tröstend und stabilisierend wirken kann. Früher Kontakt zu Tieren könnte somit auch als Schutz gegen psychische Störungen interpretiert werden.

Im Zusammenhang vor allem mit tiefenpsychologischen und anderen Erklärungsansätzen für die heilsame Wirkung von Tieren auf Menschen begegnet uns das Unbewusste, auf die archaische Nähe zwischen Menschen und Tieren und das ursprüngliche Glück, diese alte Bindung wieder zu spüren. Der Psychologe Erich Fromm hatte diesen Begriff in den siebziger Jahren gebraucht, um mit ihm die Liebe des Menschen zum Lebendigen zu benennen, eine leidenschaftliche Liebe zum Leben und zu allem Lebendigen, als Wunsch nach weiterem Wachsen.

Auch Levinson spricht von dieser uralten Beziehung, an die sich im therapeutischen Prozess durch die Gegenwart eines Tieres anknüpfen lasse. Jung und Freud meinten: Der Mensch ist Teil der Natur und seine psychische Gesundheit hängt stark davon ab, wie nah oder fern von seinen Ur-Wurzeln er lebt.

Edward O. Wilson entwarf in den achtziger Jahre seine Hypothese von einer dem Menschen angeborenen Biophilie. Er fühle sich seiner nicht-menschlichen Umwelt verbunden und brauche sie für seine Gesundheit und Sinnfindung. Verliere der Mensch den Kontakt zur Natur, werde er krank. Er hatte die Vermutung, eines uralten Bades zwischen Mensch und Natur.

Es ist zu vermuten, dass ältere und einfachere Wahrnehmungs-, Verstehens- und Verhaltensmuster aus unserer frühen Entwicklungsgeschichte tief innen drin in der Seele des modernen Menschen schlummern. Unter bestimmten Bedingungen und in bestimmten Lebensphasen können sie wieder an die Oberfläche gelangen. Beim Säugling, Kranken, psychisch gestörten oder alters-verwirrten Menschen steht u. U. nur diese frühere Form der Kommunikation zur Verfügung, die das Tier gut versteht, nicht aber der helfende Mensch.

Es gibt offenbar verschiedene Schichten im Menschen, eine alte und tief liegende, die alle jene Muster mit den Tieren teilt, die in der Evolutionsgeschichte sehr weit zurückreichen und eine neue, direkt unter der Oberfläche liegende Schicht mit allen jenen Strukturen, die den heutigen Menschen ausmachen.

Im Zusammenleben mit Tieren erfährt der Mensch eine Rückbindung an tiefere, ältere Teile seiner Person. In dieser Begegnung findet der Mensch zu seiner wahrhaften Ganzheitlichkeit: In der Zusammenführung von verschiedenen Kommunikationsformen ebenso wie von Geist und Seele.

Eine solche Bindung erklärt, warum und wie Tiere in therapeutischen Kontexten günstige Chancen auf Heilung eröffnen.

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3 Kommentare

> "Edward O. Wilson entwarf in den achtziger Jahre seine Hypothese von einer dem Menschen angeborenen Biophilie. Er fühle sich seiner nicht-menschlichen Umwelt verbunden und brauche sie für seine Gesundheit und Sinnfindung. Verliere der Mensch den Kontakt zur Natur, werde er krank. Er hatte die Vermutung, eines uralten Bades zwischen Mensch und Natur."

Noch nie von gehört. Klingt aber sehr interessant! Danke für den Hinweis...

wie auch immer die theorie ist, in der praxis haben wir beobachten können, dass tiere und die sehr hohe verantwortung für diese einen wirklich guten effekt haben.

mein hund, der herbert - ein gutelaunegarant. nicht nur für mich.

die hunde der kinder: geliebt, geknuddelt - und unerwarteterweise habe ich beobachten können, dass die kinder ihre eigenen bedürfnisse zugunsten derer der tiere oft zurückstellen. sogar meine tochter steht früher auf, weil ihr hund raus muss :-).

im winter bin ich in sturm, regen, schnee jeden vormittag und nachmittag mit den hunden raus, mindestens ne stunde. abgesehen von dem abhärtungseffekt (null erkältung) kam ich immer sehr entspannt und gut gelaunt zurück....

wie auch immer, ich bin froh, sie um mich zu haben und ihre freude, wenn ich zur tür reinkomme, wärmt mir einfach das herz.

uralter band hin oder her, seit ich meinen herbert habe, gehts mir einfach besser.

Super Beitrag ! Danke! Elena und Bonito-der Therapiehund.

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