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Andreaskirche: Leerer Platz an der Abendmahlstafel

Der Bildhauer Ulrich Henn gestaltete die mächtige Abendmahlsgruppe über dem Altar der Andreaskirche.
Hildesheim: Andreaskirche | Der Turm der Andreaskirche überragt weithin sichtbar die Silhouette der Stadt Hildesheim, zumal er mit seinen 114,5 Metern Höhe der höchste in Niedersachsen ist. Seine Höhe erreichte er jedoch erst im 19. Jahrhundert, steht auf der steinernen Infotafel verzeichnet. "St. Andreas, erbaut 1389 – 1415, Turm 1503 – 1537, Helm 1887, kriegszerstört 22. März 1945, wiederaufgebaut 1956 -1965", wird der Tourist stichwortartig instruiert.

Auf dem Andreasplatz pulsierte vom 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts das wirtschaftliche Leben, da sich hier die Fernhandelswege von Aachen bis Königsberg sowie von Bremen nach Mainz kreuzten, und es ergab sich, dass sich St. Andreas immer als Kirche der Bürger verstand. Fehden und Auseinandersetzungen überstand der Kirchenbau, doch am 22. März 1945, als die Stadt bei einem Bombenangriff in Schutt und Asche gelegt wurde, blieben von St. Andreas lediglich die Außenmauern des Langschiffes sowie der ausgebrannte Quaderturm stehen.

Beim Betreten der Kirche zieht sofort die riesige Bronzedarstellung über dem Altar die Blicke auf sich. Der Bildhauer Ulrich Henn gestaltete eine Abendmahlsgruppe, und es fällt auf, dass Jesus nur mit elf Aposteln das letzte Abendmahl vor seinem Tode feiert, der 12. Platz ist leer. Anhand des biblischen Textes wird dazu erläutert, Judas, der Verräter, hätte bereits seinen Platz verlassen. Der jetzt leere Stuhl würde den heutigen Gottesdienstbesucher dazu einladen, an den Tisch des Herrn heranzutreten und am Abendmahl teilzunehmen.

Der Altar ist aus einem Basaltblock hergestellt. Das Altarkreuz trägt auf seinen Balken Medaillons mit Szenen des Leidens und der Auferstehung Jesu. Das Lesepult mit dem Fischernetz auf der Vorderseite erinnert an die Berufung der ersten Jünger Jesu, und zwar an Andreas, den Hildesheimer Kirchenpatron, sowie an dessen Bruder Petrus.

Hervorragend eingepasst erscheint der Orgelprospekt, der die innere Westfront dominiert. Die Orgel wurde 1965 errichtet und stammt aus einer Hamburger Orgelbauwerkstatt. Mit 4.734 Pfeifen und 63 Registern, verteilt auf vier Manuale und ein Pedal, gehört sie zu den größten Instrumenten Norddeutschlands.
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