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Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Vereinsbeitrag 200 Milliarden Mark im Monat

  • 100 Jahr-Feier des Männervereins 1988.
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Das Stiftungsfest 1896 beim Gastwirt Brandes kam dem Männerverein der Döhrener St. Bernward-Gemeinde teuer zu stehen. Wegen „Übertretung von Polizeivorschriften“ mußte jedes Vorstandsmitglied fünf Mark Geldstrafe bezahlen. Doch derlei Konflikte mit dem Auge des Gesetzes blieben die Ausnahme in der weit mehr als 100jährigen Geschichte des katholischen Vereines.

Der Stadtbezirk Döhren-Wülfel wird durch seine vielfältigen Vereine gelebt. Die Geschichte diese Zusammenschlüsse aktiver Bürger ist deshalb auch ein untrennbarer Bestandteil der Historie unserer Stadtteile. Im Rahmen der Serie „Geschichtliches aus Döhren-Wülfel “ soll deshalb jetzt auch ab und zu ein Blick auf die Vereine geworfen werden. Dieses Mal geht es um den katholischen Männerverein.

Seinen Anfang nahm alles am 15. Januar des Jahres 1888 in der damals gerade neugebauten katholischen Schule, dem heutigen Pfarramt von St. Bernward. „Aus Liebe zur Kirche heraus“, wie es in der Vereinschronik heißt, gründeten dort 27 Männer den St. Josephsverein Döhren, der sich seit 1963 Männerverein St. Bernward nennt. Der junge Verein wuchs schnell. Bereits bei der ersten Generalversammlung im Juli 1888 war die Mitgliederzahl auf 40 Personen angestiegen. Und trotz des Ausscheidens der Wülfeler Mitglieder - sie schlossen sich 1884 in einem eigenen katholischen Arbeiterverein zusammen - wurde 1904 das erste Hundert überschritten.

Aufgabe des neuen Verbandes war vor allem die Weiterbildung und Festigung im religiösen Wissen. Aber auch eine Liedertafel für Sangesfreunde wurde gebildet und außerdem galt es, sich um den Bau einer katholischen Kirche in Döhren zu kümmern. Denn noch mußten die zahlreichen Gläubigen zum Gottesdienst nach Hannover fahren. 1892 konnte der St.Josephsverein dann seinen ersten großen Erfolg verbuchen. Gleich neben dem Schulhaus wurde der Grundstein für die St. Bernwardkirche gelegt; der Verein übernahm die Ausschmückung des Festplatzes.

Innerhalb der neugebildeten Döhrener Kirchengemeinde sorgte der St. Josephsverein für eine intensive Sozialarbeit. 1889 wird eine Sterbekasse eingerichtet, die sich erst infolge des ersten Weltkrieges wieder auflöste. Dafür unterstützte der Verein seit 1914 alle Mitglieder, die länger als sechs Tage arbeitslos waren und für die im Felde stehenden Vereinsbrüder gab es ebenfalls Beihilfen. Obwohl 1916 bereits die Hälfte aller Mitglieder eingezogen war, blieb der St. Josephsverein patriotisch gesinnt. Einstimmig beschloß man im März 1916, aus der Vereinskasse 500 Reichsmark für die Kriegsanleihe zu zeichnen. Doch der Krieg forderte nicht nur Geld. Als endlich die Waffen schwiegen, waren 33 Vereinsmitglieder auf den Schlachtfeldern umgekommen. Trotz der Not der folgenden Zeit geht es dann aber weiter aufwärts. 1920 zählt der St. Josephsverein wieder 247 Döhrener Katholiken. Im selben Jahr schließen sich einige Amateurschauspieler des Vereins zu einer Theaterabteilung zusammen, die später zum Karnevalsverein Funkenartillerie Blau-Weiß werden soll. 1923 gerät schließlich auch der Verein in den Strudel der Inflation. Der monatliche Vereinsbeitrag wird auf 200 Milliarden Mark festgesetzt, eine Billion Mark gewährt der Verein wöchentlich an Unterstützung, der Chorleiter erhielt ein monatliches Honorar von 20 Billionen Mark. Und den zu ehrenden Jubilaren konnten keine Urkunden überreicht werden, „da dieselben unerschwinglich teuer geworden sind“, wie es in einem Protokoll aus diesem Jahr steht.

Während der Zeit des Nationalsozialismus gerät der St. Josephsverein zunehmend unter politischen Druck. 1937 sehen sich die Mitglieder gezwungen, ihr öffentliches Wirken einzustellen. Nur der Chor setzt seine Arbeit unter der Tarnbezeichnung „Liedertafel von 1888 Hannover und Döhren“ fort. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges nimmt der Verein seine Tätigkeit 1947 wieder auf. Zuerst unter dem alten Namen, dann - in Anlehnung an die Pfarrgemeinde - unter der Bezeichnung Männerverein St. Bernward. 1952 erreicht die Mitgliederzahl mit 226 ihren Nachkriegshöchststand.

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