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Frühlingserwarten

Frühlingserwarten

An einem schneereichem Tag im Dezember 2013 kam ich zu der Erkenntnis, dass ich ein Schneemann bin. Alles begann mit einer roten Nase. Darauf gab ich zu Anfang noch nicht so viel, da eine rote Nase auch die Folge einer harmlosen Erkältungskrankheit sein kann, die man mit ein bisschen Puder kosmetisch beheben kann. Doch als meine Angebetete, Fräulein Elli, von Nebenan mir einen selbst gestrickten roten Schal schenkte, wurde ich etwas nervös. Normalerweise hätte ich das Geschenk als Liebesbeweis gedeutet, aber Fräulein Elli sah eher besorgt als verliebt aus, als sie mir den Schal schenkte. Am nächsten Tag brachte mir Fräulein Elli einen Zylinder. In mir flockte ich: „ Sie will mich heiraten!“ „Nein!“, erwiderte sie streng, nachdem sie meine Gedanken gelesen hatte. „Ich will nur nicht, dass deine Kopfhaut friert.“ Enttäuscht biss ich mir ein Stück von meiner Nase ab, die mittlerweile zu einer Mohrrübe geworden war. Mein Schicksal war besiegelt, nachdem sie mir am dritten Tag meiner Metamorphose drei Kohlen gebracht hatte. Bei den Kohlen wurde mir warm ums Herz, aber wieder sah ich mich enttäuscht. „Das sind Knöpfe und die bleiben zu!“, sagte sie kalt wie der Winter. Damit lies sie mich im Freien stehen. Im Umdrehen warf sie mir noch einen Blick zu und säuselte: „Im Frühling küsse ich dich dann.“ „Dann schmelze ich dahin.“, dachte ich.
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