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Stettiner Haff: Radeln im kleinen Grenzverkehr

Land der Weite und Stille: das Biotop Anklamer Stadtbruch
 
Sehenswert: das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam
„Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da...“ schallt es aus der Musikmuschel eines Ostseebads auf der Insel Usedom. In welchem der drei wegen ihrer herrschaftlichen Architektur „Kaiserbäder“ genannten Orte ist es, in Bansin, Heringsdorf oder Ahlbeck? Kaum einer der Radelgruppe auf Europas längster Seepromenade achtet darauf. An der nordöstlichsten Spitze Deutschlands gibt nämlich die Natur den Ton an.
Rund ums Stettiner Haff, früher Oderhaff geheißen, an der Grenze zu Polen lädt eine abwechslungsreiche flache Landschaft zum Radwandern ein.
Gleich hinter dem Seeheilbad Ahlbeck mit der spektakulären Seebrücke erreicht man auf polnischer Seite Swinemünde. Ein Lichtbildausweis genügt für den kleinen Grenzverkehr zum Kennenlernen des Seebads, das ab 1820 der preußischen High-Society als Sommerfrische diente. Erhalten ist noch ein Schinkelbau und ein vom Königlich Preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné angelegter Park, ähnlich dem von Sanssouci und Ludwigslust. Über einen Kilometer zieht sich die neu gestaltete Seepromenade. Das zum Hafenschutz an der Swine erbaute Turmfort Aniola erhielt seinen Namen „Engelsburg“, weil es an das Mausoleum des römischen Kaisers Hadrian erinnert.
Zurück auf deutscher Seite, gilt es in der Stadt Usedom mit einem nur in Mecklenburg-Vorpommern betriebenen Zeesenboot über den Usedomer See hinaus ins Haff zu gleiten. Alle helfen mit, die rostroten Segel des ehemaligen Fischerboots zu setzen.
Von Karnin an der Südwestspitze der Insel Usedom bringt eine Fähre Rad und Mensch, aber nur die, nach Kamp aufs Festland. Wo der Naturpark Am Stettiner Haff beginnt, radelt man durch das Torfmoor des Anklamer Stadtbruchs, das Mündungsdelta der Peene. Land der Weite und Stille: die Wasserralle zirpt, Greifvögel wie Schrei- und Seeadler gehen auf Jagd.
Am Jachthafen im Erholungsort Mönkebude könnte man Rast machen, bevor es weitergeht in das hübsche Städtchen Ueckermünde, wo die Uecker ins Haff fließt und das Haffmuseum im Schloss der pommerschen Herzöge über Fischerei, Schifffahrt und Meer informiert. Übernachten könnte man in der Lagunenstadt direkt am seichten Haff und auf dem Schiffsrestaurant fangfrischen Fisch genießen (www.lagunenstadt-ueckermuende.de).
Durch die Ueckermünder Heide über Wacholderwiesen, durch Kiefern- und Buchenwälder radelt man zu den Binnendünen von Altwarp, dem nordöstlichsten Ort auf dem deutschen Festland. Die Dünen sind mit Silbergras und Sandstrohblumen bewachsen. Nur eine Düne zeigt sich in hellgelbem Kleid, darf bestiegen werden und schenkt geruhsamen Rundumblick übers Haff.
Für zwei Euro bringt einen die Fähre nach Neuwarp auf polnischer Seite. Viele fahren nur wegen des supergünstigen Duty-free-Einkaufs mit. Radler haben das 200-Seelen-Nest Brzozki als Ziel, wo sie sich auf einem urigen Bauern- und Reiterhof für 13 Euro pro Tag einmieten und satt essen können. Der polnische Agrotourismus blüht. Von EU-Geldern unterstützt, kommen jedes Jahr zwei schicke Bauernhöfe mit Zimmervermietung hinzu.
Wen im Anschluss an so reich genossene Natur nach Kultur dürstet, radelt zurück in die Peenestadt Anklam - die Peene ist übrigens Biber-Hochburg - und besucht das Otto-Lilienthal-Museum (www.lilienthal-museum.de). Es zeigt die verrücktesten, schönsten, irrsinnigsten, aber auch flugtaugliche Flugkörper dieser Welt. Lilienthal hat den uralten und ewig jungen Ikarustraum verwirklicht: loszulaufen, die Flügel auszubreiten und den Boden unter den Füßen zu verlieren.
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Wolfgang Gerstner aus Naumburg (Saale) | 14.10.2010 | 17:36  
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