„Mein Leipzig lob ich mir!“

Die 32 Meter hohe Achterbahn „Huracan“ zählt mit einer Neigung von 95 Grad zu den steilsten Achterbahnen der Welt.
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  • Die 32 Meter hohe Achterbahn „Huracan“ zählt mit einer Neigung von 95 Grad zu den steilsten Achterbahnen der Welt.
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Leipzig mausert sich zur Wasserstadt und hält eine Menge Überraschungen bereit.

„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“ Das lässt Goethe seinen Faust Anno 1808 sagen. Aus seiner Studentenzeit (1765-68) kannte Goethe die Buch- und Messestadt, die älteste Deutschlands. Kaiser Maximilian I. verlieh ihr 1497 das Messeprivileg. Wer sich heute in Leipzig umsieht, stellt fest: Auch in unseren Tagen behält der Ausspruch Gültigkeit. Leipzig ist mit sechs Kabaretts Hochburg des politischen Kabaretts. Oper, Ballett, Gewandhausorchester, Thomanerchor haben Weltgeltung. Der berühmteste Kantor war in den Jahren 1723 bis 1750 Johann Sebastian Bach. Die Oper ist nach Mailand und Hamburg die drittälteste deutsche Musikbühne (1693). Das jährliche Bach-Fest zieht Musikliebhaber aus aller Welt an. Ähnlich ist es mit den Mendelssohn-Festtagen im Gewandhaus.
Wo steht die zweitälteste deutsche Universität, die von 1409? In der Stadt an Elster, Pleiße und Parthe. Goethe, bekanntlich kein Kind von Traurigkeit, würde sich vermutlich glücklich schätzen, fände er, um sich von des Tages Mühen zu erholen, neben „Auerbachs Keller“, heute ebenso gern und häufig frequentiert wie damals, die jetzige Auswahl an Kneipen vor. Mit 1.400 Gaststätten, die meisten in sächsischem Ambiente, scheint Leipzig bei nur 500.000 Einwohnern die Szene-Stadt zumindest in Ostdeutschland zu sein. Zwischen Altem und Neuem Rathaus erstreckt sich das im Volksmund „Drallewatsch“ genannte Ausgeherlebnis. Die andere Kneipenmeile findet man im Theaterviertel. Eine erste Adresse, auch für Jazzliebhaber, ist sicher die „Moritzbastei“, eine bis zu drei Etagen unter der Erde liegende ehemalige Befestigungsanlage. Im ältesten Kaffeehaus Deutschlands, „Zum Arabischen Coffe Baum“, trinken Einheimische und Gäste ihr „Scheelchen Heeßen“ zu den Leipziger Lerchen, einem wohl schmeckenden Marzipangebäck, oder dinieren fürstlich auf einer der drei Etagen, Kaffeemuseum inklusive. Neben Biergärten im Grünen lockt im Stadtteil Gohlis, wo das Gohliser Schlösschen ein spätbarockes Schmuckstück ist, die Spezialität Leipziger Gose, ein obergäriges, säuerlich schmeckendes Bier, das man in der Schänke „Ohne Bedenken“ trinken kann, jedoch mit der Gose-Warnung: „Manchen steigt sie in den Kopf, andern geht sie in die Hose.“
Die Innenstadt wird vor allem durch die Architektur geprägt: Giebelhäuser, Gaubendächer, verspielte Erker, Jugendstil und, wie Goethe es formulierte, Häuser, die zu beiden Seiten ihr Gesicht zeigen, nämlich die Durchhöfe, ehemals Warenhäuser, deren Innenhöfe das Be- und Entladen der Waren erleichterten, zumal während der Leipziger Messen. London, Paris, Hamburg verfügen ebenso über zahlreiche Geschäftspassagen. Aber nur Leipzig besitzt ein so geschlossenes System, bei dem unterschiedliche historische Formen erhalten blieben. Neben dem Durchhof, der mehrere Gebäude miteinander verbindet, hat das barocke Durchhaus des 18. Jahrhunderts einen einheitlichen Stil und eine geschlossene Gestalt. Bestes Beispiel ist Barthels Hof, dessen Sanierung die Leipziger einem berühmten Immobilien-Schneider zu verdanken haben. Auf einem Wandgemälde in „Auerbachs Keller“ hat man ihn als Mephisto verewigt. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die Messehäuser, die oft ganze Straßenblöcke umschlossen, etwa Städtisches Kaufhaus, Mädler-Passage, Specks Hof. Die Gästeführer bieten zum Thema „Leipziger Architektur-Spezialitäten“ Rundgänge an.

Überhaupt ist Leipzig für Überraschungen gut. Der größte Kopfbahnhof Europas fungiert als Bahnhof und Einkaufszentrum mit etwa 140 Läden. Wer bei „Mango“ eine Treppe hoch steigt, den erwartet eine schöne Jugendstildecke aus farbigem Glas.
Gleich gegenüber könnte man logieren, im schicken Seaside Park Hotel, Richard-Wagner-Str. 7 (www.parkhotelleipzig.de). Ein neues Konzept haben die Vasano Suites, Grimmaische Straße 16, (www.vasano.com). 18 luxuriöse Suiten kombinieren edles Design mit vielen Leistungen zu moderaten Preisen durch reduzierten Service.

Derzeit lockt das weltgrößte 360-Grad-Panorama „Amazonien“ des Künstlers Yadegar Asisi in den Gasometer, jetzt Panometer geheißen, um in ein „Zauberbild der Natur“ einzutauchen, des brasilianischen Regenwalds. Echt beeindruckend.

Neuerdings mausert sich Leipzig zur Wasserstadt. Bereits 1850 ließ der Industriepionier Karl Heine in Plagwitz Wasserstraßen anlegen. Heute kann man auf den weitverzweigten Kanälen mit dem Boot und mit echten venezianischen Gondeln den Stadtteil aus ungewöhnlicher Perspektive betrachten und die Natur genießen.
Im Südraum Leipzigs entsteht aus der ehemaligen Bergbauregion ein „Neuseenland“ mit inzwischen acht Seen. Hoch her geht es schon jetzt am Markkleeberger See, wo der Kanupark zur modernsten künstlich angelegten Wildwasserstrecke Europas gehört. Mutig und nicht wasserscheu sollte man sein.

Auch der junge Vergnügungspark „Belantis“ am Cospudener See hat eine neue Attraktion. Die 32 Meter hohe Achterbahn „Huracan“ zählt mit einer Neigung von 95 Grad zu den steilsten Achterbahnen der Welt. Wer hier mitfahren will, braucht sicher noch mehr Mut als im Kanupark. Wen der Mut verlässt, findet im „Belantis“ sieben historische Themenwelten, durch die er vergnüglich reisen kann.

„Wer Leipzig besucht, ohne Auerbachs Keller zu sehn, der würde in Paris auch den Eiffelturm verschmähn“, so eine Werbung des zweitältesten Leipziger Gasthauses. In der Mädler-Passage, übrigens einer der schönsten Ladenstraßen, 1530 bis 1538 als „Auerbachs Hof“ gebaut, findet man ihn, dessen Ruhm durch die Kellerszene in Goethes „Faust“ begründet wurde und der zu den zehn bekanntesten Gastronomiebetrieben der Welt zählt. Die Nischen heißen „Studierzimmer“, „Marthes Garten“, „Ostermorgen“, und auch die Fasskeller-Zeremonie wird gegen Entgelt eindrucksvoll zelebriert. Jeder erhält ein Zertifikat über seinen Besuch. Den Zugang kann man nicht verpassen. Bronzene Figuren des Leipziger Bildhauers Matthieu Molitor machen ihn kenntlich. Ach ja, vergessen Sie nicht, über Fausts linken Schuh zu streichen, da, wo er schon ganz blank gewienert ist, und wünschen Sie sich was Schönes! (www.ltm-leipzig.de)

Bürgerreporter:in:

Elke Backert aus Hamburg

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