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Notgroschen

Der „Groschen“, bei seiner Erfindung zwölf Pfennige, woraus sich der halbe Groschen zu sechs Pfennigen, dem „Sechser“ ergab, wurde inzwischen längst zur Zehn-Pfennig-Münze und heute eben zum Zehn-Cent-Stück, dieser Groschen war ehedem ein Vielfaches mehr wert als heute, denn mit zehn Cent kommt heute auch in der Not niemand sehr weit. Also, wie viel Euro muss oder mindestens sollte heute der „Notgroschen“ sein?
Unsere Sozialsysteme springen (meist) sofort ein, bringen aber bestenfalls nur rund fünfzig Prozent des normalen Einkommens. Also müssen die Ausgaben diesen geringeren Einnahmen angepasst werden – und das dauert einige Zeit. Für drei Monate sollte der Notgroschen daher schon reichen. Schlimmer wird es, wenn aus irgendeinem Grund sogar das sicher geglaubte soziale Netz nicht hält. Dann muss der Notgroschen das gesamte bisherige Einkommen ersetzen.
Aus dieser einfachen Überlegung ergibt sich meine Empfehlung: Der Notgroschen muss in Höhe des bisherigen Monatseinkommens mindestens für drei Monate reichen. Wer bisher 1.000 Euro hatte, muss mindestens 3.000 Euro als Reserve halten, wer bisher 4.000 Euro im Monat hatte, braucht mindestens 12.000 Euro als sofort verfügbare Reserve. Als sofort verfügbar bedeutet: Kein Festgeld, keine Aktien, sondern allein Bargeld oder täglich fällige Bankguthaben.
Wer sicher gehen will, sollte sogar das doppelte zurücklege, denn nach einer unerklärlichen Regel gehen gerade in einer Notzeit auch alle nötig gebrauchten Geräte kaputt und dann kommt auch noch eine Krankheit dazu.
Für den, der genügend Geld hat, mag das alles kein Problem sein, und der, der schon normalerweise nichts hat? Der mag sich an eine zwingende Regel halten: Auf gar keinen Fall einen Kredit aufnehmen, denn Kredite lösen das Problem nicht, sie wollen getilgt werden und fordern – meist gerade in der Notlage überhöhte – Zinsen. Kredite verschärfen das Kein-Geld-Problem nur. Niemals einen Kredit aufnehmen – und schon gar nicht in der Not!
Übrigens: Ein Teil unseres Sozialsystems ist so konstruiert, dass die Probleme, die es helfen soll zu lösen, erst richtig geschaffen werden. Du bekommst erst dann eine Unterstützung, wenn du alle deine Reserven nachweislich aufgebraucht hast. Aus dieser Rechtslage ergibt sich: Entweder du versteckst dein Geld und Vermögen und verstößt damit gegen die Gesetze, oder du hältst dich ans Gesetz und gehs wissentlich in deinen Ruin. Da Bankkonten kontrolliert werden, müssen alle Bankkonten vor dem Antrag auf Unterstützung völlig abgeräumt werden, alle Konten werden geschlossen, nur das Girokonto mit dem Saldo Null bleibt bestehen, sonst gibt es weitere Probleme bei der Auszahlung der Unterstützung. Die für den laufenden Monat nicht gezahlte Miete macht sich unter diesen Bedingungen auch ganz gut. (Verzeihung meine Herren und Damen Vermieter, ich bin auch Vermieter und sehe, wie mit meinen Mietern umgegangen wird; Hartz-IV und Sozialunterstützung ist der neue Lernberuf – auch für Vermieter, die selbst keinen Antrag stellen wollen.)

22.05.2013
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37574 Einbeck
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