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Kurze Einführung in die Bevölkerungsprognose – Teil 6

Die Kenntnis der vorherigen Teile wird vorausgesetzt. Dieser Teil beschäftigt sich mit der Manipulation der Elemente der natürlichen Bevölkerungsbewegung sowie dem Einsatzorten der Bevölkerungsprognose.

Der 1. Teil brachte eine kurze Einführung und Übersicht.
Der 2. Teil brachte das Geschlechterverhältnis bei der Geburt.
Der 3. Teil brachte die einjährige Sterbewahrscheinlichkeit und die Sterbetafel Deutschland, BRD 1986/1988.
Der 4. Teil brachte die „stationäre Bevölkerung“ und Berechnungen der Last der Kinder und Rentner.
Der 5. Teil brachte das dritte Element der natürlichen Bevölkerungsbewegung: die Geburtenwahrscheinlichkeiten.
Der 6. Teil bringt die Manipulation der Elemente der Natürlichen Bevölkerungsbewegung sowie die Einsatzorte der Bevölkerungsprognose.
Manipulationen.
Manipulieren bedeutet nicht fälschen!
Wir beobachten, dass seit über hundert Jahren die Menschen älter werden, genauer: dass mehr Menschen älter werden. In den Sterbetafeln drückt sich diese Entwicklung durch langsam kleiner werdende Sterbewahrscheinlichkeiten aus. Diese Entwicklung dauert bis heute an und es gibt keinen Hinweis darauf, dass dieser Trend in nächster Zeit beendet sein würde, obwohl klar ist, dass er nicht in alle Ewigkeit anhalten kann. In unseren Prognosen sollten wir daher diese offenbar anhaltende langsame Entwicklung einbauen, wir müssen also unsere einjährigen Sterbewahrscheinlichkeiten nach unten manipulieren.
Da wir keinen Grund haben, etwas anderes anzunehmen, nehmen wir also an, dass diese Abnahme der jährlichen Sterbewahrscheinlichkeiten im gleichen Umfang erfolgen wird wie in der Vergangenheit. Praktisch bedeutet dies: Wir nehmen uns die letzten beiden verfügbaren Sterbetafeln her, stellen für jeden einzelnen Wert die Differenz fest, teilen diese Differenz durch die Anzahl der Jahre, die die beiden Sterbetafeln auseinander liegen und sagen, mit diesem Wert wird auch in Zukunft die einjährige Sterbewahrscheinlichkeit abnehmen. Diesen Korrekturwert können wir als lineare Korrektur oder als einen Prozentsatz oder auch als negativen Wachstumsfaktor (positiver Faktor kleiner +1) in unsere Berechnungsformeln einführen. Als ordentliche Wissenschaftler dokumentieren wir diese Manipulation genau, sodass jeder Leser sie sehen und selbst auch bewerten kann. Die Sterbefälle lassen sich recht gut und sicher vorhersagen, auch für längere Zeiträume, denn das einzelne Individuum eines Volkes hat nur zwei Möglichkeiten aus diesem Volk auszuscheiden: durch Tod oder Abwanderung.
Bei de Geburten liegt die Sache anders. Die Geburtenziffer schwankt von Jahr zu Jahr und zeigt bisweilen recht unerwartete und dann auch andauernde Sprünge; so in den Jahren 1969 -1972. Dies gilt für die Schlüsselzahl Geburten je Frau. Daneben gibt es aber eine Verschiebung des Maximums der Geburten in der Altersgliederung der Mütter: Beobachtet wurden hier einerseits deutliche Unterschiede zwischen der Bevölkerung in der DDR und der BRD, die sich nach der Wiedervereinigung anglichen zum anderen aber eine Verschiebung in höhere Alter.
Liegt das Maximum der Geburten bei einem Alter der Mütter von zwanzig Jahren, dann gibt es fünf Generationen in einem Jahrhundert; liegt das Maximum aber bei 28 bis 29 Jahren, dann haben wir nur rund dreieinhalb Genartionen in hundert Jahren – und das hat für die Entwicklung eines Volkes ganz erhebliche Auswirkungen.
Annahmen zu den künftigen Geburten betreffen also immer die beiden etwas zusammenhängenden Faktoren: a) der Anzahl Kinder je Frau und b) dem Maximum der Kinderzahl nach dem Alter der Mütter. Diese Annahmen sind zu dokumentieren und sorgfältig zu begründen.
Die Geschlechterverteilung, sowohl zum Zeitpunkt der Geburt als auch in den höheren Altern, soweit diese für die Reproduktion von Bedeutung sind, zeigt natürlich nur geringe Schwankungen und kann daher in den Prognosen weitgehend als unproblematisch angesehen werden, sofern, und das ist wichtig, der Mensch der Natur nicht dazwischen pfuscht. Zwar ist es bis heute immer noch so, dass nur der weibliche Teil der Menschen Kinder bekommt, aber eben nicht ganz allein. Und solange diese Frauen der Meinung sind, dass dieser Mann nur für sie da zu sein hat und wenn da keiner ist, lieber auch auf Kinder verzichten, spielt eben das Geschlechterverhältnis doch bei der zu erwartenden Kinderzahl eine Rolle.
Über die Wanderungen wurde bisher nichts gesagt und das aus gutem Grund, die Kriterien für die Prognose künftiger Wanderungen sind völlig andere als für die drei Elemente der natürlichen Bevölkerungsbewegung.
Ziele.
Bevölkerungsprognose, die nicht lediglich der eigenen Schulung und Übung der Verfahrenstechnik dienen, haben immer ein Ziel, die Beantwortung einer bestimmten Fragestellung, sie sind auf diese Fragestellung zugeschnitten.
Wer Kinderkrippen und Kindergärten plant, schaut nur auf die nächsten Jahre und schielt auf die Geburten. Wer Grundschulen plant, kann für die nächsten fünf bis sechs Jahre von recht sicheren Zahlen ausgehen, denn diese Kinder sind alle bereits geboren – und die Wanderungen in diesem Alter werden geschätzt. Wer sich für die weiterführenden Schulen interessiert hat immerhin einen Vorlauf von rund zehn Jahren. Und wer die Studienplätze zu schaffen hat, kann mit sicheren achtzehn bis neunzehn Jahren rechnen. Die Rentner lassen sich über mehrere Jahrzehnte recht genau berechnen und die Prognose sollte über eine Laufzeit von hundert Jahren gehen. Der Geburteneinbruch in den Jahren 1969 bis 1972 sind bis heute in den vom Statistischen Bundesamt gezeigten Bevölkerungspyramiden zu erkennen und rechnet man von 1970 65 Jahre weiter, dann kommt man zum Jahr 2035. Ab diesem Jahr stehen viele Rentner einer deutlich geringeren Zahl an Menschen im erwerbsfähigen Alter gegenüber.

24.02.2018
Hermann Müller
Bentierode
Bentieröder Bruch 8
D-37574 Einbeck
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