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TC-Florentine-Chef Thomas Stille: Bei uns wird niemand alleingelassen

Vorsitzender Thomas Stille (links) ehrt Gründungsmitglieder bei der Jubiläumsfeier des TC Florentine. (Foto: Stille)
 
Erste Versuche (Foto: Stille)
 
Die TC-Jugend 1977. (Foto: Stille)
 
(Foto: Stille)
Thomas Stille ist seit 1999 Vorsitzender des Tennisclubs Florentine Berkhöpen (TC), der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Im E-Mail-Interview erklärt er, wie es zur Gründung des Clubs kam und wo er ihn in 15 Jahren sieht.



Herr Stille, was zeichnet den TC Florentine aus? Und wo zwickt es?

Ganz besonders der Zusammenhalt aller Mitglieder ist eine hervorragende Eigenschaft des Clubs. Ob bei notwendigen Arbeiten am Clubgelände oder beim Feiern, niemand wird allein gelassen. Leider fehlt es immer wieder am Geld, denn wir mussten 1995 das Gelände von der Preussag für 150.000 DM kaufen als der damalige Vorstand wegen der hohen Mitgliederzahl (Spitze 330 Personen) zwei weitere Plätze angelegen wollte. Die Mitgliedsbeiträge bei allen Vereinen können in heutiger Zeit nicht analog zur Kostenentwicklung angehoben werden (sonst laufen u. U. weitere Mitglieder weg) gleichzeitig müssen aber notwendige Reparaturen auf unserem Gelände und an den Gebäuden (sind so alt wie der Club) ausgeführt werden. Hier erhalten wir häufig Unterstützung durch den Ortsrat, die Gemeinde und den KSB.

Dieses Jahr steht im Zeichen des 50. Geburtstags. Wie kam es eigentlich zur Gründung des TC Florentine?

Im Tennisverein Blau Gold Peine spielten circa 12 bis 15 Preussag-Mitarbeiter Tennis. Die Preussagsparte Erdöl residierte mit Werkstätten und Büros im Berkhöpen (Wald bei Edemissen; heute Industriegebiet) und besaß bereits eine Betriebssportabteilung, die Fußball und Tischtennis anbot. Jahre vorher hatte die Preussag das gegenüberliegende Gelände mit der alten Villa (heute Verwaltungsgebäude der Rudolf-Meyer-Gruppe, Mälzereien) mit einer Größe von circa 40.000 Qudratmetern von der Ilseder Hütte gekauft. In der alten Villa war das Lehrlingsheim untergebracht.
Bei Blau Gold wuchs Skepsis, dass die Preussagmitarbeiter zuviel Macht im Verein bekamen und u. U. der Club durch die Preussag übernommen werden könnte. Daraufhin haben sich unsere Gründungsmitglieder an ihren Preussag-Vorstand gewandt und um Erstellung zweier Tennisplätze auf dem von der Ilseder Hütte erworbenen und bis dahin als Röhrenlager genutzten Gelände gebeten.
Der damalige Vorstand war dafür, Geld hatte die Preussag genug und auch eine Bauabteilung, die dann in eigener Regie die ersten zwei Plätze und die Gebäude errichten ließ. Satzungsbedingung wurde, dass nicht nur Mitarbeiter Mitglieder werden konnten, sondern der neue Verein offen für jedermann war. Die Gründungsmitglieder konnten sich dann nicht für einen der klassischen Namen, wie Rot Weiß, Blau Weiß, Grün Gold usw. entscheiden.
Da die Preussag im Bergbau (Gas, Öl, Kohle) tätig war und es im Berkhöpen bereits einen Florentineweg gab, entschied man sich für den Namen der heiligen Florentine, die neben der heiligen Barbara Schutzpatronin der Bergleute ist. Der Verein ist dann innerhalb von 15 Jahren auf über 220 Mitglieder gewachsen, so dass nach und nach zwei weitere Plätze und die Flutlichtanlage errichtet wurden. Immer auf Kosten und mit dem Know How der Preussag und dem Segen des kaufmännischen Leiters Heinz Günther, der letztlich alle Baumaßnahmen genehmigen musste.

Wenn Sie an die Geschichte des Tennisclubs denken: Welche Errungenschaften waren wichtig? Was hätte dem Verein erspart bleiben können?

Als 1995 der damalige Vorstand den Wunsch nach Errichtung der Plätze fünf und sechs bei der Preussag vortrug (in der Hoffnung, dass wie in den Jahren zuvor alle Kosten übernommen werden) wurde das Angebot unterbreitet, die gesamte Anlage zu übernehmen. Die Gemeinde stand als möglicher Eigentümer nicht zur Verfügung. Leider stand der Preis unumstößlich fest bei 150.000 DM! Dazu kamen dann noch die Baukosten für die neuen Plätze, die allerdings vom LSB und der Gemeinde bezuschusst wurden.
Heute wissen wir, dass die Mitgliederzahlen von mehr als 330 Personen flüchtig waren und sich gegen Ende der neunziger Jahre und in den ersten Jahren ab 2000 stetig reduzierten.
Auch der in unmittelbarer Nähe gebaute Golfclub (800 Meter Luftlinie) hat dafür gesorgt, dass sich Mitglieder vom Tennis ab und dem Golfsport zugewendet haben. Ich verstehe immer noch nicht, wieso man nicht beide Sportarten nebeneinander betreiben kann, wie es viele meiner Freunde tun, aber so geht der Trend! Unsere Mitgliederzahl beträgt heute 150.

Sie haben im Laufe Ihrer Zeit mit dem weißen Sport bestimmt viel erlebt. Gab es auch etwas Kurioses, dass Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Ich entsinne mich noch an mein erstes Punktspiel vor circa 25 Jahren bei Blau Gold Peine. Mein Gegner war ein erfahrener Spieler, aber ich hatte ihn eigentlich sicher im Griff. Beim Stand von 5:2 für mich schlug ich auf und der Gegner gab den Aufschlag aus, obwohl der Ball unübersehbar auf der Linie war, entschied er aus! Ich protestierte gegen des Gegners Entscheidung und nach einer unschönen Diskussion bot er zwei neue Bälle an, was ich zähneknirschend akzeptierte. Die richtige Entscheidung wäre gewesen, den Ball anzuerkennen! Ich verlor dann sang- und klanglos den ersten Satz noch mit 5:7 und den zweiten mit 2:6 weil ich mich das ganze Spiel über mit diesem einen Ball beschäftigte! Deswegen sind Psychologen beim Tennis erfolgreicher als andere.

Tennis erlebte in den achtziger und neunziger Jahren einen Boom, nicht zuletzt ausgelöst durch Steffi Graf und Boris Becker. Danach ebbte das mediale Interesse ab, mittlerweile findet internationales Tennis nur noch auf Sportsendern wie Eurosport statt. Wie haben Sie als lokaler Tennisverein das erlebt? Lässt sich z. B. in Ihrer Mitgliedsentwicklung ein Knick in den neunziger Jahren feststellen?

Natürlich waren das Zugpferde, aber neben ihnen gab es weitere sehr gute Spieler, die keinesfalls eine solche Euphorie weckten. Nehmen Sie nur Michel Stich, dessen Spiel neben dem Erfolg auch eine große Eleganz besaß.
Aber ein schimpfender und fluchender Boris Becker oder auch ein John McEnroe zogen die Menschen an wie ein Magnet.
Wie schon geschildert, hat sich unsere Mitgliederzahl gegenüber 1995 halbiert und wir haben Sorge, all die notwendigen Aufgaben finanzieren zu können. Aber unser Verein ist wirtschaftlich gesund und unsere Stärke ist das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen allen aktiven und passiven Mitgliedern. Dringende Arbeiten werden von Freiwilligen erledigt, die immer gern und häufig zur Verfügung stehen.

Wenn Sie ein Resümee zu Ihrem Jubiläumsfeierlichkeiten ziehen: Wie sind die Veranstaltungen angekommen? Sind Sie zufrieden mit der Resonanz? Konnten Sie vielleicht sogar neue Mitglieder gewinnen?

Das Jubiläum wurde in zwei Etappen am Pfingstsonnabend gefeiert. Zuerst wurden Reden gehalten und ich durfte noch sechs Gründungsmitglieder für 50-jährige Treue ehren. Dann hörte auch der Regen auf und die Sonne brachte die nötige Stimmung.
Tennisdemonstrationen von Spielerinnen und Spielern in Kostümen der dreißiger Jahre, oder Spieler von heute, die wie Daniel Margraf und Christian Bibber, alle Facetten des modernen Spiels allein oder im Mixed mit unseren Damen Ann Kristin Knitter und Yvonne Keuchel zeigten, so wie ein Tennistraining für die Jüngsten am kleinen Netz, fanden viel Beachtung.
Auch die Aufschlagsgeschwindigkeitsmessung war umlagert, selbst unser Bürgermeister Frank Bertram war sich für ein paar Schläge nicht zu schade.
Für die Kinder gab es die immer wieder beliebte Hüpfburg und ein Zauberer verblüffte alle mit seiner Kunst. Natürlich wurde auch für das leibliche Wohl gesorgt und weil die Sonne so schön schien, wurde auch das eine oder andere Bier getrunken.
Am Abend feierten dann alle Mitglieder und Freunde mit Musik und Tanz und einem wunderbaren Bufett, dass von vielen engagierten Mitgliedern zusammengestellt war. Die letzten Tänzer sollen gegen vier Uhr morgens unversehrt zuhause angekommen sein.
Kurz vor der Feier hatten sich zwei Familien als neue Mitglieder offiziell angemeldet. Darüber hinaus haben wir am Jubiläumstag auch zwei neue Mitglieder für den Förderverein des TC Florentine verpflichten können.

Viele Vereine beklagen das mangelnde Engagement des Nachwuchses. Welche Beobachtungen machen Sie beim TC Florentine?

Wir haben viel Verständnis für die jungen Leute. Als ich im jugendlichen Alter war, bin ich vom Schwimmen zum Basketball gewechselt, weil der Mannschaftssport mir deutlich mehr lag, weg von der Quälerei, hin zum Spaß! Die Angebote heute sehen noch vielfältiger aus. Die Kinder treiben oft Sport in der Schule, meist auch in zwei oder drei Sportarten und müssen vom Fußball oder Hockey in die Halle zum Turnen oder Basketball transportiert werden. Sobald die schulischen Leistungen leiden, müssen die Eltern eingreifen und oft bleibt dann eine Sportart auf der Strecke. Auch die vielen anderen Freizeitangebote führen dazu, dass Kinder und Eltern meinen, ohne Verein auskommen zu können.
Z. B. Soccer-Hallen, Freizeitparks, Cart-Bahnen und Athletikstudios gab es in meiner Jugend gar nicht. Auch das Internet mit seinen Netzwerken nimmt die Zeit der Kinder beträchtlich in Anspruch. Alle Vereine müssen deutlich machen und dafür werben, dass Sport - gleich welcher Art - im Verein am Schönsten ist. Man gewinnt Freunde, misst sich mit ihnen und unternimmt viele Dinge gemeinsam.
Eltern sollten ihre Kinder überzeugen und es ihnen ermöglichen, weil Sport im Verein sicher ist und die Gemeinsamkeit positiven Einfluss auf die Entwicklung eines jeden Kindes hat.

Wo sehen Sie den Verein in 15 bis 20 Jahren?

Nach dieser Zeit werden die finanziellen Verpflichtungen des Vereins abgetragen sein, und durch eine gute Vorstandsarbeit werden meine/unsere Nachfolger im Vorstand bei stabiler Beitragsentwicklung den einzigen reinen Tennisverein im Landkreis Peine in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Mal abgesehen vom TC: Was macht Eickenrode lebenswert? Und was könnte besser werden?

Wenn man sein Leben lang immer in der Stadt gearbeitet hat, dann ist ein Dorf wie Eickenrode Erholung pur! Krähende Hähne, bellende Hunde, wiehernde Pferde und die gute Landluft, da kann man abschalten.
Meine Frau und ich sind 1965 nach Eickenrode gekommen, weil ihre Eltern dort ein Wochenendhaus besaßen. So etwas bauten wir uns auch, mitten im Grünen. In den sechziger und siebziger Jahren fuhren wir jedes freie Wochenende nach Eickenrode, unsere Kinder haben dort ihre ersten Schritte gemacht.
Nach einer Versetzung ins Rheinland durfte ich 1982 wieder nach Norden ziehen, und so sind wir in Eickenrode sesshaft geworden. Es ist für meine Frau und mich ein Glück, das unsere Kinder ihre Häuser in Rufweite gebaut haben, und so treffen wir uns häufig spontan mit den Nachbarn auf ein Feierabendgetränk in der Abendsonne.
Eickenrode hat zwar für mich nicht mehr den Charme früherer Jahre, z. B. als es noch keine Straßenbeleuchtung gab, aber es gibt mir immer noch das Gefühl, hier ausspannen und die freie Zeit genießen zu können. Unsere guten nachbarschaftlichen Beziehungen bedeuten ein harmonisches Miteinander in einem Dorf mit kaum 300 Einwohnern und das nun schon seit drei Jahrzehnten.
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Weiterveröffentlichungen:

Uetze & Edemissen Kompakt | Erschienen am 12.07.2011
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