"Der Mann muss weg!"

Politischer Stammtisch

Nach einem Vierteljahr Pause kehrt das Trio in die Stammkneipe zurück.
Charly begrüßt sie überschwenglich und sagt lächelnd zu Karl:

"Ich befürchtete schon, Corona hätte dich dahingerafft! Das wurde aber auch Zeit, dass
deine Frau grünes Licht gegeben hat!"

Karl wird etwas verlegen und erwidert: "Ja, mir ist der Kragen geplatzt und ich habe bei Bertha richtig Druck gemacht!"

Ralf und Walter lachen. Sie wussten, dass sie ihm gedroht hatte, ihn nach einem Kneipenbesuch nur mit einem negativen Testergebnis wieder ins Bett zu lassen.

Die Gaststätte ist gut besucht; alle Tische besetzt bis auf ihren Stammtisch. Sogar auf
den Barhockern sitzen "Schluckspechte".

Bevor die Biere kommen, sagt Walter: "'Covid-19' ist fast aus den Schlagzeilen verschwunden. Jetzt dreht sich alles um den Ukraine-Krieg, die hohe Inflationsrate und fehlendes Sonnenblumenöl und rationalisiertes Weizenmehl!"

Karl lacht," ja, wo jetzt alles teurer geworden ist, wird weniger gegessen!"

Ralf ergänzt: "Weniger Essen = weniger Toilettenpapier, die Regale sind wieder gefüllt."

"Hört mal zu.", flüstert Ralf, " das kann ein interessantes Gespräch werden."

Der Wirt unterhält sich mit einem gerade hereingekommenen Gast. "Nein", sagt Charly 
jetzt, "den Impfpass brauchen wir nicht mehr zu kontrollieren und die Maske können Sie am Platz abnehmen."

Der Mann grinst. "Ich hätte auch gar keinen Impfpass gehabt!"

"Sind Sie Impfgegner?"

"Das habe ich schon mit der Muttermilch aufgesogen. Meine Mam hat mich auch nicht gegen Kinderkrankheiten pieksen lassen. Das einzige, das ich bekam, waren angeschwollene Ohren und einen Hals, als hätte ich einen Kropf!"

Charly lacht. "Sehen Sie, ich bin gegen Mumps geimpft worden, und Sie mussten einige Tage wie ein Hamster herumrennen!" Er führte ihn an die Theke an den letzten freien Stuhl.
Das Trio musste sich jetzt konzentrieren, um alles zu verstehen.
Inzwischen hatte ihnen ein junges Mädchen, dass offenbar aushilft, die Biere gebracht und wünschte freundlich "Zum Wohl!"

"Der Mann sagt: "Hamburg ist doch jetzt ein 'Hotspot'..Anstatt zu entschärfen, hätte man doch verschärfen müssen!"

Der Wirt schüttelt den Kopf. "Die meisten sind doch inzwischen geimpft. Ausserdem hätten wir nicht mehr durchgehalten und auch der Staat wäre mit weiterer Unterstützung an die Grenzen gekommen. Mir ist das egal, wie das jetzt bezeichnet wird. '"Hotspot' ist für mich meine Küche, wo es heiß ist, und wo es Kochen und Brodeln muss!"

Der Gast widerlegt: "Meine Lebensgefährtin ist Krankenschwester, vollkommen geimpft und hatte einen sogenannten 'Impfdurchbruch', verbunden mit einer hartnäckigen
Gürtelrose!"

Charly hebt die Schultern, sagt resigniert: "Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgends!" und schiebt ihm abschließend einen Gin Tonic über den Tresen.

"Dann hatte Bertha doch recht mit der freiwilligen Quarantäne!"  Karl freut sich, seine Frau verteidigen zu können ."Aber wir wollten doch über den Krieg sprechen!"

Ralf lacht.."Ja, gleich..Gib erst mal zu, dass deine Frau dir Stubenarrest gegeben hat, du Pantoffelheld!"

Karl konnte mitlachen und wechselte das Thema. "Niemand zeigt Verständnis für Russland.Ein bisschen kann ich den russischen Präsidenten verstehen! Ich glaub es
war Anfang der Neunziger, wo Baker, Kohl und Genscher Gorbatschow und Schewardnase versprachen, die NATO nicht nach Osten zu erweitern."

"Das hat sich verselbständigt! Die Länder wollten frei sein, wollten in die EU und einige sogar dem Sicherheitspakt beitreten."

"Aber die Russen fühlen sich umzingelt und in ihrer Existenz bedroht!" beharrte Karl.

"Dass ich nicht lache!" entfuhr es Ralf. "Wer hätte Interesse, Russland anzugreifen?"

"Die USA! Schon Reagan sprach vom 'Reich des Bösen'!"

Ralf schüttelt den Kopf. "Du bist entweder falsch informiert oder ein Kommunist!"

Walter schmunzelt. "Das war er schon als Kind während der Nazizeit. Das hat er, wie
der neue Gast die Impfangst,  mit der Muttermilch aufgesogen!"

Karl winkt verärgert ab und beruhigt sich mit einem großen Schluck Bier.

"Für mich ist P. ein Kriegsverbrecher!" Ralf sieht Karl fest in die Augen, der seine demonstrativ schließt.

"Ja, mach nur wieder die Augen zu, du Gutmensch!" Ralf ist fast wütend. "Schade, dass Präsident Biden zurückrudern musste! Der Mann muss weg! Ich, Ralf Müller darf das sagen!"

"Aber wie? fragt Walter. "Man soll doch nicht an ihn herankommen!"

"Es müsste jemand aus seiner Clique sein!", erwidert Ralf. "Ein russischer Stauffenberg!
Nur diesmal müsste es gelingen!"

"Du bist aber radikal!", schaltet sich Karl wieder ein. "Hast du keine Angst vor dem Russischen Geheimdient? Oder bist du widerstandsfähig gegen Gift?"

"Ich bin viel zu unwichtig! Außerdem bin ich statistisch schon tot!"
Jetzt mussten alle drei lachen.

Karl hatte seine gute Laune wieder gefunden."Bertha meint, dass ich meine Rente zur Hälfte in Rubel überweisen lassen sollte. Der Euro wäre bald nichts mehr wert und wenn es bald kein Getreide mehr gäbe, könnten wir direkt in Russland kaufen."

Walter lacht. "Das ist wohl ein verspäteter April-Scherz!"

Ralf verdreht die Augen, bestellt eine Runde Bier und gibt Charly ein Zeichen, die Skatkarten mitzubringen.

Zu Karl sagt er ironisch und abschließend: "Du hast mit Bertha eine kongeniale Ehefrau gefunden! Oder auf Plattdeutsch - als Hamburger Jung und ehemaliger Schauermann -
liebst du es doch -:  To jedeen Pott passt en Deckel!"

Bürgerreporter:in:

Martin Ripp aus Bramfeld

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