Besonderheiten des Alltags Heute: Mutationen

Komodowaran (Varanus komodoensis
3Bilder

Immer wenn ich im Schlafzimmer barfuss über unseren neuen Sisal-Teppich schreite, richtet sich mir mein Nackenhaar auf. Denn es stellen sich dabei immer so merkwürdig kratzende Geräusche ein und ich spüre, wie mich irgendetwas permanent am Gehen hindert.

Die ersten Tage störte mich das nicht! Ich dachte: „Ein neuer Teppich, der hat noch biss und außerdem vermindert er mein Umfallen, wenn ich abends mal aus der Kneipe komme!“ Aber bei meiner Frau war da auf demselben Teppich nichts zu hören. Sie sprang (trotz ihres leicht erhöhten Gewichts) leichtfüßig, wie ein junges Reh darüber, eilte zum Fenster und zurück - nichts - der Teppich schwieg zu allem.

Stirn runzelnd und total verunsichert versank ich in einem großen Schweigen. Ein Phänomen? Es ließ mir keine Ruhe! Endlich wollte ich es genau wissen, setzte ich mich hin und besah mir die Haut an meinen Hacken. Sie zeigte eine leichte Dornbildung. Natürlich glaubte ich bei dem Wörtchen „Dornbildung“ an eine kreative Wortneuschöpfung meinerseits, traute mir jedoch selbst nicht und befragte mein kluges Vorsagebuch, das bei mir Wikipedia heißt. Doch was brachte es mir, mein schlaues Vorsagebuch oder vielleicht Spickzettel? Die Galapagos-Insel und dort genau, wegen der seltsamen Dornbildung, der Komodowaran (Varanus komodoensis)! Ich kombinierte blitzschnell. Da das Tier nun rein gar nichts mit einem hölzernen Einrichtungsgegenstand namens Kommode zu tun hat, sprang ich nicht zu dieser, sondern gleich darauf zum Spiegel und streckte mir selbst die Zunge raus.

Dies tat ich nicht aus Verzweifelung oder als beginnendes Zeichen einer Verwirrung, auch nicht aus Eitelkeit, die mir ohnehin fremd ist, sondern aus Gründen eines Selbstversuchs oder einer einfachen Überprüfung meiner Zunge. Welch ein Glück, meine Zunge erschien mir normal und kein bisschen gespalten, so wie bei besagtem Komodowaran. Wieder versank ich in tiefem Grübeln und begann erneut meine Hacken zu inspizieren. Jetzt gab ich das Wörtchen „Widerhäkchen“ (Arctium lappa) im elektronischen Vorsagebuch ein und landete bei dem Wort "Klette" (Arctium) und danach bei "Klettverschluss.

Nun stelle ich mir seit jener Zeit die Frage, ob ich nun zum Komodowaran, zur Klette oder zum Klettverschluss mutiere.

copyright©2011 by Andreas A.F. Tröbs

Bürgerreporter:in:

Andreas Tröbs aus Bad Bibra

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

2 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.