Willkommenskultur? Sachsen-Anhalt gehen die Lehrer aus, gleichzeitig scheinen ausländische Lehrer unerwünscht zu sein...

Es fehlt wohl bereits jetzt an ausgebildeten Schülern in Sachsen-Anhalt. Nur so lässt es sich erklären, dass die Anforderungen sinken ...
Zeitz: Zeitz | Beim Radiosender MDRinfo wird berichtet, dass ausländischen Lehrern der Zugang zu deutschen Schulen erschwert wird. Das Land Sachsen-Anhalt will sich scheinbar nicht auf die neuen Lebensbedingungen im Land einstellen. Dieser Eindruck könnte im nachfolgenden Absatz entstehen, ich zitiere:

"Was alles dagegen spricht

Lehrer ist in Deutschland ein reglementierter Beruf. Und wer unterrichten darf, bestimmen die Kultusministerien. Hierbei wird Wert darauf gelegt, dass der Abschluss aus dem Ausland dem Deutschen gleichwertig ist, erklärt Dr. Gudrun Ehnert vom Kultusministerium Sachsen-Anhalt. Die Gründe abzulehnen, sind dementsprechend vielfältig. "Zum Beispiel der ausländische Abschluss ist kein Lehrerabschluss, oder der ausländische Abschluss beinhaltet kein Fach der Stundentafel Sachsen-Anhalt. Ein weiterer Grund, ist das Unterrichtsfach Deutsch als Fremdsprache studiert wurde im Ausland und dieses Fach ist nicht geeignet für den muttersprachlichen Einsatz."

Was aber nicht heißt, dass man nicht genau diese Lehrer an den Schulen bräuchte, betont die Integrationsbeauftragte von Sachsen-Anhalt Susi Möbbeck. "Weil wir einen großen Zuwachs von Kindern mit Migrationshintergrund in den Schulen haben, die Sprachförderungsbedarf haben. Und gleichzeitig haben wir ausländische Lehrerinnen und Lehrer, die Deutsch in ihren Herkunftsländern unterrichtet haben." Siehe dazu: http://www.mdr.de/mdr-info/lehrermangel-sachsen-an...

Dieser Bericht bestätigt meine Eindrücke, die ich in den vergangenen Jahren sammeln konnte. In Sachsen-Anhalt sind Ausländer sind nicht sonderlich willkommen.

Als wir eine Hausarztpraxis suchten kam der Hinweis der Sprechstundenhilfe: "Der Doktor hört aber bald hier auf. Wollen sie dann hier bleiben, die Praxis wird dann von einem ausländischen Arzt weitergeführt." Auf meine Antwort, dass ich kein Problem mit einem ausländischen Arzt hätte, erhielt ich den Hinweis: "Ja, einige Patienten möchte eben nicht von einem Ausländer behandelt werden."

Abgesehen davon, dass in dieser Region kaum noch Ärzte verfügbar sind, fand ich diesen Hinweis schon recht merkwürdig. Aber es sind die kleinen Nebensätze, die von der "Kultur der Bevölkerung" zeugen. Vor einigen Monaten waren wir auf einen Notarzt angewiesen. Dieser war Ausländer aber so gut informiert, dass ich nur den Hut ziehen konnte. Er wusste sofort, dass ein verordnetes Medikament auf Grund der Nebenwirkungen in Amerika längst verboten wurde. Der nachfolgende Notarzt war Einheimischer aber konnte mit dem gleichen Befund gar nichts anfangen. Mit dem Hinweis, er sei Internist und könne daher zu chirurgischen Angelegenheiten keine Auskunft geben.

Die Arroganz des deutschen Arztes lässt sich kaum in Worte fassen, während der ausländische Arzt nicht nur Fach- sondern auch Sozialkompetenz besaß. Es gibt schon immer wieder einmal Anlass zum Gebet in dieser Region: "Lieber Gott, schicke uns einen Notarzt, der auch einen chirurgischen Befund richtig interpretieren kann!" Aber Gebete werden eben nicht immer erhört, so ist es nun einmal.

Wenn ich derartige Beiträge wie jetzt im oben genannten Bericht lese, fühle ich mich zunehmend in meiner Wahrnehmung bestätigt. Ich erlebte noch nie so viel Fremdenfeindlichkeit wie in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

Die Arroganz und Intoleranz in Sachsen-Anhalt ist für mich nicht mehr zu verstehen. Zumal man selbst nicht in der Lage ist, deutsche Lehrer und gut ausgebildete, fachlich kompetente deutsche Ärzte ins Land zu holen.

Und wenn man einmal so auf die Ärztesituation in unserer Region schaut, nicht jeder ehemalige Arzt aus DDR-Zeiten machte sie die Mühe den Grad "Dr. med." zu erlangen. Was nicht heißen soll, dass diese Ärzte schlecht sind. Ich kenne sehr gute Ärzte, die früher in den neuen Bundesländern praktizierten und sich umgehend nach der Wende im Westen eine Existenz aufbauten.

Ja, und hier in Sachsen-Anhalt ist man dann nicht einmal bereit, ausländischen Lehrern einen roten Teppich auszurollen. In fast fünf Jahren Sachsen-Anhalt habe ich inzwischen so viel fehlerhafte Texte einheimischer Sekretärinnen und Angestellten des öffentlichen Dienstes vorliegen, die ich vielleicht einmal im Netz zur Verfügung stelle. Da muss man, in diesem Falle ich, sich dann schon wundern, wie "gut" die heimische Bevölkerung die Muttersprache beherrscht. Nicht einmal der Schriftverkehr mit heimischen Banken entspricht den üblichen Geschäftsregeln. Nach 25 Jahren Wende erwarte ich, dass sich Banken und Behörden auf dem mir vertrauten Westniveau bewegen.

Ja, vielleicht hat man ja nur Angst, dass Menschen anderer Kulturen aus besser geschult sind als man selbst? Und es wäre ja wirklich peinlich, würde ein Ausländer die deutsche Sprache besser beherrschen als die Eltern der Kinder, die er unterrichtet.

Mit Blick darauf, dass sich in Sachsen-Anhalt deutsche Schüler mit schlechten Noten zum Polizeidienst melden können, muss man sich dann schon wundern, dass gut qualifizierte Ausländer nicht sonderlich willkommen sind...
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10 Kommentare
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Hans-Werner Blume aus Garbsen | 19.02.2015 | 12:36  
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Kornelia Lück aus Zeitz | 19.02.2015 | 16:19  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 19.02.2015 | 17:45  
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Tina vom Saalestrand aus Bad Kösen | 19.02.2015 | 19:01  
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Helmut Bathen aus Köln | 19.02.2015 | 20:06  
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Tina vom Saalestrand aus Bad Kösen | 19.02.2015 | 21:23  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.02.2015 | 00:27  
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Johanna M. aus Stemwede | 21.02.2015 | 00:27  
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