Redakteur aus Warstein hilft Leukämiepatientin aus Südafrika – Typisierungen im Kreis Soest

Der 43-jährige Warsteiner hilft mit seiner Stammzellspende einer Leukämiepatientin aus Südafrika.
 
Zur Aufnahme in die Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung reicht die Entnahme einer Blutprobe.
Warstein: Stadtverwaltung Warstein | WARSTEIN. „1 x stechen, 2 x helfen“, lautet der Slogan, mit dem der DRK-Blutspendedienst West und die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei, junge Menschen dazu motivieren wollen, sich als Blut- und Stammzellspender zur Verfügung zu stellen. Christian Clewing, 43-jähriger Familienvater aus Warstein-Belecke im Kreis Soest, ist seit fast 15 Jahren Blutspender und seit dem ersten Aderlass auch als Stammzellspender registriert. Jetzt konnte er ganz konkret einer ihm völlig unbekannten Frau, die in Südafrika an Leukämie erkrankt ist, die Chance geben, durch seine Stammzellspende den Blutkrebs zu besiegen.
Der Alltag von Christian Clewing besteht darin, Geschichten zu schreiben – Geschichten von und über die Menschen und das Leben rund um Warstein. Er ist mit Leib und Seele Redakteur. Die Situation, dass über ihn geschrieben wird, ist ungewohnt, aber er möchte helfen, dass mehr Menschen etwas über die Chancen und Risiken der Stammzellspende erfahren. Deshalb ist er bereit, über seine Erfahrungen als Stammzellspender zu erzählen.
„Ich habe mich typisieren lassen, weil ich jemandem helfen wollte. Wie das genau funktioniert, damit habe ich mich erst jetzt beschäftigt, als es soweit war und die Stiftung mich kontaktiert hat“, erzählt der Redakteur. Das war im Sommer vergangenen Jahres.
Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie Christian Clewing gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als Stammzellspender einer Spenderdatei erfasst sind. Um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. So sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung zwar weltweit über 20 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es immer noch ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein passender Spender findet.
„Für mich war die Nachricht, dass ich der kompatible Spender bin, ein schönes Gefühl. Anders als beim anonymeren Blutspenden, kann ich jetzt ganz konkret einem Menschen hoffentlich das Leben retten“, erzählt der Vater von drei Kindern, der in seiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr im Löschzug Belecke als Gruppenführer aktiv ist.
Bevor Clewing spenden darf, wird er umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. Diese Voruntersuchungen dienen dazu herauszufinden, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten den Spender während dieser ganzen Vorbereitungsphase. Jegliche Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung, An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen.
Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation: Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage per Spritze lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Der Botenstoff kann grippeähnliche Symptome auslösen, die aber mit der Entnahme wieder verschwinden. „Ich hatte leichte Rückenschmerzen, leicht erhöhten Puls und merkte, wie mein Körper arbeitet.“ Christian Clewing sagt dazu nach der Entnahme, bei der dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert wurden (Apherese lautet der Fachbegriff): „Das waren allerdings Peanuts im Vergleich zu dem, was der an Leukämie erkrankte Patient zu erleiden hat.“
Die zweite, klassische, Methode wäre die Knochenmarkspende gewesen: Dabei entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde.
Weder der Spender noch der Patient erfahren zu diesem Zeitpunkt, wer der andere ist – nur ein paar grobe Daten bekam Christian Clewing nach der Spende in Birkenfeld mitgeteilt: „Ich weiß, dass die Patientin ungefähr im Alter meiner Mutter, also Anfang 60, ist und in Südafrika lebt.“ Der Datenschutz schreibt vor, dass bis zum Ablauf von zwei Jahren der Kontakt nur anonymisiert stattfinden darf. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Spender und Patient einander kennenlernen können.
Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg: Parallel zur Vorbereitung von Christian Clewing wurde in der behandelnden Transplantationsklinik der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Sein Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich dann mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzellspende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Menschen wie Christan Clewing.“ Der Belecker hofft nun, „dass die Stammzellen das Überleben meines genetischen Zwillings in Südafrika sichern und dass wir uns irgendwann mal kennenlernen werden“.

Die nächste Gelegenheit, sich im Kreis Soest typisieren zu lassen, ist gemeinsam mit dem DRK-Blutspendedienst West:
Donnerstag, 4. September, 16 – 20 Uhr, Ense-Bremen, Schützenhalle, Hauptstr. 27
Donnerstag, 11. September, 16 – 20 Uhr, Ense-Niederense, Hubertushalle, Heuerwerth

Häufige Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Wie wird man Stammzellspender?
Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren Stammzellen spenden. Informationen über Ausschlussgründe lassen sich auf der Internetseite der Stefan-Morsch-Stiftung nachlesen. Die Typisierung ist für alle Spender kostenlos, jedoch werden Spenden zur Finanzierung der Blutuntersuchungen gerne entgegen genommen – da jede Spenderregistrierung mindestens 50 Euro kostet.
Falls Sie Fragen zu den Ausschlusskriterien haben, ist die Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) unter der gebührenfreien Hotline 08 00 - 766 77 24 erreichbar.

Was ist Leukämie?
„Leukämie“ ist der Oberbegriff für eine ganze Gruppe von Erkrankungen des blutbildenden Systems. Das Blut setzt sich aus Zellen (Blutkörperchen) und einer Flüssigkeit, dem Blutplasma, zusammen. Bei den Blutkörperchen werden dabei drei Arten unterschieden. die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Alle Blutzellen haben abhängig von ihrer Funktion eine begrenzte Lebensdauer. Im Knochenmark entstehen daher aus so genannten Blutstammzellen durch Zellteilung oder Reifungsschritte ständig neue Blutzellen, die dann in den Blutkreislauf übertreten. Bei einer Leukämie kommt es zu einer starken Vermehrung von weißen Blutkörperchen, insbesondere der noch funktionsuntüchtigen, jugendlichen Vorstufen. Diese Leukämiezellen verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark. Das stört den normalen Ablauf der Blutbildung und führt zu einem Mangel aller Arten gesunder Blutzellen. Dabei führt die Verminderung roter Blutkörperchen zu Blässe und Leistungsschwäche und die Verminderung der Blutplättchen zu vielen blauen Flecken oder schwer stillbaren Blutungen (Nasenbluten). Das Fehlen gesunder weißer Blutkörperchen führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.
Abhängig von der Art der weißen Blutkörperchen aus denen die Leukämiezellen hervorgehen, unterscheiden die Mediziner zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien. Beide Leukämiearten können jeweils eine akute oder chronische Verlaufsform annehmen. Akute Leukämien entwickeln sich sehr rasch und ohne Behandlung tritt hier innerhalb weniger Wochen ein lebensbedrohlicher Zustand ein. Im Gegensatz dazu sind chronische Leukämien schleichende Erkrankungen, bei denen der Patient über Monate und Jahre symptomarm bleiben kann.

Warum kooperiert die Stefan-Morsch-Stiftung mit dem DRK-Blutspendedienst West?
Der überwiegende Teil der Empfänger von Bluttransfusionen sind heute Patienten mit bösartigen Erkrankungen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene die beispielsweise an Blutkrebs (Leukämien) erkrankt sind. Dies hängt neben der eigentlichen Erkrankung insbesondere mit der modernen Chemotherapie zusammen. Diese Chemotherapie führt in vielen Fällen zu einer vorübergehenden kompletten Unterdrückung der körpereigenen Blutbildung im Knochenmark (Aplasie), so dass die Patienten in diesen kritischen Behandlungsphasen lebenswichtig auf Blutübertragungen angewiesen sind. Viele moderne und heilende Behandlungsverfahren, gerade im Kampf gegen Krebs, können nur durchgeführt werden, wenn für diese Patienten genügend Blut zur Verfügung steht. So helfen Blutspenden auch über die Wartezeit hinweg, die es dauert um beispielsweise einen passenden Stammzellspender zu finden, wenn eine Transplantation erforderlich ist.

Warum werden Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften nicht kostenlos in die Datei aufgenommen?
Stehen für einen Patenten mehrere Spender zur Verfügung, so haben die Transplantationskliniken folgende Prioritäten: Junge Spender werden den älteren Spendern bevorzugt. Und Männer werden eher als Spender ausgewählt, als Frauen. Das belegen auch die Statistiken der Stiftung: Von den mehr als 600 Stammzellspendern im Jahr 2013 sind über zwei Drittel jünger als 40 Jahre – die meisten davon sogar jünger als 30 Jahre. 511 Stammzellspender waren Männer. Und noch etwas zeigt die Statistik: Nicht nur, dass Frauen immer seltener als Spender ausgewählt werden. Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften haben einen verschwindend geringen Anteil in der Stammzellspenderstatistik. Sieglinde Wolf, Leiterin der Entnahmestation (Apherese) bei der Stefan-Morsch-Stiftung, weiß auch warum: "Im Rahmen von Schwangerschaften können Antikörper gebildet werden, die nach heutigem Kenntnisstand den Transplantationserfolg gefährden können. Deshalb wählen die Transplantationskliniken meist nur dann Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften aus, wenn sonst keine anderen Spender zur Auswahl stehen." Emil Morsch bedauert: „Wir wissen, dass Frauen und gerade Mütter hochmotivierte Spenderinnen sind. Fakt ist jedoch: „Sie sind die schlechteren Spender. Deshalb bitten wir Frauen mit mehr als zwei Schwangerschaften, um einen Beitrag zu den Typisierungskosten bitten, die wir aus Spendengeldern finanzieren.“

Hintergrund: Stefan-Morsch-Stiftung

Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem todkranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
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