Energiewende-Wanderprediger ohne Botschaft

... Proteste in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern - keiner will die Leitung haben ...
 
... Netzengpässe sind bekannt. Windkraftwerke werden dennoch gebaut. Es wird alles riskiert, vor allem die "noch" sichere Stromversorgung ...

Nach drei Stunden war der kommunale Infoabend zum Thema SüdLink vorbei. Schon während der Veranstaltung verließen einige Teilnehmer unter Protest die Veranstaltung, zu der der „Bürgerdialog Stromnetz“ vergangenen Freitag ins Rohmelbad in Bad Münder eingeladen hatte.

Recht hatten sie. Denn was die Referenten von sich gaben, war nichts anderes als heiße Luft. Sie redeten über den notwendigen Leitungsbau, ohne den die Energiewende nicht gelingen könne. SüdLink stecke in den Planungen fest. Ob die Leitung denn verkabelt werde, konnten oder wollten die aus Berlin und Bonn angereisten Behördenvertreter von Bundeswirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur nicht verraten.

Zwischen all dem Larifari, den die Energiewende-Generalverschleierer von sich gaben, konnte man allerdings heraushören, das der SüdLink als Freileitung gebaut werden wird. Denn, so argumentierten sie, mit Hochspannungsgleichstromkabeln habe man in Deutschland ja noch keine Erfahrungen. Allenfalls werde es eine Teststrecke geben. Und falls die Vollverkabelung doch noch beschlossen werde, müssten die Planungen wieder bei Null beginnen. Das sei aber unrealistisch, weil dann das politisch angestrebte Ziel, die Erneuerbaren Energien bis 2021 auf 40 bis 45 Prozent auszubauen, unerreichbar sei.

Der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, zweifelte die Sinnhaftigkeit des Bürgerdialogs Stromnetz schon vor der Veranstaltung öffentlich an. Recht hatte er, denn den Referenten des „Bürgerdialogs Stromnetz“ gelang es nicht, die Beteiligten aus Kommunalpolitik und Bürgerinitiativen, die durch die Bank weg bestens informiert waren, mit unmissverständlichen Informationen abzuholen. Sagte ein Teilnehmer aus Bakede, einem Ortsteil von Bad Münder: „Das war die deprimierendste Veranstaltung, die ich zu diesem Thema besucht habe.“

Das dicke Ende kommt noch


Es ist allgemein bekannt, das Landwirte für Standorte von Windenergieanlagen Geld bekommen. Viel zu viel Geld sagen führende Windstromerzeuger. Bis zu 100.000 Euro pro Standort und Jahr, über 20 Jahre garantiert, fließen in die Taschen der Landbesitzer. Und mit dem weiteren Ausbau wachsen die Pachtforderungen der Landbesitzer kontinuierlich, der Gesetzgeber hat es versäumt, hier von Anfang an regulierend einzugreifen.

Jetzt zum dicken Ende: Der vielgepriesene Nordwind-Strom muss abtransportiert werden. Doch die Leitungen fehlen. Der Netzausbau kommt nicht voran. Die volatilen Erzeugungsspitzen in den norddeutschen Küstenländern haben mittlerweile Größenordnungen erreicht, die an die norddeutschen Nachbarländer, Holland, Dänemark oder Polen entweder verramscht, teilweise aber durch Zuzahlung entsorgt werden müssen.

Unter anderem soll der SüdLink zwischen Schleswig-Holstein und Bayern für Entlastung sorgen. Was aber unterscheidet einen Freileitungsmast von einer Windenergieanlage? Bei dieser Frage geht es nicht darum, was ihre bestimmungsgemäßen Aufgaben sind. Für die Landbesitzer stellt sich viel eher die Frage, ist ein Maststandort minderwertiger als der einer Windenergieanlage. Beim SüdLink geht es immerhin um rund 2.500 Standorte für die Stahlgittermaste entlang der Trasse.

Warum sollten sich Landbesitzer mit einer mickrigen Standort- und Überspannungsentschädigung abfinden lassen, wenn es für Windräder das zig-fache an Euros gibt? Was muss man daraus folgern? Dass es ziemlich sicher ist, dass die Landvolkverbände auf Gleichbehandlung pochen werden. Sie werden verlangen, dass die Entschädigungen für Freileitungs-Maststandorte denen von Windenergieanlagen entsprechen.

Es ist davon auszugehen, dass die Politik darauf nicht eingehen kann. Es dürfte eine Fülle von Enteignungsprozessen auf die Netzbetreiber zukommen, wenn die Landbesitzer nicht gleichbehandelt werden. Eine Gleichbehandlung würde mehrere Milliarden Euro pro Jahr kosten. Dafür müsste der Gesetzgeber zur EEG-Umlage noch die Netz-Umlage erfinden.


Ist es nicht an der Zeit, die Planlosigkeit der mega-teuren Energiewende sofort zu beenden? Dass sie durchdacht wird von Fachleuten, die davon mehr verstehen als die energiewirtschaftlichen Laienschauspieler in Politik und Verwaltungen? Die den Ausbau der Windenergie in den norddeutschen Küstenländern sofort stoppen? Die erst die notwendigen Leitungen und Speicher bauen, um dann wieder neu mit Vernunftkraft durchzustarten?

Da der SüdLink, so er gebaut wird, erst frühestens 2025 zur Verfügung stünde, besteht also keine Eile beim Ausbau der Windenergie in den norddeutschen Küstenländern. Die siebenjährige Ausbaupause wäre also durchaus gerechtfertigt. Eine Denkpause täte den Energiewendeakteuren gut. Denn wenn der Ausbau der Windenergie im Norden ohne leistungsstarke Ableitungen ungebremst weiter geht, wird es ein unlösbares Problem geben: Wir hätten Windenergieanlagen, die nutzlos in der Gegend herumstehen und dennoch altern, deren Betreiber gleichwohl Vergütungen nach dem EEG kassieren. Damit muss endlich Schluss sein.
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2 Kommentare
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 08.06.2015 | 16:49  
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Knippsi Knippsilein aus Ellgau | 08.06.2015 | 17:27  
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