'Di Finkelstein Kapelye' in der Klosterkirche Wülfinghausen

Schon auf der Hinfahrt begleitete uns ein wundervoller Abendhimmel.
 
Am Kloster angekommen, erblickten wir nach einem kurzen Fußweg die Klosterkirche.
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Das Kloster:

Das Kloster Wülfinghausen ist ein 1236 gegründetes Augustiner-Chorfrauenstift, das nach der Reformation zum evangelischen Frauenstift wurde. Es liegt nahe Eldagsen in der Region Hannover unmittelbar am Höhenzug Osterwald. Die Anlage besteht aus den in sich abgeschlossenen und unmittelbar nebeneinander liegenden Baukomplexen Kloster und Klostergut.
1543 konvertierte das Kloster zur lutherischen Lehre. 1593 wurde es säkularisiert. Seitdem ist das Kloster ein Frauenstift, in das alleinstehende evangelische Damen aufgenommen wurden. 1618 bewohnten sechs Konventualinnen das Kloster, 1684 waren es zwölf Frauen.
Seit dem Jahr 1994 wurde das Kloster von sieben Schwestern der evangelischen Communität Christusbruderschaft Selbitz aus Oberfranken bewohnt. Im Jahr 2013 trennten sich die verbliebenen drei Schwestern von der Herkunftskommunität und bilden mit einer neueingetretenen Postulantin nunmehr ein selbständiges evangelisches Kloster innerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
Im Kloster finden Kurse zu christlichen und spirituellen Themen statt. Es ist möglich, Urlaub im Gästehaus des Klosters zu verbringen oder sich eine Auszeit von bis zu drei Monaten zu nehmen. (Auszüge aus Wikipedia)

Soviel zum Veranstaltungsort, im dem das Konzert im Rahmen der "Klostergespräche 2014" heute stattfand.

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Nun zu diesem Konzert:

Mein erster Artikel über 'Di Finkelstein Kapelye" ist nun bereits über drei Jahre her - damals nannten sie sich noch 'Finkelsteins Kapelje'. Den zweiten und - bis zu diesem - letzten Bericht schrieb ich im Sommer 2013. Zu der Zeit hatten sie schon ihren jetzigen Namen 'Di Finkelstein Kapelye'.

Dieses ist also nun der dritte Bericht über ein Konzert dieser wundervollen Musiker und Menschen.

Das heutige Konzert fand in einer, wie ich finde, ganz besonderen Atmosphäre statt - in einer Klosterkirche. Schon beim Eintritt in das Kirchenschiff wurden wir von sehr freundlichen und fröhlichen Klosterdamen begrüßt. Wir bekamen sehr gute Plätze in der zweiten Reihe, gleich hinter den Damen vom Kloster.

Als fast alle Plätze bereits belegt waren, blieben ganz vorne links noch wenige Plätze frei, die reserviert waren. Kurz bevor die drei Musiker die Bühne betreten sollten, kam Salomon Finkelstein in Begleitung in die Kirche - sie nahmen die freien Plätze in der ersten Reihe ein.
Nach ihm durfte sich das Trio benennen, was wirklich eine ganz große Ehre ist.
Er war bei allen Konzerten, die ich besucht habe, immer selbst anwesend, so auch heute - und das mit nunmehr 92 Jahren!

Annette Siebert, Franka Lampe und Thomas Siebert betraten die Kirche durch eine Seitentür und sofort gab es tosenden Vorschuß-Ablaus. Annette Siebert führte mit einigen erklärenden Worten immer wieder durch die einzelnen Stücke und den gesamten Abend, ergänzt durch kurze Beiträge von Thomas Siebert und Franka Lampe.

Die Stücke werde ich nun hier nicht im einzelnen beschreiben. Wie immer bei Klezmer gab es Tanzstücke, fröhliche Klänge und Klänge, die eher von Nachdenklichkeit und Traurigkeit erzählen. Überwiegend gab es heute jedoch die fröhlichen, heiteren, beschwinglichen Stücke, welche mir besonders gut taten.

Thomas Siebert variierte zunächst zwischen Bassethorn und Klarinette, wobei ich nun besonders bei der Klarinette voll in meinem (Hör-)Element bin. Da gibt es Stücke, bei denen bekomme ich plötzlich heftiges Herzklopfen und andere, da läuft mir ein wohliger Schauer über den Rücken und ein Stück, welches sie immer spielen, bei dem ich von oben bis unten Gänsehaut bekomme. Ich versuchte, mir nach außen nicht so viel anmerken zu lassen, aber mein Mann, der neben mir saß, stupste mich wissend an. :-)
Ganz zum Schluß nahm Thomas Siebert dann einmal die Oboe zur Hand - und auch da gingen mir die Klänge direkt unter die Haut!

Im Grunde würden mir diese Instrumente nacheinander von Thomas Siebert gespielt ja schon fast genügen, dennoch werden sie auf wundervolle Weise durch die Violine von Annette Siebert und das Akkordeon von Franka Lampe ergänzt, verstärkt, untermalt, betont ... was auch immer. Es ist ein perfektes Zusammenspiel der jeweiligen drei Instrumente, so dass es eine wahre Hörfreude ist, wenn man dabei genüsslich die Augen schließt. Aber auch für das Auge ist es nie langweilig, denn die Harmonie der Töne setzt sich im Auftreten der drei Interpreten fort. Sie spielen einander zu - miteinander - abgestimmt, als könne es niemals anders sein. Es ist einfach wunderbar, sie zu erleben!

Wie man es am Ende eines jeden Konzertes gewohnt ist, gab es ein paar abschließende Dankesworte und man erwartete, dass man am Ausgang noch spenden und/oder CD's der Interpreten erwerben könne ... Nichts davon! Annette Siebert verkündete lediglich, dass es von ihnen keine CD gibt. Es gibt keine!!! Kaum zu glauben. Meine ehrliche Meinung ist aber ohnehin, dass man diese Drei einfach 'echt und in Farbe' erleben sollte. Die Musik auf Konserve im Auto oder im eigenen Wohnzimmer zu hören und dabei diese wunderbaren Menschen nicht zu sehen, wäre kaum der halbe Genuss.

Es war wieder einmal ein gelungenes Konzert - das Beste von allen, die ich bisher von ihnen besucht habe. Sie werden immer besser, obwohl das bei jedem Konzert eigentlich nicht mehr besser zu gehen scheint!

Ich bin sehr dankbar, dass ich am heutigen Ewigkeitssonntag in der Klosterkirche Wülfinghausen dabei sein durfte. Ein wundervoller Abend, der für eine kurze Zeit den Alltag in den Hintergrund rückte. Die Musik noch im Ohr und im Blut, kann die neue Woche kommen. :-)

(Entschuldigt bitte die vielen (25) Bilder - es war wirklich nicht einfach aus über 60 Fotos nur ein paar wenige herauszufiltern.)
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