Reise in die deutsche Geschichte / 10. Mehrtagesfahrt der Hottelner „Alt-Junggesellen“ geht ins Brandenburger Land

Vor historischer Kulisse in Schloss Cecilienhof kommen auch die Hottelner "Alt-Junggesellen" für ein Gruppenbild zusammen. (Foto: Torsten Rupp)
 
Frühstück ist angerichtet. (Foto: Torsten Rupp)
 
Im Neuen Garten erkannten die "Alt-Junggesellen" historische Blickachsen.
Die brandenburgische Hauptstadt Potsdam war Ziel der 10. Reise der „Alt-Junggesellen“ aus Hotteln. Unter fachkundiger Leitung von Torsten Rupp und Erik Wolters machten sich 34 Junggesellen und Ehemalige im Alter zwischen 19 und 77 Jahren auf eine hochinteressante Reise in die deutsche Geschichte. Generationsübergreifend waren dabei mit Matthias und Matis Furich sowie August und Maik Othmer auch Väter und Söhne gemeinsam unterwegs.

Das traditionelle gemeinsame Frühstück mit Mett, Brötchen und Gurken gab es unweit des ehemaligen innerdeutschen Grenzübergangs Helmstedt-Marienborn, der gleichzeitig erste Station war. Innerhalb von zweieinhalb Stunden wurde hier eine Reise zurück in die Zeit vor der Wende unternommen. Fachkundige Betreuer der „Gedenkstätte Deutsche Teilung“ schilderten detailliert Abläufe der Ein- und Ausreise in die DDR, während Heinrich Kranz aus eigener Erfahrung von schikanösen Erlebnissen bei seiner letzten Rückreise im März 1989 erzählte. Bernd Beckmann hingegen war einfach nur froh, als Transitreisender nach West-Berlin Mitte der 80er Jahre seinerzeit nur leicht kontrolliert worden zu sein.

Per Bus ging es weiter zur „Braumanufaktur Forsthaus Templin“ am Templiner See in Potsdam. Dort, wo seit 2007 das komplette Biersortiment in Bio-Qualität gebraut wird, stand zunächst eine Brauereiführung auf dem Programm, ehe die Reisenden bei der Verkostung auch gut und reichlich aßen. Aus Brandenburger Braugerste wird in Bayern Malz erzeugt. Bayerischer Herkunft ist auch der ökologisch angebaute Hopfen. Dabei nahm man zur Kenntnis, dass zum Brauen ausschließlich die Dolden der weiblichen Hopfenpflanzen verwendet werden. Männliche taugen da nichts!

Anschließend bezogen die Hottelner Quartier für zwei Nächste im Filmhotel „Lili Marleen“ in Potsdam-Babelsberg bezogen, ehe der Abend zur individuellen Verfügung stand.

Die Glienicker Brücke, deren anderes Ende im West-Berliner Bezirk Zehlendorf liegt, kürzlich Drehort für einen Agentenfilm mit Tom Hanks von Starregisseur Steven Spielberg, war auch Ausgangspunkt für eine besondere Stadtführung vorbei an Villen von Prominenten und durch historische Blickachsen. Dabei wurden die „Alt-Junggesellen“ viel Interessantes gewahr: Apfelsinen waren der Wortbedeutung nach Äpfel aus China, die an den Fürstenhöfen in Orangerien überwintert wurden. Und je prächtiger und größer dieses „Gewächshaus“ war, desto bedeutender soll der Fürstenhof gewesen sein.

Ziel dieser Führung durch den Neuen Garten war Schloss Cecilienhof, letzter Schlossbau der Hohenzollern unter Kaiser Wilhelm II. für seinen Sohn Kronprinz Wilhelm und dessen Gemahlin Cecilie. Zudem fand dort die Potsdamer Konferenz im Sommer 1945 statt. Potsdam war damals gewählt worden, weil es weniger stark kriegszerstört als das vollkommen in Trümmern liegende Berlin war und zudem repräsentative Unterbringungsmöglichkeiten für die Staats- und Regierungschefs der alliierten Siegermächte bot. Neben der interessanten Tatsache, dass mit Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen heute ein 39jähriger unserer Kaiser wäre, erfuhren die Zeitreisenden auch, dass schon 1945 die Amerikaner in Geographie nicht besonders bewandert waren. Stalin wusste aber ganz genau, dass die Glatzer Neiße viel weiter östlich als die Lausitzer Neiße fließt. Dass bei der Festlegung der Glatzer Neiße als Grenzfluss ein großer Teil Schlesiens einschließlich Breslau bei Deutschland verblieben wäre, hätte nicht nur für den 70jährigen Hartmut Seifert aus Bledeln ein ganz anderes Schicksal bedeutet, wie er später still anmerkte.

Der sich an das zünftige Mittagessen in der Alten Meierei anschließende historische Stadtrundgang mit einer Marktfrau aus dem 18. Jahrhundert fiel teilweise einsetzendem Starkregen zum Opfer. So ging es vom Holländischen Viertel aus dann eben mit dem Bus durch Potsdam. Das berühmte Schloss Sanssouci, Potsdamer Aushängeschild, sah man so wenigstens - allerdings nur von hinten. Sanssouci sei, so erfuhren die „Alt-Junggesellen“, eigentlich ja sowieso nur ein Nebenschloss zum Neuen Palais. Nach viel Kultur und erfüllt von zahlreichen neuen Informationen konnte auch der zweite Abend individuell verbracht werden.

Militärgeschichte stand am nächsten Vormittag auf dem Programm. In Zossen-Wünsdorf, südöstlich von Potsdam gelegen, ging es dafür in die Unterwelt: Zunächst besichtigte die Hottelner Reisegruppe aber die Bunkeranlagen Maybach I und II von außen bzw. das, was oberirdisch davon nach großflächigen Sprengversuchen übriggeblieben war. 1939 noch waren Bunker mit bombensicheren Wänden wie Häuser getarnt am Rande des einst kaiserlichen Truppenübungsplatzes Zossen und des Schießplatzes Wünsdorf errichtet worden. Gebaut für ein tausendjähriges Reich zeugen Ruinen heute vom Wahnsinn militärischer Auseinandersetzungen: Bewährter verstärkter Stahlbeton lässt sich - ähnlich dem Führerhauptquartier Wolfsschanze im ostpreußischen Mauerwald - schließlich nur teilweise sprengen!

Zwischen 1953 und 1994 war Wünsdorf dann Sitz des Oberkommandos der sowjetrussischen Truppen in Deutschland. Die unterirdische Nachrichtenbunkeranlage „Zeppelin“ hatte zwar unter Sprengungen in den ersten Nachkriegsjahren gelitten, wurde danach aber in der Zeit des Kalten Krieges reaktiviert und weiter genutzt. Viergeschossig bis zu 18 Meter unter der Erde übermannte viele eine Beklommenheit, als sich die meterdicke Eisentür von innen schloss - und auch jeglicher Kontakt zur Außenwelt per Handy damit abriss. Detailliert wurde bei der Führung Nachrichtentechnik präsentiert. Auch eine Fledermaus zeigte sich den Besuchern.

Schier endlos schien der Heimweg am Sonntagnachmittag durch das Brandenburger Land. Die Rückreise über Landstraßen gestaltete sich durch Umfahrung von Stau auf der Autobahn als langwierig. Letztendlich wurde Hotteln aber doch rechtzeitig erreicht. Im Clubhaus des TV Deutsche Eiche ließen die „Alt-Junggesellen“ bei Haxe oder Currrywurst die drei vergangenen Tage Revue passieren.

2017 geht es wieder auf Fahrt: Bis dahin haben die Hottelner Andreas Günther und Michael Köhler Zeit, den neuen Reisetermin zu bestimmen und eine Route auszuarbeiten.
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