Haus & Grund-Stammtisch in St. Andreasberg - Braunlages Bürgermeister Stefan Grote referierte über die wirtschaftliche Lage

Der Haus & Grundvereinsvorsitzende Eike Röger, Braunlages Bürgermeister Stefan Grote und Schriftführerin Elke Uhrner
 
Blick zu den zahlreichen Gästen des Haus & Grund-Stammtisches im Hotel Glockenberg
 
Braunlages Bürgermeister Stefan Grote informierte über die wirtschaftliche Lage
St. Andreasberg/Bad Lauterberg. Nach dem sich der Haus & Grundverein St. Andreasberg vor zwei Jahren auflöste, zahlreiche Mitglieder dieses Vereins dem Haus & Grundverein Bad Lauterberg beitraten, führt der Verein nun auch jährlich einmal einen Stammtisch in St. Andreasberg durch. Beim jüngsten Stammtisch (13.4.2016) in der Bergstadt war die Resonanz gleich so stark, dass die zahlreichen Besucher als dem kleineren Clubraum des „Hotel Glockenberg“ in den großen Saal des Hauses umziehen mussten.
Als Referent zu dieser Veranstaltung konnte der Haus & Grundvereinsvorsitzende Eike Röger Braunlages Bürgermeister Stefan Grote begrüßen, der zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt mit seinen drei Ortsteilen Braunlage, Hohegeiß und St. Andreasberg informierte. Erst durch die Fusion mit St. Andreasberg, so Stefan Grote, ist die Stadt an „Wirtschaft“ gekommen, denn der einzige produzierende Betrieb in der Stadt ist die Firma Eckold in St. Andreasberg/Silberhütte/Sperrlutter. Ein weiteres Extrem bietet inzwischen Hohegeiß, es gibt zwar noch einen Bäcker, ein Lebensmittel-und ein Bekleidungsgeschäft, aber keinen einzigen Handwerksbetrieb mehr. St. Andreasberg und Braunlage kann zwar jeweils einige Geschäfte, eine Tankstelle und mehrere Handwerker bieten, zu über 90 % leben aber alle Ortsteile vom Hauptwirtschaftszweig „Tourismus“. Dies ist bei unserer attraktiven Landschaft auch gut so, so der Verwaltungschef weiter, für die Kommune aber problematisch. Die Tourismusbranche teilt sich hauptsächlich in kleinst-bis mittelständische Betriebe auf, wobei Gewerbesteuer erst bei einem jährlichen Gewinn von über 24.000€ zu zahlen ist. Mithin ist die Einnahme von 900.000 € Gewerbesteuer äußerst gering, wird zumeist nur gezahlt durch die Bankfilialen und die zwei Großhotels Panoramic und Maritim. Der neue St. Andreasberger Ferienpark, vom Bauvolumen von rund 10 Mil. € ein Großprojekt, bringt gewerbesteuermäßig ebenfalls kaum Einnahmen, da alle Ferienhausgebäude verschiedene Eigentümer haben. Die Haushaltslage der Stadt Braunlage ist mithin schlecht, so Stefan Grote, bei einem Gesamtvolumen von 14 Mio. € läuft alljährlich ein Defizit zwischen 1-bis 2 Mil. € auf. Im Zuge der Fusion zwischen St. Andreasberg und Braunlage wurde mit dem Land Niedersachsen ein Zukunftsvertrag abgeschlossen, wonach bis 2020 der Haushalt ausgeglichen sein sollte. Dies, so der Verwaltungschef weiter, ist nach fünf Jahren aus heutiger Sicht völlig illusorisch, denn die Ausgaben steigen weiter, die Einnahmen sinken. Deshalb muss aktuell mit dem Land Niedersachsen nachverhandelt werden.
Beim Tourismus hingegen, so Grote sieht es recht gut aus, so sind die Übernachtungszahlen in St. Andreasberg von 311.721(2011) alljährlich leicht gestiegen und lagen 2014 bei 338.387 und 2015 bei 338.000. Gingen davor die Übernachtungen stets leicht zurück, so wirkte die neue Ferienhaussiedlung mit 200 Betten dem entgegen. Weiteres Potential wird durch neue Investoren im Bereich Jordanshöhe erwartet, wo aktuell die Kieler Hütte abgerissen wurde und durch Neubauten ersetzt werden soll. Bei den Übernachtungszahlen sind bis zu 60.000 kurbeitragsfrei, die auf die Dachdeckerschule und das Internationale Haus entfallen.
Recht zufriedenstellend, so der Verwaltungschef sind auch die Übernachtungszahlen der letzten Jahre in Braunlage. So gab es von 569.795 Übernachtungen in 2011 einen Sprung um knapp 13 % auf 621.103 im Jahr 2012. 2013 gab es nochmals eine Steigerung um 7.605 Übernachtungen. 2014 erfolgte dann allerdings ein kleiner Einbruch, bevor die Übernachtungszahlen um 41.495 auf 664.556 hochgingen. Erreicht wurde dies, so Stefan Grote, durch den „Wurmbergeffekt“. Die steigenden Übernachtungszahlen im gesamten Harz wurden durch diese Investition um ein mehrfaches übertroffen. Obwohl der gesamte letzte Winter nicht besonders „toll“ für den Harz war, so konnte doch durch die Investition „Beschneiungsanlage“ am Wurmberg und deren neuen Abfahrten von Januar bis zum 5. April 2016 dort Wintersport betrieben werden.
Nachdem der Ortsteil Hohegeiß 2011 178.464, 2012 188.079 und 2013 188.356 Übernachtungen verbuchen konnte, gab es 2014 einen Rückgang auf 180.946 und 2015 auf 176.307 Übernachtungen. Wesentlicher Grund, so Stefan Grote, ist dafür die Insolvenz der Betreibergesellschaft des 1.000-Betten-Hotels Panoramic, wo 350 Einzeleigentümer unter einen Hut gebracht werden müssen.
Insgesamt, so Stefan Grote, müssen wir feststellen, dass sich die „Winter“ nur noch in Lagen über 700 Meter Höhe abspielen. Richtig reagiert hat darauf bereits das Alberti-Skizentrum, welches zusätzlich einen Mountainbike- und Downhill-Erlebnis-Park anbietet. Alles was mit dem Rad angeboten wird hat guten Erfolg, ebenso das klassische Wandern. Damit, so der Verwaltungschef, sind die Prognosen für den Tourismus recht gut. Der Erfolg hängt aber maßgeblich vom Wetter ab, da die Gäste heute zumeist nur noch kurzfristig übers Internet buchen. Gesehen werden muss der Harz als „Ganzes“, die laufenden großen und massiv geförderten Investitionen in Schierke stellen keineswegs eine Konkurrenz da, sondern stärken die Region insgesamt. Nur gut sein kann deshalb auch die geplante neue Seilbahn von Schierke zum Wurmberg, die vermutlich in zwei Jahren fertig sein wird.
Bei einer anschließenden Diskussion brachten besonders einige Andreasberger Haus-und Grundeigentümer ihren Unmut über die schweren Straßenschäden in der Bergstadt zum Ausdruck. Was fehlt, so der Verwaltungschef abschließend, ist für die Reparaturen das nötige Geld, allerdings setzt er große Hoffnung auf den neuen Stadtbauamtsleiter, der sich diesen Problemen annehmen wird. Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung sieht Stefan Grote durch die zahlreichen neuen Haus-und Immobilienbesitzer in Braunalge. Wurden doch in Zeiten der Finanzkrise Millionen Euro in Immobilien in Braunlage investiert. Er hoffe, so Grote, dass dieser „Boom“ auch auf die Ortsteile überschlägt.

Text und Fotos: Bernd Jackisch (Pressesprecher Haus & Grund Bad Lauterberg)
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