Die drei glasierten Keramikplatten zur Rostocker Stadtgeschichte

  Rostock: Grebin | und ihr Schicksal im größer gewordenen Deutschland.<

1980 wurden die drei aus Ton gebrannten Keramikplatten „als übliche baugebundene Kunst in der DDR“ – geschaffen vom Bildhauer Reinhard Dietrich aus Kneese – Ausbau bei Bad Sülze – am Eckhaus „Cafe Rostock“ Breite Straße/Kröpeliner Straße mit Motiven von Menschen aus der Hansestadt Rostock montiert. Im oberen Teil des Giebels wurden fünf Fayencenmedaillons mit den Berufen „Fischer, „Servierfröken“, „Schipper“, „Hüser- und Schippbuger“ angebracht.
1993, Ende Juli, im 13. Jahr nach der Kehrtwende „passierte“ es absichtlich oder aus Versehen. Ein Fast – Food – Restaurant wurde hier eingerichtet und die drei Keramiken sollten metallenen Baldachinen weichen. Die beauftragte Baufirma montierte „lustig drauf los“ und entsorgte sie, wie so manche Kunst der DDR sorglos abgeräumt wurde. Dabei zerbrachen diese drei Historienbilder, ihre fünf höher angebrachten Bilder überlebten diese Unkulturtat zum Glück. Für den neuen Pächter „Block House“ anfangs kein Problem, denn er war „groß geworden“ im Glauben, DDR – Kunst kann aus dem Stadtbild verschwinden, weil von den DDR – Oberen angeordnet. Doch mit Volkes Zorn wollte auch in Rostock manche Bürgerbewegten nicht mehr rechnen. Zum Glück gab es aber in Rostock noch couragierte Verantwortliche und die Presseleute, die dafür sorgten, daß der Pächter (nur der?) seine Untat wieder gutmachte.
Schon in der DDR wurde natürlich diese Kunst vor dem Anbringen begutachtet und einigen Bedenkenträgern war aufgefallen, als sie die nahezu quadratischen Reliefs mit einer Kantenlänge von etwa 90 cm im Original sahen, ob die dritte Platte nicht neu gestaltet werden müßte. Doch der Künstler lehnte ab.
Was ist nun auf dem dritten Relief zu sehen? Im Vordergrund steht im hellen Anzug der Oberbürgermeister Dr. Henning Schleiff, daneben der Stadtarchitekt Peter Baumbach, ein neues Treppengiebelhaus für Evershagen erklärend. H i n t e r beiden schaut der ERSTE Sekretär der SED - Stadtleitung Heinz Kochs über die Schultern. Worin bestand nun das Problem damals? Vorne müsse der stehen, der das Sagen hat, war die Auffassung der Urteilenden und das war üblicherweise die führende Partei, also der Stadtchef Heinz Kochs gehöre nach ganz vorne. Auch ergab sich die Frage, ob es richtig sei, die städtischen Auftraggeber schon zu Lebzeiten darzustellen. Auch trinkende Bauarbeiter und der Mann mit der Maske (Eulenspiegel - Plön?) gerieten nun mit in den Blickpunkt.

Der Parteichef selbst, als er das Relief sah, tat es als unnütze Aufregung ab und sorgte damit für die Montage dieser Platte als originelles Zeitdokument.
Der Wunsch des Künstlers Reinhard Dietrich „Man müsste mal Mäuschen sein bei solchen Besprechungen!“ dagegen ist zeitlos. Dargestellt wird er durch die kleine Maus zwischen den OB – Beinen.
Rostock – Besucher werden leider durch die Stadtführer auf diesen „kleinen Umstand“ n i c h t aufmerksam gemacht.

H. Jürgen Grebin
29.12.2009
Nach Aufzeichnungen von Dr. Hartmut Schmied / Legenden-Museum Rostock


Fürst Borwin I
Tau Ritter Borwins Tieden wurde manchein auch angeschissen



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Bürgersleute wurden mächtig reich – vor dem lieben Gott, sagt der Pastor, sind alle gleich





Viel Hüsung braucht die neue Stadt – darum seine Sorgen




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Ali Kocaman aus Donauwörth | 27.12.2013 | 08:47  
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