Das VEG (staatseigenes Gut) Zingst - die Treuhand nach 1990 - ein Ruinengelände 2013

  Gestern am 12. Oktober, dem „WELTMÄDCHENTAG“ waren wir bei meinem alten Schulfreund in Zingst , auf dem Zingst - nach 65 Jahren wiedergefunden - er zeigte uns seine alte Wirkungsstätte als Betriebsleiter, das Gelände des VEG Zingst (Färsenaufzuchtstation Zingst/Darß) mit den 20.000 Tieren in den Stationen:
1. weibliche Kälberaufnahme
2. Übergangsstall 1
3. Übergangsstall 2
4. Produktionsstall - von 450 m Länge –
mit Besamung und Beginn des Verkaufs der Färsen zwischen
dem 7. Monat, 8. Monat bzw. kurz vor dem Abkalben….

G. S. fuhr uns durch Zingst und bis nach Müggenburg und weiter ausgangs von Zingst in Richtung Barth. Wir erlebten den ehemaligen „VEG-Hafen“, ein betriebseigenes Klubgebäude, heute ein modernisiertes Hotel, das „Blaue Wunder“- ein Gelände mit dem Lehrlingswohnheim, heute nicht mehr zu finden, weil abgebaut und rundum mit neuen kleinen rohrgedeckten und daher auch schön anzusehenden Häusern bebaut. Überall wohin wir kamen, hatte er seine Spuren hinterlassen, mit der Eigenschaft der damaligen in der Wirtschaft Verantwortlichen, aus wenig viel zu machen und durch unkomplizierte Verbindungen z. B. Straßen, betriebliche Gebäude, u. a. den Hafen (zur Verbringung der Färsen auf den KIRR über den Prerowstrom) für die Öffentlichkeit zu schaffen, für die heute jahrelange Verhandlungen und Auftragsvergaben notwendig sind und nicht immer den Qualitätsanforderungen entsprechen. Von den Vergünstigungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VEG schreibe ich hier noch nicht, weil zum Thema nicht passend, doch gelebt. Das VEG bestimmte in jeder positiven Hinsicht das Leben in Zingst, dem Mittelpunkte des staatseigenen Betriebes. Das erlebten wir beim Durchfahren des Ortes, überall die Häuser der Mitarbeiter, die ihr Haus mit der großen Hilfe des Betriebes bauen konnten und heute in der Regel ihren Lebensabend dort in relativer Sicherheit verbringen können. Alles aber, was wir gesehen haben, diente und dient heute der Gesellschaft, ohne dass es noch groß zur Kenntnis genommen wird - es ist die Infrastruktur. Das alles ist doch nicht von der Arbeiter- und Bauernmacht zum Selbstzweck, zur Beweihräucherung des Politbüros, der Regierung, sondern für die Menschen in den „verflossenen 40 Jahren“ geschaffen worden ist und nicht den Reichtum Einzelner erhöht, sondern in das Volksvermögen eingeflossen ist und das Leben aller Bürger irgendwie verbessert und beeinflusst hat.
Im Gefolge der Wende wurde das VEG durch die Treuhand aufgelöst und abgewickelt, d. h. die Färsen wurde an Gott und die Welt verkauft, die Gebäude sollten verschrottet werden - ein westdeutscher Käufer fing an und baute die Metallteile aus, der Schrottpreis war weltweit sehr hoch, verkaufte sie als Schrott und dann verlor er die "Lust", bis heute "still ruht der See" und keiner hat ihn belangt. Übrig blieb ein Ruinengelände mit vordringender Natur, kaputten Gebäuden und herumstehenden Fahrzeugen. Überall blieben wir stehen und G. konnte uns aus dem EFEF die frühere Anlage beschreiben.
So die klugen Überlegungen für den mehrstündigen Aufenthalt der Färsen zum Fressen in der Produktionshalle und der sich daran anschließende Aufenthalt in der „Ruhehalle“ in einem 24stündigen Rhythmus im betrieblichen Schichtsystem. Die Färsen standen auf Polsteruntergrund, die Fäkalien wurden regelmäßig abgeleitet, evtl. leichte Verschmutzungen von den beschäftigten Frauen gesäubert. Die Tiere konnten zwischenzeitlich auf ein kleineres Grüngelände gehen und zur Futterzeit nahmen sie selbständig i h r e n Platz ein – wer das nicht „beherrschte“ wurde sofort aussortiert, denn Unruhe konnte im Stall nicht gebraucht werden. Beim Rundgang mit meiner Frau und G. S., dem ehemaligen Betriebsleiter über die Riesenanlage, versuchte ich mich in die Gedankenwelt meines Freundes zu versetzen, als er uns die Teilgebäude erläuterte und wir die zerstörten Anlagen und die Natur sahen, die sich inzwischen in den 23 Jahren entwickelt hatte, weil alles so liegen geblieben war, wie es der "Käufer" hinterlassen hatte.
Jedes Gebäude dieser Riesenlageanlage war unter s e i n e r Verantwortung gebaut worden, Blumenrabatten später liebevoll von den Frauen des Betriebes freiwillig angelegt und gepflegt. War er verbittert? Ja, schon, weil sein Lebenswerk zerstört worden ist. Doch nicht so verbittert, dass er sich zurückgezogen hat und nur anklagt. Nein, er ist der aktive, energische, freundliche und verträgliche Mensch geblieben, der heute nebenbei als Rentner die Jagdgeschäfte seines Jagdpächters, eines sehr vermögenden und bekannten Reifenherstellers aus den alten Bundesländern führt und das zur großen Zufriedenheit dieses Mannes. Der wußte die Fähigkeiten von G. S. einzuschätzen und zu nutzen.
Eine große Frage bleibt. Mußte diese bedeutende Anlage durch die Treuhand abgewickelt werden? Das Argument, das Gebiet mit dieser Anlage kann nicht in einem Nationalpark existieren, der per Gesetz noch durch die letzte DDR- Regierung am 20. September 1990 geschaffen worden war, läßt aber auch die wirtschaftlichen Belange dieser Region völlig außer Acht. Dabei hat gerade dieser Betrieb Grundlegendes für die Erhaltung der Umwelt geschaffen.Sein Standort Müggenburg lag genau an der heutigen "Ausspargrenze" für die Orte Zingst und Prerow.
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