Planungsgruppe des Max-Plank-Institutes stellte EcoBus vor - Noch viele Fragen offen

Mit dem Smartphone wird der EcoBus gerufen.
 
Die Gastgeber der BI „Für Osterode“. v.l.n.r.: Pressesprecher Jon Döring, Klaus Richard Behling (2. Vors.) und Bernd Hausmann (1. Vors.).
Osterode (bj). Auf Einladung der BI „Für Osterode“ stellten die Wissenschaftler am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) Professor Dr. Stephan Herminghaus (Direktor) und Professor Dr. Marc Timme (Projektleiter) auf der Grundlage ihrer Mobilitätsforschung das Projekt EcoBus im Osteroder Stadthallenrestaurant Da Capo vor. Zu der Veranstaltung konnte der 1. Vorsitzende der BI „Für Osterode“ Bernd Hausmann unter anderem auch Dr. Ulrike Witt (Leiterin Projektbüro Südniedersachsen/Regionale Entwicklung) sowie vom Max-Plank-Institut die Pressereferentin Carolin Hoffrogge und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Levke Johanna Deutsch willkommen heißen.

Wie Bernd Hausmann gleich zu Beginn der Veranstaltung anmerkte, ist in der Bevölkerung der Eindruck entstanden, die BI „Für Osterode“ sei gegen den von der Stadt Osterode favorisierten EcoBus. Dies sei nicht der Fall, man habe lediglich Bedenken hinsichtlich der für das System entstehenden Folgekosten geäußert, deshalb habe man auch diese Informationsveranstaltung mit den Entwicklern des Systems organisiert.

Der EcoBus, so Max-Planck-Direktor Herminghaus soll ein nachhaltiges integriertes und öffentlich getragenes Mobilitätssystem für Land und Stadt werden, wobei die funktionierenden hochfrequentierten Linienkorridore ergänzt und so der klassische ÖPNV mit Bus- und Taxibetrieb insgesamt gestärkt werden soll. Als Betriebspartner sollen bestehende Verkehrsunternehmen der Region gewonnen werden. Fahrgäste des EcoBus, so Professor Dr. Stephan Herminghaus, rufen in ihrem Smartphone die EcoBus-App auf und verbinden sich mit dem EcoBus-Zentralrechner. Danach werden der Abfahrtsort, das Fahrziel und die gewünschte Abfahrtszeit eingegeben. Der Rechner stellt nun den nächstmöglichen EcoBus fest und teilt dem Fahrgast die mögliche Abfahrtszeit und die Ankunft am Zielort, einschließlich des Fahrpreises mit.

Das System EcoBus bleibt, so stellten die Vertreter der BI nach der Präsentation des Systems fest, ist in zwei Punkten einem Anruf-Bus zumindest ähnlich: der Wartezeit des Fahrgastes auf einen bestellten Bus, die Prof. Dr. Stephan Herminghaus mit 10-15 Minuten angibt sowie der Fahrtstreckenverlängerung durch mitfahrerbedingte Umwege, die nach seinen Auskünften eine um durchschnittlich 30% längere Fahrtdauer für die Fahrgäste ausmachen werden.

Diese Parameter (Wartezeit/Fahrtstrecke und -dauer) waren in der Vergangenheit große Hürden bei der Gewinnung von zusätzlichen Fahrgästen. Bisherige Systeme seien, so die Vertreter der BI, daran gescheitert, genügend Autofahrer, die fixe Kosten bei der Vorhaltung ihres Kfz ohnehin bezahlen müssen, auch wenn sie den ÖPNV nutzen, zum Umstieg in den Bus zu bewegen. EcoBus möchte dies durch einen konkurrenzlos günstigen Preis erreichen.

Um die Fahrpreise perspektivisch so niedrig zu halten, muss es gelingen, die Auslastung der Busse zu steigern. Nur so kann es EcoBus schaffen, bisherige Autofahrer zum Umstieg auf den Bus bewegen. Zur Bereitschaft dieser Zielgruppe liegen keine Erfahrungswerte und auch keine Erhebungen vor. Jon Döring zeigte sich skeptisch, wie tief man den Fahrpreis im Vergleich zu den Kosten eines privaten PKW senken müsse, um den Komfortverlust der Wartezeit und der längeren Fahrtdauer auszugleichen und genügend Fahrgäste zum Umstieg zu bewegen. Im ländlichen Raum stelle die Parkplatzsuche zumeist kein Problem dar, so dass für den Bus hier kein ausgleichender Zeitvorteil entstünde.

Bei älteren Fahrgästen, die zumeist nicht so technikaffin sind, kann das System Eco-Bus die Vorteile der technischen Konzeption zudem nicht voll ausspielen. Technisch sehen die Vertreter der BI das System als durchdacht an, es scheine sehr anwenderfreundlich konzipiert. Bernd Hausmann und seine Mitstreiter wünschten dem Team von Eco-Bus, dass sich bei einer Umsetzung genügend Fahrgäste gewinnen lassen.

Wann und ob die Region Osterode irgendeinmal von dem EcoBus bedient wird, liegt allerdings noch in weiter Ferne. Erste Pilotprojekte, so Professor Dr. Stephan Herminghaus, könnten 2016/17 starten, ob Osterode dabei sein wird ist ungewiss und wird von einer Kommission ausgewählt. Sollte Osterode ausgewählt werden, dann sehen die Planungen vor, dass zehn Kleinbusse zum Einsatz kommen, die je nach Wunsch und Bedarf der Fahrgäste auch bis nach Seesen, Clausthal-Zellerfeld, Herzberg und Bad Lauterberg fahren. Buslinien der Region, die heute nur eine geringe Resonanz haben, werden damit allerdings ihre Existenz verlieren.

Während sich Jon Döring von der technischen Lösung des EcoBus beeindruckt zeigte, brachte er allerdings Zweifel zum Ausdruck, ob das Vorhaben mit hauptamtlichen Fahrern der Busse auf Dauer kostendeckend zu realisieren sei. Ehrenamtlich solch ein Vorhaben mit zehn Kleinbussen zu stemmen, auch wenn sich 26 ehrenamtliche Fahrer für einen Bürgerbus gemeldet haben, gab sowohl Jon Döring, wie auch Klaus Richard Behling (2. Vors. BI Für Osterode“) keine Chance.

Fotos: Bernd Jackisch
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