Des Kaisers neue Kleider: Kursangebot der neuen VHS in Osterode drastisch reduziert

Des Kaisers neue Kleider: Jon Döring mit dem neuen und Bernd Hausmann mit einem alten Programmheft der Volkshochschulen
 
Des Kaisers neue Kleider: Jon Döring mit dem neuen und Bernd Hausmann mit einem alten Programmheft der Volkshochschulen vor der Osteroder Außenstelle der VHS Göttingen-Osterode
Osterode. Man kann es drehen und wenden wie man will: Wenn etwas hier Fahrt aufnimmt, dann ist es der Abbau von Kursangeboten in der Fläche“, kritisiert Klaus-Richard Behling von der Bürgerinitiative „Für Osterode“ e.V. das neue Kursprogramm der VHS Göttingen-Osterode gGmbH (VHS). Er bezieht sich dabei auf die aktuell im Harzkurier veröffentlichte Berichterstattung zur VHS, in der betont wurde, die Erwachsenenbildung nähme nach der Volkshochschulfusion Fahrt auf.

Ein Vergleich des Programmangebotes in Osterode bestätigt die vor der Fusion geäußerten Bedenken der BI, dass die Versorgung mit Bildung vor Ort unter die Räder geraten könnte. Bernd Hausmann betont: „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass das Kursangebot in Osterode innerhalb von zwei Jahren um mehr als die Hälfte zusammengestrichen wird. Das übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen.“

Noch zum Erscheinen des Kursprogrammes 2013/2014 freuten sich Rüdiger Brakel und sein Team, nahezu 400 Kurse im Landkreis Osterode anbieten zu können. Im aktuellen Programmheft der VHS werden in Osterode nur knapp mehr als 190 Kurse angeboten. „Vermutlich werden wir bald tolle Erfolgsmeldungen über die wirtschaftliche Gesundung der VHS bekommen. Aber jeder sollte wissen, dass diese durch einen Kahlschlag bei den Kursangeboten erreicht wird. Und dafür hätten wir keine Fusion mit Göttingen gebraucht“, so Bernd Hausmann weiter.

„Das Programmheft „Edition Osterode“ ist eine Mogelpackung. Es hat das gleiche Format wie früher: es stehen zwar über 300 Kurse drin, aber mehr als ein Drittel davon findet in Hann. Münden, Göttingen oder Duderstadt statt“, sagt Jon Döring von der BI, „im Bereich Pädagogik betrifft dies die Hälfte. Beim Themenkomplex Projekte und Beruf finden sich 41 Veranstaltungen, davon aber nur 17 im Landkreis Osterode. Und von den 61 Sprachkursen sind nur 37 in Osterode, 17 in Göttingen und sieben in Hann. Münden und Duderstadt. Im Vergleichszeitraum gab es noch rund 100 Sprachkursangebote im Kreis Osterode.“

„Allein der Blick auf diese Zahlen verrät, dass etwas nicht in Ordnung ist. Aber auch konzeptionell vermissen wir lokal bedeutsame Themen“, so Markus Lau von der BI, „wo sind vor Ort Niederländisch- und Dänisch-Sprachkurse für Hotel- und Gaststättenpersonal, wo ist ein Arabischkurs in Osterode im Hinblick auf die zunehmende Zahl der Flüchtlinge? Das Kursangebot Esperanto am Standort Herzberg ist auch verschwunden. Hier hätte man überlegen müssen, diese Veranstaltung durch gezieltes Marketing zu stärken, um das wichtige Alleinstellungsmerkmal der Stadt Herzberg als Esperanto-Stadt zu stützen. Nur welcher Göttinger interessiert sich schon für Herzberg?“

Personell zu kritisieren sei, offene Stellen an der neuen VHS nicht im Rahmen von Ausschreibungen, sondern durch Hinterzimmerentscheidungen zu vergeben. Die BI hatte moniert, dass die Stelle des VHS-Leiters nicht ausgeschrieben, sondern einfach mit dem Göttinger VHS-Leiter Thomas Eberwien besetzt worden war. Aber schon seine vorherige Stelle als Leiter der VHS im Wetteraukreis in Hessen hatte Eberwien nicht ganz unbelastet antreten können. In dem Bericht der dortigen Lokalzeitung zu seinem Wechsel war auch von "Turbulenzen" in Witten, einer weiteren beruflichen Station Eberwiens, die Rede. Zitiert wurde aus einem Brief von drei Fachbereichsleitern der Wittener VHS zur Personalführung Eberwiens: "Wir leiden wie die Hunde".

In dem Brief wurde, so berichtete damals die WAZ, Eberwien die mangelnde Einbindung von Mitarbeitern vorgeworfen. Sie würden untereinander ausgespielt. Außerdem klagte man über mangelnde Präsenz des Direktors mit den Worten: "Uns erscheint die periodisch praktizierte Leitung einer Volkshochschule per Mobiltelefon als nicht ausreichend." Eberwien hatte dies damals Presseberichten zufolge mit einer Sportverletzung begründet.

Bereits als Leiter der VHS im Wetteraukreis hatte Eberwien versucht, durch Einschränkungen im Kursangebot der VHS im Altkreis Büdingen Einsparungen zu erreichen und war vom schulpolitischen Sprecher der CDU, Gerd Gries, hierfür massiv kritisiert worden, wie die Frankfurter Rundschau berichtete.

Nach Ernennung Eberwiens zum Leiter der fusionierten VHS Göttingen-Osterode traten Steffi Turano und Jörg Hüddersen aus dem Osteroder VHS-Team zurück und verließen die Einrichtung, nun wurde auch die Leitungsstelle in Osterode mit einer Göttingerin besetzt.

„Vielleicht hätte man auch in Osterode qualifizierte Bewerberinnen oder Bewerber finden können“, wundert sich Klaus-Richard Behling. Dennoch hoffe man, dass sich in Zukunft der Abbau der Leistungen in Osterode nicht mit gleicher Geschwindigkeit fortsetzt wie bisher, und dass es gelingt, stärkere Harzer Akzente im Programm der VHS zu setzen.

„Wir haben Herrn Eberwien um genaue Zahlen zur Entwicklung der Kursangebote im Landkreis Osterode gebeten, um die Situation genauer zu analysieren“, so Jon Döring von der BI, „derzeit warten wir auf eine Antwort.“


16.09.2015
BI „Für Osterode“ e.V. 1.Vorsitzender Bernd Hausmann, Tel. (0 53 27) 46 03

www.für-osterode.de
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