Walzenmühle Delitzsch überarbeitet vom Besitzern

  Die Walzenmühle war das erste Fabrikgebäude der Stadt Delitzsch.
1875 bauten die Gebrüder Schaaf an der Halle-Sorauer Eisenbahnlinie eine Walzengetreidemühle und eine Wohnvilla.

Das ein Hektar große Areal umfasst eine 500 m² große Unternehmervilla, das Mühlengebäude mit ca. 5000 m², das 15m hohe Silo mit insgesamt 12 Silokammern und diverse Nebengebäude. Ursprünglich gehörte auch der nördlich gelegene Verladebahnhof zu dem Anwesen.

In dem Mühlengebäude wurde auf fünf Etagen Getreide mittels Walzenstühlen verarbeitet und gelagert.

Im Jahre 1877 kauft die Leipziger Bank auf Grund des kaufmännischen Konkurses der Gebrüder Schaaf das Grundstück. 1881 erwirbt Heinrich Bauer das Anwesen.
Er lässt das Silo errichten und erweitert die Unternehmervilla um den Anbau mit Wintergarten, Terrasse und Billardzimmer. Die Villa wurde im neoklassizistischen Stil erbaut, enthält aber im Innenbereich auch Elemente des Jugendstils. So wurde im Wohnzimmer der Familie Bauer eine Stuckdecke angebracht, die mit farblichen Ornamenten ausgestattet ist.

Die Maschinen des Mühlenbetriebes wurden per Dampf angetrieben.
An der rechten Außenwand des Silos ist noch das große Antriebsrad, welches den Transmissionsriemen bewegt hat, zu sehen.
Der Schornstein des Heizkellers wurde in den 60iger Jahren gesprengt.

Nach dem Tod von Heinrich Bauer im Jahr 1916 übernimmt dessen Sohn Hans Bauer den Mühlenbetrieb. Hans Bauer war bereits zu Lebzeiten seines Vaters Prokura erteilt wurden.
In der Walzenmühle wurde nur bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise um 1930 Korn gemahlen. Auf Grund der späten Umstellung von Dampfantrieb auf Strom war das Arbeiten nicht mehr wirtschaftlich und der Betrieb musste Konkurs anmelden. Im Jahr 1938 erlosch die Handelsgesellschaft.

Während des zweiten Weltkrieges war der Reichsarbeitsdienst in der Walzenmühle untergebracht. Die jungen Menschen arbeiteten im Objekt und haben im Speichergebäude gelebt. Der Speisesaal befand sich in der ersten Etage des Speichergebäudes und konnte über eine Treppe des Hofes erreicht werden

Nach dem Krieg wurde die VEAB in der Walzenmühle sesshaft. VEAB bedeutet Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb und bezeichnete Aufkaufstellen für die Erzeugnisse von Kleinbauern, die dort zwischen 1949 und 1951 eine bestimmte festgelegte Menge eigener Erzeugnisse, zumeist Obst und Gemüse, aber auch tierische Produkte, wie Eier und Geflügel abgeben mussten.

Die Gebäude der Walzenmühle dienten bis zur Wende überwiegend als Lagergebäude
und boten dem VEB Obst, Gemüse und Speisekartoffel sein Domizil, welcher die ehemalige Unternehmervilla als Bürogebäude nutzte.

Die Walzenmühle GmbH & Co. KG ist seit 1995 Inhaberin des Areals.
Heute bietet das Speichergebäudes Lager – und Gewerberäumen Platz. In der Villa sind Wohn- und Geschäftsräume integriert. Beide Objekte stehen Kaufinteressenten offen.

Das Silo öffnete bereits mehrmals zum Deutschen Mühlentag seine Tore. Besucher erhalten in Führungen einen Einblick in die Arbeitswelt einer Industriemühle. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.walzenmuehle.org.
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Dieter Goldmann aus Seelze | 11.04.2016 | 22:46  
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