Der Naumburger Fürstentag 1614 war ein Erfolg, da können wir auch einen G-8-Gipfel ausrichten!

Das Naumburger Rathaus.
Naumburg (Saale): Markt | Anfang Januar dieses Jahres ging die Nachricht durch die Massenmedien, dass sich das kleine Harzstädtchen Ilsenburg mit seinen knapp 10.000 Einwohnern als Veranstaltungsort für das G-8-Gipfeltreffen 2015 beworben hat. Dabei handelt es sich bekanntermaßen um ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Japans, Großbritanniens, Kanadas, Frankreichs, Italiens und Russlands, bei dem globale Themen und Probleme beraten werden.

Warum hat sich eigentlich Naumburg nicht um die Ausrichtung dieses Treffens beworben? Schließlich hat man hier Erfahrung mit solchen Gipfeltreffen, auch wenn die letzte derartige Veranstaltung in unserer Stadt Fürstentag hieß, nicht ganz die politische Bedeutung eines G-8-Gipfels hatte und nun schon 400 Jahre her ist. Ziel des damaligen Treffens war die Erneuerung der Erbverbrüderung Sachsens, Brandenburgs und Hessens, also die Bekräftigung der Regelungen zur gegenseitigen Erbfolge für den Fall, dass eines der Fürstenhäuser ausstarb.

Es war am Sonntag, dem 27. März 1614, als das Großereignis mit dem Einzug der ersten Teilnehmer des Fürstentages begann. In einem zeitgenössischem Bericht heißt es: „Den Sontag Oculi [1614] zogen eins Theil fürstliche Perschonen …, so zum Fürstentage vndt Eydt Verbrüderung sich betaget, in die Stadt ein.“ Es reisten an diesem Tage u. a. Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg mit seinen Brüdern Markgraf Johann Georg und Christian Wilhelm, dem Erzbischof von Magdeburg, sowie drei Landgrafen von Hessen an. Natürlich jeweils mit einem riesigem Gefolge. „Da zog es auf Rossen, in Himmelskutschen und Karreten zu allen Thoren ein, Kurfürsten und Herzoge, Grafen und Herrn, Hofleute und Junker, Pagen und Trabanten, Reisige und Dienerschaft, ein Troß den anderen an edlem Schmuck und Farbenglanz überbietend“ steht darüber an anderer Stelle geschrieben.

Am nächsten Tag folgte dann mit größtem Pomp der sächsische Kurfürst Johann Georg I. und sein Bruder August, der damalige Administrator von Naumburg. In einer achtspännigen Kutsche fuhren sie durch das Marientor und die Marienstraße in Naumburg ein, gefolgt von einem riesigen Tross.

Außer den Fürsten und ihren Frauen sollen es 39 Grafen, 128 andere Edelleute sowie ca. 2000 Bedienstete mit ca. 2500 Pferden gewesen sein, die in Naumburg zu Gast waren. Ungenannt blieb die Anzahl der Kutschen und Fuhrwerke aller Art. Man stelle sich die riesige logistische Aufgabe vor, die unsere Stadt mit ihren Einwohnern zu bewältigen hatte und man darf Zweifel anmelden, ob es heute möglich wäre, so ein Großereignis abzusichern!

Am Mittwoch, dem 30. März 1614, wurde im Rathaus der feierliche Akt der Erbverbrüderung der sächsischen, brandenburgischen und hessischen Fürstenhäuser vollzogen. Anschließend fand ein gemeinsamer feierlicher Gottesdienst in der Wenzelskirche statt, bei dem der kurfürstliche Oberhofprediger Dr. Matthias Hoe von Hoeneck, die Predigt hielt. Weitere feierliche Gottesdienste fanden hier auch am 1. und 3. April statt, bei denen die Dresdner Hofkapelle mit über 90 Musikern unter der Leitung des berühmten Komponisten und Kapellmeisters Michael Praetorius aufspielte. Die Musiker nahmen dabei in vier Chören Aufstellung, die an jeweils unterschiedlichen Orten im Kirchenraum von St. Wenzel platziert wurden.

Am Abend des 30. März gaben der sächsische und einen Tag später der brandenburgische Kurfürst im Rathaus ein Festessen bei dem „das staunende Volk draußen auf dem Markt die leckeren, seltenen Speisen auf eitel Silber“ bewundern konnte, die von der Garküche zum Bankett getragen wurden.

Zwischen dem 4. und 6. April 1614 reisten die Fürsten samt Anhang ab „und auf den engen Gassen lag wieder die alte, friedliche Stille“ und wohl auch so mancher Müll, wie man sich sicherlich vorstellen kann.

Da Naumburg keine Bewerbung abgegeben hat, wird es wohl hier mit einem G-8-Gipfel nichts werden, wenngleich seine wirtschaftliche Bedeutung für unsere Stadt immens wäre. Wer aber den Fürstentag in Naumburg gern selbst erlebt hätte, bekommt in diesem Jahr die Gelegenheit dazu. Am 27. und 28. September 2014 soll dieses historische Großereignis der Naumburger Stadtgeschichte zu seinem 400. Jubiläum wiedererstehen. Das detaillierte Programm findet man unter http://www.hildebrandtorgel-naumburg.de/vorschau.h...
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Naumburger Tageblatt | Erschienen am 23.01.2014
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Frank Werner aus Wernigerode | 18.01.2014 | 18:18  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 18.01.2014 | 18:54  
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Constanze Matthes aus Naumburg (Saale) | 18.01.2014 | 20:17  
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Gerd Henschel aus Naumburg (Saale) | 19.01.2014 | 08:34  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 19.01.2014 | 09:01  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 19.01.2014 | 13:26  
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Gerd Henschel aus Naumburg (Saale) | 19.01.2014 | 17:40  
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