Naumburg (Saale): Herrenstraße | Geht man durch unsere Herrenstraße, so kann man an der Fassade des Hauses Nr. 3 (neben der Lorbeerbaum- Apotheke) eine Sphinx sehen, die Richtung Markt schaut. Bei dieser Figur stellen die Meisten von uns sicher eine Verbindung zu Ägypten her, umso mehr, als wir derzeit dem 200. Geburtstag von Karl Richard Lepsius gedenken, eines bedeutenden Sohnes unserer Stadt.
Karl Richard Lepsius wurde am 23. Dezember 1810 in der hiesigen Wenzelsstraße 39 geboren, besuchte 1823 bis 1829 die Landesschule in Pforta und studierte anschließend in Leipzig, Göttingen und Berlin Philologie und vergleichende Sprachwissenschaft. 1837 wurde er zum außerordentlichen Professor an die Friedrich- Wilhelms- Universität Berlin berufen und übernahm in dieser Eigenschaft die Leitung der von König Friedrich Wilhelm IV. ausgesandten Expedition nach Ägypten (1842–1846). Von dort brachte er so viele Fundstücke mit, dass das Königliche Museum mit einem Schlag zu einer der großen Sammlungen ägyptischer Altertümer wurde. In der ägyptischen Abteilung des Neuen Museums in Berlin sind diese altägyptischen Denkmäler noch heute zu sehen.
Lepsius wurde in Berlin schnell zu einer Berühmtheit bei dem gebildeten Publikum, das großes Interesse an seinen Forschungsergebnissen zeigte. Er lebte und arbeitete weiter in Berlin, wo er am 10. Juli 1884 starb.
Doch was hat Lepsius mit dem Haus Nr. 3 in unserer Herrenstraße zu tun? Im Naumburger Stadtarchiv kann man die von Karl Schöppe zusammen getragene Hausgeschichte lesen:
1826 wurde das Haus vom Kaufmann Krampf gekauft, der hier ein Materialwarengeschäft einrichtete. Später verkaufte er das Haus an den Bandagisten Gottlob Tuschner, von dem es 1836 sein Sohn Hermann Tuschner übernahm. Dieser betrieb dort eine Warmbadeanstalt. Das Materialwarengeschäft betrieben die Herren Sachtler und Glück weiter. 1875 übernahm der Kaufmann Hermann Tuschner das Haus seines Vaters und gleichzeitig das Materialwarengeschäft. 1883 fand schließlich ein größerer Umbau des Hauses statt.
Daraus kann man ersehen, dass es scheinbar keinerlei Verbindung zwischen Lepsius und dem Haus in der Herrenstraße gibt. Auch über die Sphinx liegen im Stadtarchiv keine Informationen vor.
Also bleibt uns nur zu spekulieren: vielleicht wurde die Sphinx im Rahmen des Umbaues 1883 angebracht, vielleicht kannte Herrmann Tuschner Karl Richard Lepsius bzw. seine Arbeiten, vielleicht war er davon so beeindruckt, das er die Sphinx anbringen ließ?
Vermutlich werden wir es nie erfahren, oder wissen Sie mehr?
Wenn man dieses Haus genau anschaut, ist es zwei Stilepochen zuzuschreiben.
Die erste aus der Erbauungszeit ist der Klassizismus. Das schlichte Gebälk unter der Sphinx und die Sphinx selber als ein typisches Zierelement des Klassizismus deuten neben der schlichten Fenstergestaltung darauf hin.
Der Klassizismus hatte besonders nach dem Feldzug Napoleons in Ägypten auf solche agyptischen Stilelemente zurückegriffen. Man kann einmal zugehörige Kunstführer oder Bildbände anschauen.
Das ähnliche Gebälk in dieser Art taucht übrigens auch am Theaterplatz (Notar Seeger) und am Reussenplatz (Fahnengeschäft) auf. Wahrscheinlich der gleiche Baumeister?
Die zweite Stilepoche ist der Umbau des Erdgeschoss-Ladens im Stil des Neobarock um 1883. Leider ist der Fenstersturz des linken Fensters gebrochen, was zu erheblichen Rissbildungen an der ganzen Fassade führte. Hier muss dringen etwas gemacht werden.
Ein sehr aufschlussreicher Beitrag. Das die Fam. Tuschner mit den Haus so verwurzelt ist, haben ich nicht gewusst. Vor etwa 20Jahren habe ich die Werkstatt von Herrn Tuschner ausgeräumt und anderen viele Installations- Gerätschaften und ein SR2 geschenkt bekommen. Da werden Erinnerungen an eine die nette Frau Tuschner wach.
Beim nächsten Naumburgbesuch werde ich bewußt auf die Fassade schauen, danke für den informativen Bericht. Mein heutiger Beitrag wandelt übrigens auch auf LEPSIUS´s Spuren, aber im Sudan. Vielleicht hast du mal Zeit zum Reinschauen. ;0)
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