Carrie-Das Musical. Geht das und muss das sein?

Carrie nach der Tragödie
 
Carrie- das schüchterne Mädchen. Bild mit Genehmigung vom Theater Minden (Foto: Theater Minden)
Minden: Stadttheater Minden |

Ein Besuch im Theater beantwortet alle Fragen

Soll man wirklich aus allem ein Musical machen? Diese Frage wurde einer Bekannten von mir auf Facebook gestellt, als sie ihren Besuch im Stadttheater Minden ankündigte. Auch ich stelle mir öfter diese Frage, wenn ich lese, dass es ein neues Musical gibt, nachdem Buch, TV-Film und diverse Hörspiel-CDs sich als ertragreich erwiesen haben. Als Fan von Stephen King, der den Horrorklassiker „Carrie“ schrieb und 1974 veröffentlicht wurde, war ich gespannt darauf, ob dieses Stück mich mitreißen würde. 1988 wurde es am Broadway aufgeführt und floppte nach nur fünf Vorstellungen. Nun wagte sich Prof. Sascha Wienhausen mit dem Institut für Musik der Hochschule Osnabrück in deutscher Erstaufführung an das Stück. Zwei Aufführungen waren in Minden, zwei werden noch in Osnabrück folgen. Ich hatte mich für den zweiten Termin in Minden am Sonntag, den 26. 10.2014 entschieden. Leider! Wäre ich Samstag schon in der Vorstellung gewesen, hätte ich Sonntag noch einmal gehen können; so begeistert hat mich die Aufführung. Die Vorstellung war mit vielen jungen Zuschauern gefüllt und die Lautstärke im Saal ungewöhnlich hoch. Von Nuria Mundry (die „Sue Snell“ spielte und eine der wenigen Überlebenden in dem Stück ist) nahm auf der Bühne beim Einlass kaum einer Notiz. Man sah sie leicht panisch mit wirrem Blick Zettel schreiben. Das Musical beginnt praktisch am Ende: beim polizeilichen Verhör berichtet „Sue Snell“, was vor der Tragödie passiert ist und wie alles um „Carrie White“ (gespielt von einer grandiosen Isabel Waltsgott) immer schlimmer wurde.
Schon nach wenigen Minuten waren auch die Jugendlichen im Theater still. Vielleicht gedanklich an ihrer eigenen Schule und mit Parallelen Im Kopf zu dem Stück, was sie gerade sahen.
- „Carrie“, 16 Jahre alt, bekommt nach dem Sportunterricht ihre erste Regelblutung. Von ihrer Mutter, einer religiösen Fanatikerin, nicht aufgeklärt, wird sie zum Gespött ihrer Mitschülerinnen. Anstatt von der alleinerziehenden Mutter Trost und Hilfe zu bekommen, wird sie kalt abgewiesen und soll Buße tun, da die Reifung zur Frau Sünde sei. „Carrie“ entdeckt ihre telekinetischen Fähigkeiten, die aber in dieser Bühnenfassung bis zum Ende gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. Mobbing durch Mitschüler und Lehrer, die nicht wirklich wissen, wie sie damit umgehen sollen, machen das Stück leider sehr aktuell. Auch die Mutter ist überfordert mit ihrer jetzigen Situation und sucht für sich die Hilfe in der Religion. Sie liebt ihre Tochter „Carrie“ und will sie eigentlich nur davor behüten, was ihr selber widerfahren ist. Als „Carrie“ zum Schulabschlussball eingeladen wird und auch gehen will, um endlich einmal so zu sein wie alle anderen Mädchen in ihrem Alter, erfährt man von der Vergangenheit der Mutter. Und was für „Carrie“ dann der bislang schönste Moment im Leben werden soll, wird zur riesigen Katastrophe für die gesamte Stadt. -
Mobbing, Liebe, Erwachsen werden, überforderte Lehrer und Eltern, Rache, Verletztheit, Religion und die Frage was passiert, wenn ich jemanden ausgrenze, sind einige Schlagwörter der Geschichte des Musicals. Gespielt von einer Cast, die fantastisch ist und einem mehr als einmal Gänsehaut verursacht und einer Musik, die das Ganze wunderbar untermalt. Nicht nur das Musical ist etwas ganz Besonderes, auch das Programmheft ist anders als alle anderen, die ich besitze. Am 14.11. und 03.12.2014 gibt es noch in Osnabrück weitere Aufführungen. Hoffentlich wird es noch weitere Termine im nächsten Jahr geben, denn dieses Stück ist es wert, gesehen zu werden!
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