Ein Vater bereut.........

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Mein verst.Bruder als Kind ! -----------------------------------Die Überschrift hatte meine Mutter mal ins Album geschrieben!
Höre, mein Sohn: " Ich sage das, während du da liegst und schläfst, eine kleine Hand unter deine Wange geschoben und die blonden Locken feucht an die erhitzte Stirn geklebt.

Ich habe mich allein in dein Zimmer geschlichen.
Nur ein paar Minuten zuvor, als ich die Zeitung lesend im Wohnzimmer saß, überlief mich plötzlich ein Schauer der Reue.
Schuldbewußt kam ich an dein Bett.
Das wars , was mir durch den Kopf ging, mein Sohn,--
Ich war häßlich zu Dir,
ich habe Dich gescholten, als du dich für die Schule fertig machtest,
weil du nur mit einem nassen Handtuch übers Gesicht gefahren bist.
Ich stellte dich zur Rede, weil du meine Schuhe nicht geputzt hattest.
Ich fuhr dich ärgerlich an, als du dein Spielzeug auf den Boden geworfen hast.
Beim Frühstück hatte ich schon wieder etwas an dir auszusetzen.
Du hattest deine Milch verschüttet, deine Ellenbogen auf den Tisch gestützt.
Und als du zum spielen davongelaufen bist, und ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte, hast du dich umgedreht, und mir zugewinkt und gerufen:" Auf Wiedersehen Vati!"----
und ich runzelte die Brauen und rief zurück:" Halt dich gerade!"
"Nimm die Schultern zurück!"

Dann am späten Nachmittag, fing diese Schulmeisterei wieder von vorne an.

Als ich heim kam, sah ich dich, wie du kniend mit Murmeln gespielt hast.
Es war ein Loch in deinen Strümpfen.
Ich demütigte dich vor deinen Spielkameraden ,in dem ich dich vor mir her nach Hause marschieren ließ.
Strümpfe sind teuer,gab ich dir zu verstehen, und wenn du sie selbst kaufen müßtest würdest du achtsamer sein.

Als ich dann später mit meiner Zeitung dasaß und du hereinkamst, mit schüchternem Blick, und ich aufschaute,
verärgert über die Unterbrechung,
hast du-----erinnerst du dich noch???------
an der Türe gezaudert.
"Was willst du denn?"
schnaubte ich.
Du hast nichts gesagt, bist nur in einem stürmischen Anlauf auf mich zugerannt und hast die Arme um meinen Hals gelegt und mich geküßt----
und deine dünnen Ärmchen schlossen sich mit einer Liebe um mich,
die Gott als Samen in dein Herz gelegt hat und die selbst Vernachlässigung nicht zum Verdorren bringen kann.

Und dann warst du weg, die Treppe hinauf.
Nun mein Sohn, es war bald nachher, daß mir die Zeitung aus den Händen glitt und eine beengende Angst mich überkam.

Was hatte die Gewohnheit aus mir gemacht?

Die Gewohnheit einen Fehler zu entdecken, zu tadeln----das war mein Lohn für dich dafür, daß du ein so lieber Junge bist.

Nicht, daß ich dich nicht genug lieb gehabt hätte, ich verlangte nur zuviel von der Jugend.
Ich habe dich mit dem Meterstab meiner eigenen Jahre gemessen.
Und es gibt so viel, was gut, edelmütig und echt in deinem Charakter ist.
Dein kleines Herz ist so groß und weit.

Du hast mir das durch deinen jähen Trieb gezeigt, hereinzustürzen und mir einen Gutenachtkuß zu geben. Nichts anderes soll heute Abend zählen, mein Sohn.

In der Dunkelheit bin ich beschämt an dein Bett gekommen.
Es ist eine geringe Buße, ich wußte, daß du diese Dinge nicht begreifen würdest, wenn ich sie dir während deiner wachen Stunden erzählte.
Aber morgen werde ich ein richtiger Vati sein!


Ich will mit dir herumtollen und leiden, wenn du leidest,
und lachen wenn du lachst.
Ich will mir auf die Zunge beißen, wenn ungeduldige Worte kommen.
Ich will mir immer vorsagen:
"Er ist ja nur ein Junge-----
ein kleiner Junge!"

Ich fürchte, ich habe dich als Mann angesehen und nun, wie ich dich jetzt betrachte, mein Sohn,
zusammengerollt in deinem Bettchen, sehe ich, daß du noch ein Kind bist.

Gestern noch lagst du deiner Mutter im Arm, deinen Kopf an ihrer Schulter.

Ich habe zuviel verlangt, einfach zuviel.



(Verfasser unbekannt)
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Gundu la aus Mannheim | 21.04.2014 | 23:35  
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 22.04.2014 | 00:12  
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Gundu la aus Mannheim | 01.05.2014 | 14:20  
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