Mit Gisela an der Ostsee - Träumereien vom Badeleben Anno Dazumal.....

Ich sitze hier im Foyer des Morada Strandhotels in Kühlungsborn und träume so vor mich hin. Die Bilder an den Wänden lassen mich in eine längst vergangene Zeit gleiten.
 
Ich sehe vor mir das Badeleben anno dazumal hier an der Ostseeküste. Nicht nur an die Ostseeküste, nein auch an der Nordseeküste machten früher die Adligen und Reichen ihre Sommerfrische.
Kühlungsborn: ... | Ich sitze hier im Foyer des Morada Strandhotels in Kühlungsborn und träume so vor mich hin. Die Bilder an den Wänden lassen mich in eine längst vergangene Zeit gleiten.

Ich sehe vor mir das Badeleben anno dazumal hier an der Ostseeküste. Nicht nur an die Ostseeküste, nein auch an der Nordseeküste machten früher die Adligen und Reichen ihre Sommerfrische.

Meine Oma hatte bei einem jüdischen Ehepaar als Kindermädchen gearbeitet. Wenn die Familie im Sommer ans Meer fuhr, musste meine Oma auch mit und die Kinder hüten. Ich fragte öfter wo am Meer sie denn gewesen wäre, aber meine Oma meinte immer nur „Am Meer eben“. Aber vom Badeleben aus jener Zeit wusste sie noch viel zu erzählen:

„In jener Zeit von 1902 bis 1906 fuhr ich immer mit meiner Dienstherrschaft im Sommer ans Meer. Das Badeleben war schon gut entwickelt aber die Sitten und auch die Bademoden waren sehr streng. Es gab ein Damenbad und ein Herrenbad. Das Damenbad lag außerhalb des Ortes und schon von Weitem standen viele Warntafeln mit „Halt“ Damenbad“ darauf geschrieben. Auch stand noch ein alter Wächter da, der die neugierigen Herren vertrieb. Am Strand selbst standen mehrere Badekarren auf hohen Rädern, wo man sich umziehen konnte. In den Karren gab es Gardinen an den Fenstern, die man zuziehen konnte. Erst wenn die Fenster dicht waren, ließ man die Kleider fallen und zog das Badekleid an. Das hatte Rüschen und Schleifen vom Fuß bis zum Hals. Auf dem Kopf trugen wir eine Art Hut mit Bändern und Federn. Braun werden war verpönt. Damals galt die vornehme Blässe, deshalb ging keine Dame ohne einen kleinen, seidenen Sonnenschirm ins Freie. Auch nicht beim baden.

Wenn wir dann so gerüstet waren, zogen wir eine rote Fahne hoch. Damit wurde bedeutet: „Nun man los!“ Der alte Badewärter war halb blind und für das Damenbad eingesetzt. Er kam nachdem er die rote Fahne gesehen hat mit seinem Pferd, spannte es vor den Karren und zog diesen dann mitsamt der Dame in das Wasser. Er fuhr soweit hinaus, dass die hohen Räder halb untergetaucht waren. Dann war der Badewärter aber flucks weg, denn jetzt ging es richtig zum „Baden“!
Vorsichtig wurde die Karrentür geöffnet. Wenn wir aus dem Karren kamen, ging eine Jalousie herunter, damit wir auch zur Seeseite gegen neugierige Blicke gesichert waren.

Nach dem Bade ging es wieder zum Ankleiden zurück in den Karren und die rote Fahne wurde wieder hochgezogen. Der Badewärter zog mit dem Pferd den Karren zurück an Land.

Im Herrenbad, welches weit entfernt war, ging es genauso zu".

Allerdings gab es auch schon Badende, die in den Augen meiner Oma verdorben waren. Sie badeten damals an völlig menschenleeren, abseits liegenden Strandabschnitten völlig nackt. „Nein, nein“ sagte dann meine Oma immer, „wie Sodom und Gomorra“.

Gemeinsam baden beider Geschlechter war verboten bis zum Beginn der 1920er Jahre.

In den 1830er Jahren war der Zeitpunkt, als viele mondäne Seebäder an der Ostseeküste entstanden. Überwiegend wurden sie aufgesucht wegen der Heilwirkung der Luft durch das Zusammenspiel mit dem Wasser. Es waren also reine Luftkurorte. Die meisten Kurgäste blieben aber damals am Strand und flanierten modisch gekleidet mit Hüten und Kappen auf den Promenaden auf und ab. Sehen und gesehen werden war damals schon die Devise.

Die Bademode der 1860er Jahre sah noch so aus: ein Beinkleid und Bluse aus schwarzen dichtem Stoff. Auf dem Kopf ein Netzhäubchen.

Ende der 1860er Jahre wurde zum ersten Mal über einen Badeanzug für Damen berichtet. Er hatte aber keine lange Lebenszeit, da er nicht wasserbeständig war.

Die Badekleider wurden mit der Zeit immer bunter, verspielter und aufwendiger. Um 1900 kamen dann die Streifen in Mode.

1906 sollte das Badekleid der Damen einfach aber elegant sein. Alle Badekostüme hatten eine Hose mit passender Jacke und zudem noch verziert mit Stickereien und Bordüren. Auch oft mit Gürtel die Taille betonend.

1908 kam dann der „Badesack“ in Mode.

1910 entstanden dann die ersten Badeanzüge.

Nach dem ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren, es waren die „Goldenen Jahre“ was die Lebenslust und Geselligkeit betraf, wurde auch bei der Bademode wieder Farbe gezeigt. Der Einteiler war sehr populär in den 1920er Jahren. In den „Wilden Zwanzigern“ wurde die Bademode immer freizügiger. Dies war dem prüden Bürgertum ein Dorn im Auge. Sie sahen die Moral gefährdet.

Hihihi, 1932 kam dann der Zwickelerlass, wo festgelegt wurde, welche Körperteile beim Baden zu verhüllen sind.

Heute sieht das Badeleben ganz anders aus.

Hier im Morada Strandhotel wird man wieder in die "Gute alte Zeit" zurückversetzt und fühlt sich wie früher der Hochadel in der Sommerfrische – einfach nur luxuriös und wie im Himmel!
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 22.12.2014 | 06:16  
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