Die mitteldeutsche Pfefferminzstadt Kölleda. Von Maxi Herta Altrogge und Christoph Altrogge. (Last Update 10. 01. 16)

Kölleda, Marktplatz mit Rathaus und Wippertus-Kirche (Im Hintergrund Taubenmarkt.). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Marktplatz, neben Frisör (1964). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt, Taubenmarkt (Im Besitz der Künstlerin befindet sich nur noch diese Schwarz-Weiß-Fotografie, die mit einer dem damaligen Stand der Technik entsprechenden Kamera angefertigt wurde.). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt mit Rathaus (1980). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt mit ehemaligem Teppichgeschäft Voigt (1980). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt, Blick Richtung Berufsschule, Roßplatz und Bäckergasse (1992). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt (1992). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt (1992). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt mit Markttag (1992). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt (Ecke Hundtgasse). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Hundtgasse. Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Hundtgasse. Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Scheunen neben der Hundtgasse. Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Markt (Eingang Mühlgasse). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, ehemals "Neue Schule". Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Mühlgasse (1964). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Mühlgasse, erste und einzige Radierung der Künstlerin auf Plexiglas (1965). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Mühlgasse (1992). Von Maxi Herta Altrogge.
 
Kölleda, Mühlgasse (1992). Von Maxi Herta Altrogge.
18 Pastelle im Format A 3, 75 Zeichnungen auf Format A 4 (Auswahl aus insgesamt 150 Zeichnungen), 2 Ölgemälde und 1 Plexiglas-Radierung.
Geschaffen von der in Kölleda geborenen und heute in Wien lebenden Künstlerin Maxi Herta Altrogge.
Texte: Christoph Altrogge


Geschichte von Kölleda

Jungsteinzeit:

Wie zahlreiche Funde beweisen, war das Gebiet um Kölleda bereits zur Zeit der Urgesellschaft besiedelt. So sind im Heimatmuseum unter anderem Pfeilspitzen aus der jüngeren Steinzeit und reichhaltiges Material aus der Brandkeramiker- und Schnurkeramikerzeit zu sehen.

1. bis 4. Jahrhundert:

Wie Grabbeigaben aus etwa 30 Bestattungsstätten der näheren Umgebung beweisen, erfuhren während der römischen Kaiserzeit in der Region Handwerk und Tauschhandel rege Blüte.

531:

Europapolitische Weichenstellungen in der näheren Umgebung der Stadt. In der Schlacht an der Unstrut besiegen die merowingischen Franken die Thüringer Armee. Ob dabei auch Sachsen teilnahmen, ist umstritten. Durch Flucht, Deportation und Mord (Herminafrid 534 in Zülpich) fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Das Königreich Thüringen wird zerschlagen und dem Frankenreich einverleibt. Widukind von Corvey erwähnt Burgscheidungen als Schlachtort. Dies ist aber zweifelhaft, da archäologische Grabungen bisher keinen Anhalt dafür liefern konnten.
Auch auf Collide hat dies Auswirkungen. Die Gegend um die Stadt wird Bestandteil des fränkischen Gaues Enzilin. In dieser Zeit erfolgt die endgültige Feudalisierung, verbunden mit der Christianisierung der ehemals freien Bauern.

7. Jahrhundert:

Im Großraum Erfurt, zu dem auch Kölleda gehört, erscheinen angelsächsische christliche Missionare. Allen voran Killian (Kyllena), welcher mit seinen Gefährten von Würzburg her über Hersfeld in die Region vordrang.
Ihm folgten später Bonifatius und Wigbert.
Dem Wirken dieser Männer dürfte es zuzuschreiben sein, dass die später verfallene Peter-und-Pauls-Kirche gebaut worden ist, welche schon frühzeitig (802) eine besondere Bedeutung und Reichtümer besaß.
Die allerersten irischen Missionare vertraten übrigens eine Art Urkirchen-Christentum. Welches vom Primat des Bischofs von Rom weit entfernt war. Erst unter Bonifatius änderte sich das.

786:

Das Dorf Collide wird im Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld, einer Reichsabtei, erstmalig erwähnt. In der Heimatgeschichtsschreibung ist das Buch bekannt als das "Brevarium Lulli", benannt nach dem Mönch Lullus.
Das Kloster Hersfeld besaß äußerst umfangreiche Güter auf heutigem Thüringer Boden. So werden durch besagten Mönch für 786 gleich eine ganze Reihe von Orten zwischen Unstrut und Saale genannt, darunter auch "Collide".
(Von Prof. Dr. K. Stuhl aus Würzburg ist die abweichende Schreibweise "Kulidi" überliefert.)

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802:

+ Das Kloster Hersfeld erhält Ländereien um Collide und später die Herrschaft über den Ort.
Später erfolgte die Verwaltung durch die Grafen von Beichlingen.
+ Die später verfallene Peter-und-Paulskirche, welche schon frühzeitig eine besondere Bedeutung und Reichtümer besaß, wird schriftlich erwähnt.

1005:

Ein Graf Günther übereignet dem Kloster Hersfeld Güter und Rechte in Collithe.
(Von Prof. Dr. K. Stuhl aus Würzburg ist die abweichende Schreibweise "Cöllithi" überliefert.)

1195:

Vinnold von Kullide erstmals urkundlich erwähnt. Dieses Rittergeschlecht benannte sich nach dem Ort.

13. Jahrhundert:

Bis zum 13. Jahrhundert entwickelt sich Kölleda immer mehr zu einem bedeutenden Marktflecken. Begünstigt sicherlich durch einige damals bedeutende Verkehrswege, so etwa Erfurt-Eisleben und Artern-Naumburg. Zu dieser Zeit waren die Grafen von Beichlingen bereits die obersten Herren der Stadt.

1271:

Erstmalige urkundliche Erwähnung der Kölledaer Münze. Das Münzrecht teilen sich die Grafen von Beichlingen mit den Äbten von Hersfeld. Jeder durfte eine Seite der Münzen prägen lassen.
Hersfeld hatte zwar im 11. Jahrhundert die Oberherrschaft über Kölleda erhalten. Typisch für die damalige feudale Zersplitterung war jedoch, dass mehrere geistliche und weltliche Feudalherren Rechte im Ort besaßen und die Einwohner verschiedenen Herren abgabenpflichtig waren.

1385:

In jenem Jahr erlosch das Geschlecht der Käfernburger Grafen, andere Schreibweise, Kevernburg, zeitgenössisch auch Keverburc, Keverenberc, Keverenberg, welches im Mittelalter im Kölledaer Raum reich begütert war.

1392:

Friedrich VI. Graf von Beichlingen erlässt eine Stadtordnung für Cölleda, die bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts gültig ist. Es war dies jedoch nicht gleichbedeutend mit einer formalen Verleihung des Stadtrechtes. Dieses Phänomen war damals gar nicht so selten. Ähnlich verhielt es sich etwa in Erfurt und anderen so genannten gewachsenen Städten. Die damalige Rechtsauffassung ging vermutlich dahin, dass mit der Stadtordnung eine de facto schon bestehende Tatsache nun auch juristisch bestätigt und anerkannt wurde.
Auszug aus der Stadtordnung von 1392: "Wir, Graf Friedrich von Gottes Gnaden zu Beichlingen ... beurkunden in diesem gegenwärtigen Briefe ..., daß wir ... unserer Stadt Cölleda Stadtrecht gegeben haben ... in solcher Weise wie die umliegenden Städte unseres Herrn, des Landgrafen zu Thüringen: Weimar, Weißensee und Buttstädt und anderen Städten zu Thüringen ..."
Die mit der Verleihung verbundenen Rechte der Bürger wurden in zwölf Punkten dargelegt. Diese waren unter anderem:
+ Es sollen jährlich zwölf Ratsleute gewählt werden, die der Herrschaft den Treueid zu schwören haben. Sie üben auch die niedere Gerichtsbarkeit aus. Die höhere Gerichtsbarkeit (Körperverletzung, Totschläge) behält sich der Graf vor.
+ Die Cölledaer Bürger erhalten das Recht, eigenes Bier und eigenen Wein auszuschenken. Dafür sind dem Grafen Abgaben zu zahlen.
+ Es dürfen sich die Bauern in den Besitzungen der Beichlinger Grafen in der Stadt ansiedeln, wenn vorher ein anderer ihr Land mit allen Verpflichtungen an Abgaben und Frondiensten übernommen hat.
Ein Passus am Schluss der Stadtordnung besagt: Sollte das Stadtrecht aus irgendeinem Grunde erlöschen oder in andere Hände übergehen, so müssten die Bürger den ihnen überlassenen "Keller unter dem Kaufhaus" dem Grafen zurückgeben.
Die Urkunde schließt mit dem Satz: "Damit alle diese vor- und nachbeschriebenen Rede Stücke und Artikel stets und ganz gehalten werden, hängen wir Graf Friedrich, Herr zu Beichlingen, unser Siegel wissentlich an diese öffentliche Urkunde, die gegeben ist nach Gottes Geburt im tausenddreihundertzweiundneunzigsten Jahre am Abend des St. Katharina, der heiligen Jungfrau."
Die oberste Lehnshoheit verbleibt jedoch bei Hersfeld.

1404:

Erstmalige urkundliche Erwähnung der Kirche St. Wipperti.

1482:

Durch den Tod des Thüringer Landgrafen Wilhelm III. (der Tapfere) fällt der gesamte Thüringer Besitz an die wettinischen Brüder Ernst und Albrecht in sächsischen Besitz.
So bleibt es bis 1815.

1518:

500 Menschen sterben an einer pestartigen Seuche.

1519:

Hans von Werthern erwirbt von Graf Adam von Beichlingen die Grafschaft Beichlingen und die Rechte für die Stadt. Die Herren von Werthern treten somit die Besitznachfolge der Beichlinger Grafen an.
Von den geistlichen Lehen war dabei die Vikarei der heiligen drei Könige im Kloster Kölleda ausgenommen. Sie blieb dem Grafen Adam von Beichlingen und seinen Erben vorbehalten.

1523:

Die Stadt gewährt einem entflohenen Mönch Unterschlupf, obwohl dieser steckbrieflich gesucht wird. Es handelt sich dabei um den Probst des Klosters Memleben. In Cölleda darf er mit Duldung oder sogar Unterstützung des Rates der Stadt den neuen evangelischen Glauben predigen.
Herzog Georg von Sachsen forderte daher in einem Brief vom 6. Mai 1523 an den Grafen von Werthern, "... Bürgermeister, Ratsherren, Schultheiß, Stadtschreiber, Schulmeister und sonstige Begünstigte des als Prediger aufgenommenen entlaufenen Mönches ..." in das Gefängnis einzuliefern.
Der Mönch wird jedoch gewarnt und kann fliehen.
Am 2. Juni verzichtet der Herzog allerdings auf das Gericht über die genannten Bürger. Er verlangt aber ausdrücklich vom Stadtherrn, eben dem Grafen von Werthern, eine Bestrafung der Schuldigen, zumal sie ihn nicht nur predigen ließen, sondern "ihn hatten laufen lassen", anstatt ihn festzunehmen, wie der Herzog befohlen hatte.
(Dr. Liebers, "Heimatkalender für den Kreis Eckartsberga", Seite 51)

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1524:

In Teilen des Deutschen Reiches bricht der Deutsche Bauernkrieg aus. Die politischen Unruhen greifen auch auf das Gebiet um Cölleda über. Einige bedeutsame Ereignisse des Krieges fanden in der näheren Umgebung statt. So wurden etwa bei Frankenhausen die Bauern 1525 von einem Fürstenheer entscheidend geschlagen. Im Turm der Wasserschloss-Festung Heldrungen wurde Thomas Müntzer eingekerkert und auf Befehl Graf Ernsts II. von Mansfeld im Beisein des Herzogs Georg des Bärtigen gefoltert. Müntzer schrieb dort auch seinen Abschiedsbrief an die Aufständischen, die er dabei zur Einstellung des Blutvergießens aufrief.

April 1525:

Als in jenem Monat die Bauern aus Thüringen in Massen zum Haufen strömten und Thomas Müntzer die Führung übernahm, waren auch die Bauern aus Cölleda dabei. Sie hatten Abgaben und Fronarbeit zu leisten. Vermutlich am 30. April stürmten sie das Kloster. Als Anführer werden Claus Schmitt, Hans Poss, Hans Stettler, Hans Beichling, Heinrich Sulz, Jakob Heidenreich und Kunz Reinbott genannt. Sehr wichtig ist, dass offensichtlich einige dieser Männer zur Stadtarmut gehörten, also kein oder sehr wenig Land besaßen.

2. Mai 1525:

Bauern aus Cölleda, Frohndorf, Beichlingen, Wiehe und anderen Dörfern ziehen vor die Schlösser von Wiehe und Beichlingen. Sie fordern eine Herabsetzung der Abgaben und der Fronarbeit und werden durch Zugeständnisse beschwichtigt. Die Herren waren in ihrer Furcht vor den Volksmassen zu solchen Zugeständnissen bereit, zumal sie von dem aus Hessen heranziehenden Söldnerheer der Fürsten den Sieg über die Bauern erhofften. Bei Frankenhausen trafen sich diese von Langensalza heranziehenden Truppen mit den von Eckartsberga anrückenden Söldnern des Herzog Georg.

5. Mai 1525:

Herzog Georg fordert in einem Brief an den Grafen Albrecht von Mansfeld, bei Mühlhausen, Erfurt, Frankenhausen, Kindelbrück, Cölleda, wo der Aufstand zuerst ausbrach, etliche Dörfer abzubrennen, bewaffnete Bauern auf dem Felde zu erstechen.

14. Mai 1525:

Das Heer der Fürsten im Bauernkrieg schlägt die eine ungünstige Stellung einnehmenden Bauern bei Frankenhausen vernichtend. Über 5.000 Bauern wurden vor allem auf der Flucht in die Stadt getötet, über 600 Gefangene gefoltert und ermordet.
Nach der Schlacht bei Frankenhausen erlässt Herzog Georg von Sachsen Befehle, wonach sämtliche Waffen abzugeben sind, die Dörfer die Namen der Aufständischen zu nennen haben und alles Geraubte zurückzugeben ist. Die Güter der Anführer sollen zur Hälfte konfisziert werden.
Cölleda hat 192 Hauswirte. Diese behaupten, niemand etwas genommen, keinem Menschen Schaden getan, zu niemand geschworen zu haben. Was sie dem Kloster zu Cölleda genommen haben, sei dem Kloster zu gut geschehen, es sei dasselbe auch alles inventiert. Urheber des Aufstandes wären: Claus Schmidt, Hans Poß, Hans Settler, Hans Beichling, Hans Wurme, Heinrich Sulz, Jacob Heidenreich, Kunz Reinbott und andere. Insgesamt Zwanzig, die alle geflohen sein sollen.
Cölleda wurde vom Herzog mit der damals ungeheuren Summe von 715 Gulden Strafgeld belegt. Zum Vergleich: Ein Knecht erhielt damals 5 Gulden Jahreslohn, ein Zimmermann 6 Gulden, ein Schweinehirt 2 Gulden. Diese Summe musste von 143 Bauern und Bürgern aufgebracht werden.
(Dr. Liebers, "Heimatkalender für den Landkreis Eckartsberga 1927", Seite 37)

12. Juni 1526:

Der Rat der Stadt entschuldigt sich beim Herzog Georg, der den Bürgern nach dem Sieg über die Bauern eine hohe Geldbuße auferlegt hatte: "… haben wir uns zusammen fügen müssen durch Leute ... die nichts zu verlieren gehabt".

1528:

Marktbrunnen erbaut.

1538:

126 Höfe – Scheunen und Ställe nicht mitgerechnet – brennen ab. Die Wippertikirche, das Rathaus und die Schule werden beschädigt.

1542:

Nach dem Tode des katholischen Landesherrn, Herzogs Georg am 24. April 1539, haben die Herren von Werthern die evangelische Religion angenommen. Damit wurde auch die Wippertikirche evangelisch. Zur Erinnerung daran ist eine Inschrift über die Sakristei der Wippertikirche gesetzt: V. D. M. I. Ac. 1542

1547:

Nach dem Schmalkaldischen Krieg zählt Cölleda zum albertinischen Kurfürstentum Sachsen.
Am 5. August ordnet Kurfürst Moritz die Einteilung des Kurfürstentums Sachsen in fünf Kreise, darunter den Thüringer Kreis, zu dem das Amt Eckartsberga und somit Cölleda gehört.

1553:

+ Backleber Tor erbaut.
+ Geraume Zeit nach Luthers Reformation ist in der Johannis- oder Klosterkirche noch katholischer Gottesdienst gehalten worden. Eine alte im Turmknopf gefundene Nachricht besagt: "Nach Christi Geburt 1553 wurde die Lutherische Lehre unter Kurfürst Aug. v. Sa. nach Absterben der Klostergeistlichen in dieser Kirche gepredigt von Mag. Ambrosius Sidelius, Pfarrherr und Senior u. Johann Schlotterus, Diaconus."
Demnach waren das die beiden ersten evangelischen Geistlichen von St. Johannis, während Johann Hebenstreit der erste evangelische Geistliche in St. Wipperti war.

1556:

+ Brückentor wird erbaut.

1563:

Johannistor wird erbaut.

1575:

Laut Kirchen-Matricul war Anna Wirsing, die Frau des Baccalaurius Jacob Wirsing, Lehrerin der Mädchenschule.
(Baccalaurius, auch Bakkalaureus geschrieben: Seit dem 13. Jahrhundert von den Artistenfakultäten der Universitäten verliehener, unterster akademischer Grad. {Artistenfakultät: Im Mittelalter die den höheren Fakultäten – Theologie, Jurisprudenz, Medizin – vorgeschaltete Fakultät der Artes liberales. Verlieh die Grade B.A. (baccalaureus artium} und M.A. {magister artium}. Aus ihr entwickelten sich die philosophischen Fakultäten.
Quelle: www.steinhaeusser.info/sda_anm.htm, Abruf vom 27. Juni 2011)

1583:

Der Röhrbrunnen am Markt wird mit einem Kostenaufwand von 3.285 Gulden erbaut. Das Wasser kommt aus einer Quelle in der Backleber Flur. Die erste Wasserleitung wird im Zuge dessen verlegt. Der Brunnen versorgt das Brauhaus und dient den am Markt gelegenen Häusern bei Feuersnöten.

1626:

1.000 Personen sterben an der Pest.

1627:

Nachdem die Pest überstanden war, wurden 88 Paare am Ort getraut.

1634:

Cölleda spürt erste Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges. Einquartierung kaiserlicher Truppen und Plünderungen.

19. April 1649:

Die Bürger ziehen unter Glockengeläut an die Flurgrenze zu Backleben und Großneuhausen und begrüßen den langersehnten Frieden nach dem Dreißigjährigen Krieg.

1663:

Christoph von Helbig (auch Hellwig geschrieben) wird in Cölleda als Sohn des Diaconus Caspar Helbig geboren. Kaiser Leopold I. erhob ihn wegen seiner zahlreichen Dichtungen geistlicher Lieder in den Adelsstand. Er starb als Doctor medic und Stadtphysikus 1721 in Tennstedt.
Er gelangte an das Manuskript eines kalendarischen Handbuches, welches der Zisterzienser-Abt Moritz Knauer 1650 als eifriger Astrologe erstellt hatte. Hellwig ließ diesen Kalender 1700 in Druck erscheinen. Dabei nahm er an, dass das Manuskript, welches eine Planetentafel seit 1600 enthielt, 100 Jahre alt sei. Hellwig änderte die Wetterbeobachtungen Knauers in Wettervorhersagen ab. Den Namen Knauers lässt er unerwähnt. So entstand der "100jährige Kalender".

1665:

Kurfürst Johann Georg von Sachsen stirbt. Es kommt zur Bildung der Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels, die den überwiegenden Teil des Thüringer Kreises erhält. Zu dem als Thüringer Landesportion bezeichneten Gebiet gehört vom Amt Eckartsberga auch Cölleda dazu.

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1683:

+ 64 Häuser brennen ab. Der Rat beschließt die Anschaffung einer Wasserspritze.
+ In der Cölledaer Flur wird ein Grab aus der Bronzezeit entdeckt.

1698:

132 Häuser brennen nieder, darunter das herrschaftliche Vorwerk (Rittergut), der Edelhof, das Amt- und Rathaus, Diakonat und Rektorat. Die Wippertikirche kann gerettet werden.

1699:

Das herrschaftliche Vorwerk und der Edelhof werden neu errichtet.

1702:

Das nunmehr dritte Cölledaer Rathaus wird erbaut.

1706:

Schwedische Truppen quartieren sich in der Stadt ein. Die Belagerung dauert ein Jahr an.

1719:

Pfarrer Oberländer lässt die erste Chronik über kirchliche Ereignisse in Cölleda drucken.

1724:

"Kurfürstlich-sächsisches" Postamt eingerichtet.

1728:

Am 18. Juni 1728 wird das Urteil am Ehepaar Assingen vollstreckt. Sie hinterlassen ein sieben Monate altes Kind.
Das Ehepaar Annen Catharinen und Jeremias Assingen planen den Mord an der Tante der Ehefrau, der Soldatenwitwe Juditha Wozuin. Das Ehepaar wohnt zur Miete bei ihr. Am 3. Dezember 1727 erschlägt Jeremias die Tante. Auf Anraten seiner Frau hängt er sie nachträglich auf. Bei der gerichtlichen Besichtigung werden die gewaltsamen Schläge gefunden. Die Tat kann nicht geleugnet werden. Er wird verurteilt zu Schleifung und Rad, sie zu Schleifung und Schwert.

1735:

In einer Scheune in der Auengasse bricht ein Brand aus. Auengasse, Krautgasse, Pfarre, Schule, Rektorat, die Häuser vom Krauttor bis zum Backleber Tor brennen nieder, insgesamt 58 Häuser.

1744:

Die neue Schule am Markt wird eingeweiht, nachdem die alte 1735 mit abgebrannt war.

16. Mai 1746:

Mit dem Tod Johann Adolf II. von Sachsen-Weißenfels an jenem Tag erlischt die Sekundogenitur Sachsen-Weißenfels. Cölleda fällt wieder an Kursachsen.

1755:

Eine Volkszählung meldet 1.334 Personen.

Um 1763:

Nach Ende des Siebenjährigen Krieges werden erste Anbauversuche der Kartoffel unternommen.

1771:

Cölleda hat etwa 1.900 Einwohner.

1780:

Der Stadtschreiber Kürbs macht sich um die Obstbaumpflanzung und den Hopfenanbau am Stadtgraben und im Geböse verdient.

1786:

Der Rat der Stadt verkauft die Klosterländereien, um die auf 19.000 Taler angewachsenen Schulden zu tilgen.

14. August 1795:

Nach kleineren Bränden in den Jahren 1760, 1763 und 1794 bricht um Viertel Elf an jenem Tag der größte Stadtbrand in der Geschichte Cölledas aus. 135 Häuser sowie 82 gefüllte Scheunen werden dabei vernichtet. Ein Mann von 80 Jahren und ein Kind von acht Jahren kommen in den Flammen um.
Über 100 Stück Vieh an Pferden, Kühen, Schweinen und Schafen werden ein Raub der Flammen. In Kannawurf fand man Asseln (Reste von verbranntem Stroh), bei der Commende Griefstedt entdeckte man halb verbrannte Blätter aus Cölledaer Schriften, in Etzleben Blätter aus Gesangbüchern, in Frohndorf Überreste von verbrannten Kleidungsstücken, Speckseiten …
Am Markt bleiben das Rathaus, die Wippertikirche und die Schule verschont.
Magister Salomo Gottlob Unger schildert die Geschichte der Stadt und des Brandunglücks in einem Buch, dessen Erlös den Brandopfern zu Gute kommt (Ungersche Chronik).

1798:

Christian Lehmann wird Bürgermeister. Er löst damit Johann Heinrich Döring ab.

1806:

+ Der Befehlshaber der bei Auerstedt geschlagenen preußischen Armee, der Herzog Ferdinand von Braunschweig, verbringt schwer verwundet auf dem Rückzug eine Nacht im Haus Roßplatz 39.
+ Am 11. September 1806 beschließen Frankreich und Sachsen den Vertrag von Posen.
Im Ergebnis daraus wird das Kurfürstentum Sachsen ein Königreich.

1813:

+ Am 24. Oktober, nach dem Sieg der Verbündeten in der Völkerschlacht bei Leipzig, rastet Feldmarschall Blücher auf dem Marktplatz.
+ Am 1. November werden 231 russische Dragoner, 2 Generäle, 2 Majore und 16 Offiziere einquartiert.
+ Am 2. und 3. November kommen vom Kaiserl. russischen Artillerie-Train 1 Major, 5 Offiziere, 243 Unteroffiziere und Gemeine nebst 486 Pferden hier zu stehen.
+ Den 4. und 5. November kommen vom Königlich preußischen Proviant-Fuhrwesen 186 Mann nebst 195 durch.
+ Am 6. November kommt Fürst Walpolsky mit 84 russischen Husaren.
Die vorrückenden Truppen begegnen den Zurückkehrenden.
+ Am 11. November werden 1.500 Franzosen, die am 26. Oktober in dem Treffen bei Eisenach zu Gefangenen gemacht worden waren, nachts im Schüttboden eingeschlossen. 3 Offiziere und 80 Kosaken bewachen den Transport.
+ Am 30. November werden 136 russische Ulanen einquartiert. Nach ihrem Abmarsch am 27. Dezember bleiben 10 Mann zurück.
+ Später kamen noch mehr Transporte durch die Stadt, die unter den Kontributionen zu leiden hatte.
+ In diesem Jahr belief sich die Zahl der Sterbefälle auf 157. Davon waren 61 Militärs.
Als Lazarett diente die Johanniskirche.

18. Mai 1815:

Die Königreiche Preußen und Sachsen schließen einen Friedens- und Freundschaftsvertrag. Sachsen muss unter anderem seine thüringischen Territorien an das Königreich Preußen abtreten. Somit kommt Cölleda zu Preußen. Der Rautenkranz wird durch den preußischen Adler als Staatswappen ersetzt.

1816:

+ Am 4. September 1816 wird der Regierungsbezirk Merseburg in zwei Stadt- und 15 Landkreise eingeteilt. Zum Landkreis Eckartsberga gehört unter anderem Cölleda.
+ Christoph Günther Graf wird als Bürgermeister Nachfolger von Christian Lehmann.

1824:

+ Cölleda wird zur Kreisstadt des neuen Kreises Eckartsberga.
+ Beginn des Anbaus medizinischer Kräuter, besonders Pfefferminze. Diesem sich schnell entwickelnden Gewerbe verdankte Cölleda sehr bald die Bezeichnung "Pfefferminzstadt". Der Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen spielte auch noch im beginnenden 21. Jahrhundert eine bescheidene Rolle.

1825:

Christian Hermann Haubold wird als Bürgermeister Nachfolger von Christoph Günther Graf.

1826:

Bei Steinbrucharbeiten am Zwiefachen Hügel stoßen die Arbeiter auf ein Skelett aus der frühen Eisenzeit.

1828:

Bis 1835 ist Friedrich Ludwig Jahn in der Verbannung in Cölleda.

1835:

Die vierte Escadron des königlich 12. Husarenregiments, welches seit 1818 hier stationiert ist, wird nach Merseburg versetzt. Daraufhin bittet der Magistrat in einem Brief an den König, das geplante Stadt- und Landgericht in Cölleda zu etablieren.

1837:

Schützenhaus erbaut.

1848:

+ 26. März 1848: Die Ereignisse der Bürgerlichen Revolution greifen auf Cölleda über. Bürgerwehreinheiten setzen sich gegenüber preußischem Militär durch und zwingen die Soldaten zum Rückzug aus der Stadt.
+ Am Sonntag, den 24. September findet eine große Volksversammlung auf dem Backleber Feld statt. Neuwahlen werden gefordert.

1849:

+ Bürgermeister Albrecht wird im April von der Stadtverordnetenversammlung, die ihn 1843 auf zwölf Jahre gewählt hatte, zum Rücktritt gezwungen.
+ Die Kalte Gasse wird gepflastert.

1850:

+ Die ersten Briefkästen werden angebracht.
+ Die Friedrichstraße wird gepflastert. (Anm.: Dieses historische Pflaster existierte noch, als ich die Stadt im Jahr 1992 verließ.)

1854:

+ Durch den Anschluss der öffentlichen Brunnen an ein Leitungsnetz wird die Wasserversorgung verbessert.
+ Der erste "Cölledaer Anzeiger" erscheint.

1857:

Errichtung der Kreissparkasse.

1862:

Die Stadt erhält ihre erste Straßenbeleuchtung durch Petroleumlampen.

1863:

In der Cölledaer Flur wird ein Grab der jüngeren Bronzezeit um 1000 v. Chr. gefunden.

2. November 1866:

In der Auenstraße, der späteren Prof.-Hofmann-Straße, in Cölleda kommt Prof. Fritz Hofmann zur Welt. Hofmann ist der Erfinder des synthetischen Kautschuks.

1872:

+ Die Polizeigewalt geht von den Grafen von Werthern an den Staat über.
+ Die Taubenmärkte für die Samstage im Februar werden eingeführt. Eine Tradition, die bis in die Gegenwart anhält.

1874:

+ Die Stadt wird an die Bahnstrecke Straußfurt – Großheringen angeschlossen. Aufschwung des Pfefferminzhandels mittels Pfefferminzbahn.
+ Anschluss an das Telegraphennetz.

1876:

+ Gründung des Verschönerungs-Vereines, der nach den Plänen des Gartenbau-Direktors Linné, Erfurt, die Anlagen auf dem ehemaligen Stadtgraben und am Roßplatz gestaltete.
+ Die Stadt erhält ein neues Statut über das Feuerlöschwesen.

1877:

Der erste Kindergarten wird im Gasthaus zur Post eingerichtet.

1878:

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

1879/80:

Errichtung des Kreishauses in der Salzstraße 6 als Sitz des Landrates des Kreises Eckartsberga. (In der Fachliteratur tauchte diesbezüglich allerdings auch die Jahreszahl 1884 auf.)

1880:

Die Kreissparkasse Cölleda siedelt ins Kreishaus in der Salzstraße 6 über. Sie wird dieses Domizil bis zum Ende des 20. Jahrhunderts behalten.

1881:

Postkutschenbetrieb wird eingestellt.

1890:

Anschluss der Brunnen an die neu gebaute Wasserleitung zur Backleber Quelle.

1892:

Feier des 500-jährigen Stadtrechtsjubiläums. Ein Gedenkstein am östlichen Ende der Nordseite der Dr.-Stockmann-Straße erinnert an dieses Jubiläum.

19./20. Jahrhundert:

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert lebte die Heimatdichterin Käthe Koppehele in Cölleda. Zu ihren bekanntesten Werken zählt ein Lied über ihre Heimatstadt unter dem Titel "Mein Cölleda".
Sie verlegte darüber hinaus noch einiges mehr, was heute allerdings als verschollen gilt.
Käthe war die Frau des Pfarrers Carl Hugo Koppehele, welcher von 1885 bis 1911 als Pfarrer in Cölleda wirkte. Er verstarb am 8. August 1911.
Das Ehepaar hatte einen Sohn, Wilhelm Koppehele. (Geboren am 27.Januar 1887.) Auch er wurde evangelischer Pfarrer.
Wilhelm Koppehele wiederum hatte sieben Kinder.

1900:

+ Am 1. Oktober wird das von der Firma Franke aus Bremen vor dem Johannistor errichtete Gaswerk in Betrieb genommen. (Der offizielle Firmenname lautete übrigens "Gas- & Elektrizitäts-Werke Kölleda AG".) Die vorhandenen 128 Anschlüsse versorgen: 413 Leuchtflammen, 29 Kocher, 3 Motoren und 71 Straßenlaternen.
+ Am 10. Oktober, zu Beginn des neuen Schuljahres, wird die neu erbaute Schule in der Mühlgasse eingeweiht. Cölleda verfügt somit nun über zwei Schulen.
+ In Cölleda werden 14 Telefonanschlüsse und eine öffentliche Sprechstelle eingerichtet.

1901:

Gründung der städtischen Sammlung durch Generaloberarzt Dr. Bruno Schwabe.

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1903:

+ Am 1. Oktober wird das neu errichtete Postgebäude in der Bahnhofstraße bezogen.
+ Zu den städtischen Gebäuden im Stadtgebiet zählen:
* Backleber Tor 3: Backlebertorgebäude,
* Entenplan 13: Schäfereigebäude,
* Erfurter Straße 5: Amtsgerichtsgefängnis,
* Friedrichstraße 1: Wellenscheune mit Wiegehaus,
* Hospitalstraße 4: Polizeigefängnis,
* Hospitalstraße 5: Armen- und Krankenhaus,
* Marktplatz 1: Rathaus,
* Marktplatz 2: Turm der St. Wippertikirche,
* Marktplatz 3: Altes Schulgebäude,
* Marktplatz 7: Stadthauptwache,
* Mühlgasse 1a: Neues Schulgebäude.

1908:

Krankenhaus erbaut.

1909:

Die Statistik verweist auf 601 Wohnhäuser, 10 andere Gebäude und 4 steuerfreie Gebäude. Man zählt 3.401 Einwohner.
In 200 Haushalten wird Vieh gehalten, insgesamt 254 Pferde, 625 Stück Rindvieh, 621 Schafe und 1.447 Schweine.

1910:

Otto Gaupner wird Stadtoberhaupt als Nachfolger von Bürgermeister Tänzel. Er bekleidet dieses Amt durch die schweren Kriegsjahre hindurch bis 1922.

1911:

+ Das Kinderheim, eine Stiftung der Brüder Karl und Fritz Feistkorn, wird errichtet.
+ Stadtmühle brennt ab.

1913:

Das von Otto Feistkorn gestiftete städtische Wannenbad wird übergeben.

Beginn 20. Jahrhundert:

Meine Großmutter hatte mir mal berichtet, dass sie als Kind zugesehen hatte, wie italienische Arbeiter die Straßen unserer Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Schlackestein-Pflaster wetterfest machten. Italienische Maurer und Pflasterer galten seit Jahrhunderten europaweit als Spezialisten für Arbeiten dieser Art.
Und ihre Mutter, also meine Urgroßmutter, Lina Einecke, war zusammen mit anderen Frauen für das Bekochen der Arbeiter zuständig. Lina Einecke war gelernte Köchin, ein Gewerbe, das sie damals teilweise in einer Form ausübte, die man heute Party-Service nennen würde.
Während meiner Kindheit waren noch nahezu alle Straßen unserer Stadt in den Bereichen, die bereits vor 1900 existierten, mit diesem Pflaster ausgekleidet. Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts begann man es dann aus verkehrstechnischen Gründen durch Asphalt zu ersetzen.
Persönliche Anekdote: Ich lebte von 1992 bis 2004 in der Stadt Retz in Niederösterreich, bevor ich dann nach Wien ging. In den Jahren 1995 bis 1997 wurde dort auf dem zentralen Platz der Stadt der Boden mit einer teils historischen und teils historisierenden Pflasterung, welche den Wunsch nach einer optisch gefälligen Mittelalteratmosphäre und die Anforderungen des modernen Straßenverkehrs miteinander in Einklang brachte, neu gestaltet. Auch wieder von italienischen Pflasterern. Ich habe also ein knappes Jahrhundert danach haargenau dasselbe wie meine Großmutter erlebt.

1914:

+ Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
+ Cölleda wird Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt durch den Bau der "Finne-Bahn".

1918:

Ende des Ersten Weltkrieges und Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches.

1923:

Höchststand der Inflation in Deutschland. Auch Cölleda bleibt davon nicht unbetroffen.

11. Oktober 1924:

Cölleda bekommt Elektrizität.

1927:

Die amtliche Schreibweise des Ortsnamens wird von Cölleda in Kölleda geändert.
Die in der Nähe gelegenen Ortschaften Kannawurf und Krawinkel gingen den Schritt in dieser Zeit übrigens auch.

1930:

Einrichtung eines Kreisheimatmuseums in den Kellerräumen des Kreishauses in der Salzstraße 6.

1933:

Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland.

1935:

+ Erster Spatenstich für die Siedlung am Brückentor. Das neu entstehende Stadtviertel wird im Volksmund von nun an "die Siedlung" genannt.
+ 29. Oktober 1935: "Entschließung über die Einrichtung eines Luftzeugamtes in Kölleda" durch die Ratsherren von Kölleda.
* Auszug aus der Beschlussvorlage: "Es handelt sich um eine größere Heereseinrichtung mit Flugplatz und Flugzeugwerkstätten. In dem Unternehmen sollen etwa 800 Arbeiter, 160 Angestellte und 300 bis 500 Militärpersonen beschäftigt werden."
* Das Reichsluftfahrtministerium hatte die Einrichtung eines Luftzeugamtes (LZA) Kölleda durch das Luftkreiskommando 3 genehmigt beziehungsweise beabsichtigt und erwartete eine sofortige Hilfe durch die Stadt.
* Ein großer Teil der benötigten Fläche von 450 Morgen (1,125 Quadratkilometer) wurde den Besitzern unentgeltlich abgenommen. Sie erhielten zum Ausgleich teilweise Landstücke aus dem Bestand des ehemaligen Rittergutes.

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1936:

+ 2. August 1936: Die Fliegergruppe Z (Zeugamt) feiert auf dem Gelände des Flugplatzes (Luftzeugamt) Kölleda Richtfest. 112 Gebäude wurden insgesamt gebaut.
Aufgaben des Luftzeugamtes Kölleda:
* Versorgung aller Bereiche mit Rohmaterialien, Halbfabrikaten, Instrumenten und Werkzeugen aller Art und für alle Handwerke.
* Einlagerung von Flugzeugteilen der Dorniertypen, einiger Motortypen und deren Ersatzteile.
* Kein Ausgangspunkt fliegender Verbände und derartiger Einsätze.
Personalbestand:
* 32 Offiziere und Beamte,
* etwa 230 Angestellte,
* über 2.000 Arbeiter,
* etwa 500 Unteroffiziere und Soldaten.
+ Kölleda wächst, die Siedlung am Brückentor, die Häuser im Bahnhofsviertel (heute Jahnplatz, Bebelstraße, Breitscheidstraße, Karl-Marx-Straße) sowie die Kasernen auf der Kiebitzhöhe werden gebaut. Kiebitzhöhe erhält einen Bahnhaltepunkt.

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1937:

+ Erste Planungen für den Bau einer Volkshochschule in Kölleda. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde dies allerdings zunichte gemacht.
+ Eine wissenschaftliche Grabung des Landesmuseums Halle deckt beim Bau der Siedlung am Brückentor die Spuren einer germanischen Siedlung aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten auf.

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1938/39:

Vermutlich ab diesem Zeitpunkt unterlag der Flugplatz (Luftzeugamt) Kölleda einer strengen Geheimhaltungsstufe.
Dies führte unter anderem dazu, dass Gebäude und Hallen ab diesem Zeitpunkt mit Netzen überspannt und mit Strauchwerk bepflanzt wurden.

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1941:

+ Bei Erdarbeiten in der Mühlgasse finden die Arbeiter eine 10,5 cm lange Nadel mit Kugelkopf aus der Bronzezeit.
+ 1. November 1941: Anlässlich des 75. Geburtstages des prominenten Chemikers Prof. Fritz Hofmann wird in Kölleda die Auenstraße, in der er seine früheste Kindheit verbrachte, in Prof.-Hofmann-Straße umbenannt.
Hierzu schrieb die Zeitung damals:
"Mit der Umbenennung erfüllen wir unserem hochgeschätzten Ehrenbürger Prof. Dr. Dr. Hofmann gegenüber eine natürliche Pflicht dankbarer Pietät. Möge die Prof.-Hofmann-Straße den Namen des berühmten Gelehrten und Erfinders späteren Geschlechtern übermitteln und besonders die Söhne unserer Stadt, die das Schicksal in die Fremde führt, anspornen, Männer eigener Kraft zu werden und der Heimat die Treue zu halten."
+ Einwohnerzahl: 6.313.

1942:

+ Verlegung des Heimatmuseums aus dem Kreishaus in das ehemalige Gartenhaus der Familie Schwabe.
+ Am 15. Juni wird in Kölleda die Künstlerin Maxi Herta Altrogge unter ihrem Mädchennamen Herta Müller geboren.

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Mai 1944:

Das Flugplatzgelände wird erst jetzt als Militärobjekt von alliierten Begleitjägern ausgemacht.
Gründe:
+ Aufgrund des sumpfigen Untergrundes verdeckte häufiger Bodendunst die Sicht.
+ Verschiedenartige Bepflanzung und Düngung der Rasenflächen tarnten das Gelände als weites Ackerfeld; gelegentliches Abweiden durch Schafe.
+ Alliierte Verbände hatten während einer Überschwemmungsperiode Zielaufnahmen gemacht, die den Ort als "Cölleda on sea" (Kölleda am See) bezeichneten. Später wurde nach dem See gesucht, der sich nicht mehr finden ließ.
+ In der Nähe von Kindelbrück befand sich ein Scheinflugplatz, dessen abgeblendete Beleuchtungsanlage den Flugplatz Kölleda in kleinerem Maßstab wiedergab. Im Frühjahr 1944 wurde das Objekt in der Annahme bombardiert, es handele sich dabei um den Kölledaer Flugplatz.

4. Juli 1944:

Von 9:12 Uhr bis 9:52 Uhr erfolgt in fünf aufeinanderfolgenden Wellen der erste und schwerste Angriff alliierter Truppen auf den Flugplatz. Er erfolgte aus der Sonne heraus, sodass die Flugzeuge erst gesichtet wurden, als schon die ersten Bomben fielen. Beim Angriff fielen ungefähr 1.900 Sprengbomben und etwa 3.000 Brandbomben.
Der größte Teil der Sprengbomben wurde zu Blindgängern, da sich die seitlich eingesetzten Zünder an den Montiereisen der Dachbefestigung herauszogen.
Sieben Soldaten fanden bei diesem Angriff den Tod.
Der Verlust an Nachschubgut war gering, da etwa 75 Prozent aller Vorräte ausgelagert waren, so etwa nach Großneuhausen, Greußen und Bretleben.
An den Löscharbeiten auf dem Flugplatzgelände beteiligten sich die Feuerwehr des Luftzeugamtes, die Kölledaer Stadtfeuerwehr und die der umliegenden Ortschaften.
Die Stadt selbst bleibt verschont.

11. April 1945:

Die Stadt wird kampflos an die Amerikaner übergeben. Um 12:00 Uhr hisst C. Steinicke die weiße Fahne auf dem Rathaus.

1. Juli 1945:

Die amerikanische Besatzung wird durch die sowjetische abgelöst.
Nach der Eingliederung der Stadt in die Sowjetische Besatzungszone wird das Kreishaus in der Salzstraße 6 Sitz der sowjetischen Kreiskommandantur. In den Kellerräumen wird ein provisorisches Gefängnis eingerichtet.

1945:

Die Provinz Sachsen wird neu gebildet. Zu ihr gehört auch der Kreis Eckartsberga mit der Kreisstadt Kölleda.

31. Januar 1946:

Kölleda hat die Einwohnerzahl von 9.176 erreicht, bedingt durch Flüchtlinge und Umsiedler.

1946:

Der Fußballverein "SG Kölleda" wird gegründet.

1947:

Durch plötzlich einsetzendes Tauwetter im März ist die Stadt von Hochwasser stark betroffen.

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1948:

+ Die neugegründete Sportgemeinschaft "BSG Mechanik" wird durch das Funkwerk übernommen und erhält den Namen "BSG Motor". Zu ihr zählen die Sektionen Fußball, Handball, Tischtennis, Radsport und Schach. Der erste Vorsitzende wird Hans Lehmann.
+ Der Fußballverein "SG Kölleda" heißt von nun an "Vorwärts Kölleda".

1949:

Wiederaufnahme der Planungen für den Bau einer Volkshochschule in Kölleda.

7. Oktober 1949:

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Kölleda gehört damit nun endgültig zur östlichen Staatengemeinschaft – was bis Ende des Jahres 1989 so bleiben wird.

1950:

+ Die Regierung von Sachsen-Anhalt beschließt mit Wirkung vom 15. Juni 1950 die Umbenennung des Kreises Eckartsberga in Kreis Kölleda.
+ Battgendorf wird am 30. Juli 1950 eingemeindet.
+ Der Kreistag des Kreises Eckartsberga fasst den Beschluss, in Kölleda die erste neue Schule im Landkreis nach dem Krieg zu bauen. Damit sollte der bis dahin in vielen Orten noch erteilte Mehrstufenunterricht abgebaut werden.
+ Im Jahr 1950 schaffte es Kölleda sogar zu einer kurzen Erwähnung im westdeutschen "Spiegel":
"Wie ein vorbildlicher Volkslehrer auszusehen hat, wurde auf der Kreisdelegiertenkonferenz zur Vorbereitung des 3. Parteitages der SED im sachsen-anhaltischen Kölleda rührend demonstriert. "Als eine kleine, kaum 10jährige Pionierin auf die Frage, ob sie ihren Lehrer gern hat, freudig und überzeugt antwortet: "Ja, wir lernen viel bei ihm, und er ist auch in der SED." ("Neues Deutschland" vom 24. 6.)."
(Quelle: "DER SPIEGEL" 26/1950)

1951:

Baubeginn der neuen Schule in Kölleda. Lehrer, Schüler und Eltern helfen tatkräftig mit.

1952:

+ Kölleda verliert aufgrund der Gebietsreform den Kreisstatus und gehört nun zum Kreis Sömmerda. Der Kreis Kölleda wird aufgelöst.
+ Errichtung des ersten Gebäudetraktes der neuen Schule.
+ Am 1. September 1952 erfolgte die Eröffnung der Schule als so genannte Zentralschule. Zunächst waren acht Lehrer tätig. Eine tatsächlich fachgerechte Ausbildung war anfangs nicht möglich, da diese Lehrer nur eine Grundschulausbildung hatten oder Neulehrer waren.
Der erste Direktor war Franz Zimmer. Nur sehr kurze Zeit darauf folgte Werner Pruß, der auch auf dem Gebiet der Heimatgeschichtsschreibung aktiv war.
Die Schule besaß anfangs einen eigenen Schulbus, aufgebaut und gewartet von der Firma Poppe. Der Bus fuhr die Schüler vom Wohnort zur Schule und umgekehrt. Ebenso zum Schwimmunterricht, zu Wandertagen oder in den Ferien zu Expeditionslagern. Die Finanzierung des Busses "Pionier-Express" (Von den Schülern liebevoll "Exer", auch "unser Exer" genannt; der Schriftzug befand sich an beiden Seiten in großen, schwungvollen Lettern!) erfolgte zu einem sehr großen Teil durch Altstoffsammlungen durch alle Schüler der Schule! Die Kinder liebten IHREN Bus und waren sehr stolz auf ihre Leistung, auch wenn es immer mal wieder in oder an ihm etwas klapperte!
Gleich in den ersten Jahren der Zentralschule kam es zur Gründung zahlreicher Schüler-Arbeitsgemeinschaften. Viele Schüler betätigten sich vor allem auf sportlichem Gebiet.
Im Laufe der Zeit hatte die Schule über 30 Arbeitsgemeinschaften. So zum Beispiel die "Jungen Imker", die "Jungen Historiker", Musikalische Erziehung, Jagdhornbläser, Schulgärtner, Fotographen, Ringer und zahlreiche Sport-AG's.
Abschließend einige generelle Erläuterungen zur Schulinfrastruktur in der Stadt. Bis zum Jahr 1952 verfügte Kölleda konstant über zwei Schulen. Die ältere, auf dem Markt befindliche aus dem Jahr 1744, welche gegen Ende des 20. Jahrhunderts Berufsschule wurde. Im Volksmund bis dahin "Alte Schule" genannt. Und über die jüngere von 1900 in der Mühlgasse; im Volksmund folgerichtig "Neue Schule" genannt.
In jenem Jahr 1952 kam mit der Zentralschule am nordöstlichen Ende der Stadt nun noch eine dritte hinzu.
Und eine vierte entstand gleichzeitig durch den Auszug der oberen Klassen aus der Schule in der Mühlgasse. Diese fanden Quartier im ehemaligen Kreishaus in der Salzstraße 6. Selbiges war frei geworden, nachdem Kölleda in jenem Jahr seinen Status als Kreisstadt an Sömmerda verloren hatte.
Knapp 30 Jahre später, 1980, erfolgte eine neuerliche Übersiedlung in den Neubau in der "Straße des Friedens", wie sie damals hieß.
In der Mühlgasse fand danach noch eine Weile Unterricht für die unteren Klassen statt.
+ Der Fußballverein "Vorwärts Kölleda" heißt von nun an "Mechanik Kölleda", später "Motor Kölleda".
+ Erste Bauanträge für die Errichtung des "Streitseebades" zwei Kilometer vor den Toren der Stadt werden gestellt.
In den Folgejahren wird dieses Projekt im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) verwirklicht. Das heißt, es waren fast ausschließlich Teile der Bevölkerung damit beschäftigt, welche die Arbeiten nach Feierabend ehrenamtlich verrichteten. Auch die erforderlichen Werkzeuge wie Schubkarren und Schaufeln wurden von der beteiligten Bevölkerung selbst gestellt.
Hauptproblem bei der Verwirklichung des Vorhabens war – wie in der gesamten Geschichte der DDR – die Materialfrage. Der Fortschritt der Bauarbeiten hing nämlich davon ab, wie viel Zement aus den Buna-Werken in Schkopau angeliefert wurde. Dementsprechend konnten immer nur einzelne Teilabschnitte fertig gestellt werden. Die Absätze in den Betonwänden waren daher noch Jahrzehnte später erkennbar. Allerdings bescheinigten Fachleute diesem Beton auch eine hohe Qualität und Langlebigkeit.

1953:

Errichtung der Turnhalle der Zentralschule.

1955:

Ab jenem Jahr wurde die Zentralschule durch die Einrichtung der ersten 9. Klassen zu einer Mittelschule.

1956:

In die Schule im ehemaligen Kreishaus zieht zusätzlich die Schule für Lernbehinderte, im Volksmund die "Hilfsschule" genannt.

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2. Juni 1957:

+ Städtisches Schwimmbad am Streitsee, fortan "Streitseebad" genannt, wird übergeben.
In den Jahrzehnten danach folgten die Errichtung eines Flachbaus mit einer Gaststätte, von Volleyballplätzen sowie einer FKK-Wiese. Nach der Wende kam auch ein neuer Sprungturm hinzu.
Erwähnenswert ebenso der biotopähnliche Pflanzenwuchs um das Bad herum.
Ein besonderer Aspekt des Freibades ist, dass es mit Quellwasser gespeist wird. Die Temperatur ist dadurch zwar etwas kühler und liegt durchschnittlich nur bei 19 bis 20 Grad Celsius, aber das Wasser ist von besonders guter Qualität und vor allem kostenlos.
Für die Einrichtung prägende Schwimmmeister waren in den Siebziger Jahren Joachim Hahn, in den Achtziger Jahren Ralf Scherbaum, der später Leiter des Betriebshofes Kölleda wurde, und in den Neunzigern Sabine Rücknagel.
Zu DDR-Zeiten wurde das Bad vor allem von den Schulen stark frequentiert. Hier fand die Schwimmausbildung während der Ferienspiele statt. Nach der Wende etablierte sich an jedem ersten Sonnabend in den Sommerferien das Schwimmfest mit Spielen innerhalb und außerhalb des Wassers sowie einer Beachparty auf der Liegewiese.
+ Die Kommandos der Feuerwehren in Sömmerda und Kölleda sollten in jenem Jahr aufgelöst werden.

1958:

Beginn der Errichtung eines neuen Stadtteils im Osten der Stadt. (Wilhelm-Pieck-Ring.)

1959:

Fusion der Fußballvereine "Motor Kölleda" und "Empor Kölleda" zur "BSG Einheit Kölleda".

Sechziger Jahre:

In der Zentralschule erfolgt die Einrichtung von Fachkabinetten für die Fächer Physik, Biologie, Chemie, Geografie und Geschichte.

1961:

+ Übergabe Erweiterungsbau im Krankenhaus Kölleda, neue Bäderabteilung.
+ Durch Einführung des Polytechnischen Unterrichtes wird die Mittelschule zur Polytechnischen Oberschule 1.

1963:

Überführung der Maschinen-Traktoren-Station (MTS) im Zuge der generellen Überführung der MTS in die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG).
Am 29. September 1963 Unterzeichnung des Unterstellungsvertrages der MTS an die LPG.

1. Mai 1967:

Der neue Sportplatz in der Straße des Friedens wird eingeweiht.

1968:

+ Einweihung der Kegelbahn am alten Sportplatz.
+ Errichtung des Busbahnhofes am Roßplatz.
+ Eröffnung des Kindergarten II.

6. Juni 1969:

Kölleda wird an die Ferngasleitung angeschlossen. Das Gaswerk stellt die Produktion ein.

1972:

Der Zentralschule wird der Name "Polytechnische Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'" verliehen.

1974:

Bau der Zentralheizung für die "Polytechnische Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'". Das Heizwerk entstand an der nordwestlichen Grundstücksgrenze des Schulgeländes, in der Nähe zur Tankstelle der Stadt. Davor gab es nur eine Ofenheizung.

1976:

Im Streitseebad wird direkt neben den Beckenanlagen ein Gondelteich angelegt, in dem auch geangelt werden kann.

Siebziger Jahre:

Die "Polytechnische Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'" bekommt ein eigenes Hortgebäude in Form einer Pressspanwand-Baracke. Mitte der Neunziger Jahre wird das Gebäude aufgrund des nicht mehr vorhandenen Bedarfs wieder abgerissen.
In dem Zusammenhang soll eine schulinterne Anekdote erwähnt werden, und zwar die um den "Peter-Urbansky-Weg". Im Zuge der Errichtung des Hortgebäudes legte man auch einen Kleinplattenweg durch die Grünanlage der Schule an. Dieser begann ziemlich genau gegenüber vom Bachstraßen-Eingang des Schulgeländes. Dort führte er ganz geradeaus durch die gesamte Grünanlage mit Bäumen und Sträuchern und stieß an seinem Ende senkrecht auf den in Ost-West-Richtung verlaufenden Verbindungsweg zwischen Schulhof und Hortvorplatz.
Dieser Weg wurde auf Betreiben des stellvertretenden Schuldirektors Peter Urbansky errichtet, damit die Schüler und Lehrer im Hort nicht den Riesenumweg über den Schulhof nehmen mussten. Und als Anerkennung dafür hatten direkt nach seiner Errichtung ältere Schüler an seinem Beginn ein "Straßenschild" mit der Aufschrift "Peter-Urbansky-Weg" aufgestellt. Was der Geehrte grinsend zur Kenntnis nahm …

1978:

+ Gemeindeverband wird gegründet.
+ 100-Jahr-Feier der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

14./15. Juni 1980:

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni kam es zum großen Sturm von 1980. Die gesamte Gegend wurde nach vorheriger großer Hitze von einem schweren Unwetter heimgesucht. Orkanartige Stürme deckten Dächer ab, brachen große Äste ab. Es stürzten unzählige hohe Bäume, wurden teilweise durch Windkraft regelrecht aus der Erde herausgedreht. Beschädigungen elektrischer Leitungen hatten Stromausfälle zur Folge. In Kölleda wurde eine Person von herabstürzenden Ästen tödlich verletzt.

7. Oktober 1980:

Die Einweihung der Polytechnischen Oberschule (POS) II wird gefeiert. Sie erhält den Namen "August Bebel". Die Schule aus dem ehemaligen Kreishaus übersiedelt in dieses neue Gebäude.

1981 (?):

Errichtung eines Essenraumes in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der "Polytechnischen Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'".
Davor mussten die Schüler den etwas längeren Weg in den Versammlungssaal der Kleingartenanlage "Paradies" nehmen.

Herbst 1981:

Auf dem Gelände des Funkwerk-Arbeiter-Wohnheimes in der Bahnhofstraße wird an der Grundstücksgrenze zur Liegenschaft Albert-Träger-Straße 1 eine Massengarage errichtet. Davor befand sich an jener Stelle eine alte, in Lehmbauweise errichtete Scheune, welche dem Neubau weichen musste.
Die Bauarbeiten dauerten bis in das Frühjahr 1982.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Garage wieder abgerissen.

September 1982:

Christoph Altrogge beginnt seine beispiellose Schülerkarriere an der "Polytechnischen Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'". (Soviel Eitelkeit muss sein.)

1983:

Der Fußballverein "BSG Einheit Kölleda" wird in "BSG Funkwerk" umbenannt.

Anfang der Achtziger Jahre:

Ich kann mich dunkel erinnern, dass bis zu Beginn dieses Jahrzehnts auf der Wiese nördlich vor dem "Kabinett" in der Jahn-Schule ein Spielplatz existierte. Danach wurden die Geräte entfernt, sodass nur noch eine Wiese mit Apfelbäumen zurückblieb.

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1985:

+ Kommunalwahlen im Mai: Helmut Zirnik (SED) wird Bürgermeister. Prägend für diese Ära wird vor allem der Wohnbau in der Stadt.
+ Sommer/Herbst 1985: In der Albert-Träger-Straße wird das alte Kleinpflaster, das seit der Errichtung der Straße existierte, aus den Fußwegen auf beiden Seiten herausgerissen. Grund waren Verformungen an zahlreichen Stellen, die durch geparkte Autos entstanden waren. Diese hatten sich vor allem für ältere Bürger als Stolpergefahren erwiesen. An die Stelle des Kleinpflasters kamen annähernd quadratische Betonplatten mit ungefähr einem Meter Seitenlänge. Die Arbeiten wurden von den Bewohnern der Straße nach Feierabend erledigt.

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Frühjahr 1986:

Auf der begrünten Westhälfte des Areals der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule entstehen zwei umzäunte Spielareale für die kleineren Kinder. Der "Peter-Urbansky-Weg" wird im Zuge dessen aufgelassen. Der ost-westliche Zugangsweg zum Schulhort in der Mitte bleibt unverändert erhalten.
Anfang des 21. Jahrhunderts muss das Gelände dann einigen schulbezogenen Neubauten weichen.

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Juni 1986:

"1200-Jahr-Feier" der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt. Die Stadtgemeinde veranstaltet eine Festwoche. Den Höhepunkt bildet ein Festumzug durch die Stadt am Sonntag.

Beginn des Schuljahres 1987/88:

Im südöstlichen Raum der Baracke für die wirtschaftlichen Unterrichtsfächer auf dem Gelände der Jahn-Schule (schulintern als "Kabinett" bezeichnet) wird ein Computerunterrichtsraum eingerichtet. Die Geräte für den Werkunterricht, welcher bis dahin dort stattfand, kommen in den Raum 4 des Hauptgebäudes.

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1988:

+ Im Frühjahr 1988 werden auf dem Schulhof der Friedrich-Ludwig-Jahn-Schule Hochbeete mit Sitzgelegenheiten auf den Rändern errichtet.
+ Unter der maßgeblichen Initiative des langjährigen Schwimmmeisters Joachim Hahn entsteht im Streitseebad die Sommerkegelbahn.
+ Irgendwann Anfang/Mitte Dezember 1988 bekam die Melioration am Ausgang Bahnhofstraße eine neue Schranke.

7. Mai 1989:

Letzte Kommunalwahlen unter sozialistischen Verhältnissen. Der seit 1985 regierende Amtsinhaber Helmut Zirnik (SED) bleibt Stadtoberhaupt.

Juni 1989:

111-Jahr-Feier der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

7. Oktober 1989:

Die Feuerwehr Kölleda delegiert ihre Kapelle zu den Feierlichkeiten anlässlich des 40. Staatsgründungsjubiläums der DDR in Berlin.

Herbst 1989:

Die friedliche Revolution hält auch in Kölleda Einzug.

1990:

+ Die ersten freien Bürgermeisterwahlen nach dem politischen Umbruch entscheidet Bernd Prellberg (FDP) für sich.
+ Der Fußballverein "BSG Funkwerk" wird in "SV Funkwerk Kölleda" umbenannt.

Um den Juni 1990 herum:

Zwischen dem am südwestlichen Rand der Stadt entstehenden Wohngebiet Feistkornstraße und der Bahnhofstraße wird eine Verbindungsstraße fertig gestellt. Zuvor befand sich an der Nahtstelle ein Privatgrundstück.

13. – 15. Juli 1990:

Erstmals seit dem politischen Umbruch fand im Garten des Kölledaer Schützenhauses, zu DDR-Zeiten städtisches Kulturhaus, wieder ein Schützenfest statt. Eine alte Kölledaer Tradition lebte somit wieder auf.
(Persönliche Erinnerung: Hier habe ich im Flohmarktsbereich meine erste West-Schallplatte gekauft, und zwar mit den Musikeinlagen der Rudi-Carrell-Show.)

3. Oktober 1990:

Wiedervereinigung beider deutscher Staaten.

14. Oktober 1990:

Ab diesem Tag gehört Kölleda zum neu gebildeten Land Thüringen.

1991:

+ Infolge der Wiedervereinigung wird aus der "Polytechnischen Oberschule 'Friedrich Ludwig Jahn'" die "Regelschule F.-L.-Jahn". Die Sanitäranlagen werden erneuert und die Fachkabinette auf modernen Standard gebracht. Alle Klassenräume und Flure erhalten neue Fenster und zum Teil auch neue Türen. Das Dach wird komplett saniert. Der Einbau von Sicherheits-Brandschutz-Türen erfolgt.
+ Die ebenfalls ehemalige "Polytechnische Oberschule 'August Bebel'" wird Gymnasium.
+ Dezember 1991: Auf der Ostseite der Gebösestraße, nahe der Abzweigung Schillerstraße, wird der "Extra-Verbrauchermarkt" eröffnet.

1992:

+ Frank Zweimann (CDU) wird Bürgermeister und löst damit Bernd Prellberg (FDP) ab.
+ Im Juni an einem Wochenende Stadtfest anlässlich 600 Jahre Stadtrecht.
+ Die hessische Stadt Hochheim am Main wird Partnerstadt von Kölleda.
+ Wohngebiet Feistkornstraße mit 212 Wohnungen übergeben.

1993:

+ Mit Beginn des Schuljahres 1993/94 zieht die Grundschule ins ehemalige Kreishaus in der Salzstraße 6 ein.
+ Am 10. Dezember wird die Gemeinde Dermsdorf in die Stadt Kölleda eingemeindet.
+ Einweihung der Stadtbibliothek und des Stadtarchiv im ehemaligen Wannenbad.

1994:

+ Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Kölleda.
+ Am 18. Dezember wird das Heimatmuseum am Roßplatz nach Rekonstruktion wieder eröffnet.

1995:

+ Am 30. Mai setzen Bürgermeister Frank Zweimann und Kulinaria-Geschäftsführer Walter Kreuzer den ersten Spatenstich für das Gewerbegebiet auf der Kiebitzhöhe.
+ Einweihung des Seniorenclubs "Hortensia".

1996:

Die Grundschule im ehemaligen Kreishaus in der Salzstraße 6 erhält den Namen "Wippertus-Schule".

1997:

+ Richtfest für den Schulerweiterungsbau am Prof.-Hofmann-Gymnasium.
+ Übergabe des neuen Bettenhauses für die Patienten des Kreiskrankenhauses Sömmerda.

1998:

Richtfest Neubau Pflegeheim Kiebitzhöhe.

1999:

+ Einweihung einer neuen Produktionshalle der Firma Logatec.
+ Einweihung der Kräutermühle.
+ Im Streitseebad brennt der Flachbau ab, in dem sich auch die Gaststätte befand.
+ Nach dem Abriss des ehemaligen Gartenlokals "Zur Erholung" und des Kinos wird eine Zweifelder-Sporthalle an der Grundschule in der Salzstraße 6 eingeweiht.
(Anmerkung: Der Lichtspielbetrieb in dem Kino fand bereits ungefähr zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung sein Ende. Danach etablierte sich in dem Gebäude für kurze Zeit eine "Spielhölle". Gegen welche allerdings die Stadtverwaltung aus Gründen des Jugendschutzes mit verschiedenen Mitteln vorgegangen war.)
+ Kölleda beginnt mit der Tradition der Krönung einer Pfefferminzprinzessin.

2000:

+ Am 3. Oktober wird nach einer umfangreichen Sanierung das Gebäude "Alte Schule" am Markt als "Funkwerkmuseum" übergeben.

2001:

+ 90 Jahre Feistkorn-Kindertagesstätte.
+ AWO – Sozialstation in Kölleda feiert zehnjähriges Bestehen.
+ Fromm plastics GmbH baut im Gewerbe- und Industriegebiet.
+ Industriegleis wird bis zum Gewerbegebiet Kiebitzhöhe neu verlegt.
+ Zehn Jahre Kölledaer Museumsgarten.
+ Ausstellungseröffnung: "Gegen das Vergessen" – Luftkriegsgeschichte Mitteldeutschlands im Backleber Tor.

2. August 2002:

Richtfest beim neuen Motorenwerk, welches die MDC Power GmbH baut.

11. Dezember 2002:

Neues Umspannwerk für Gewerbegebiet in Betrieb genommen.

16. Dezember 2002:

Ein Kreisverkehr zwischen Frohndorf und Kölleda wird geschaffen, um mittels der neuen Querstraße von der B 176 den Schwerlastverkehr zum Gewerbegebiet zu leiten. Am 16. Dezember werden die neue Anbindung vom Kreisverkehr zum Gewerbegebiet Kiebitzhöhe, sowie das Teilstück der A 71 von Sömmerda/Schloßvippach bis Erfurt eingeweiht.

2006:

Infolge einer Neugründung wird der bisherige Fußballverein "SV Funkwerk Kölleda" in "FSV 06 Kölleda" umbenannt.

17. bis 26. Juni 2011:

In Kölleda finden die Feierlichkeiten anlässlich der 1225. erstmaligen urkundlichen Erwähnung statt. Unter anderem mit einer Ausstellung von Kölleda-Motiven der inzwischen in Wien lebenden Künstlerin Maxi Herta Altrogge.
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Christoph Altrogge aus Kölleda | 13.11.2015 | 18:58  
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