44-Jährige aus Kleinblittersdorf schenkt Leukämiepatienten Hoffnung

Heike Trier möchte einem Leukämiepatienten das Leben retten.
 
Unter der gebührenfreien Hotline 0800 - 76 67 724 sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung erreichbar.
Kleinblittersdorf: Rathaus |

Ist es eine Selbstverständlichkeit, einem wildfremden Menschen das Leben zu retten? Heike Trier aus Kleinblittersdorf (Kreis Saarbrücken) hat das einfach versucht: Die 44-Jährige ist Stammzellspenderin. Seit zwei Jahren hat sie ein kleines hellblaues Kärtchen der Stefan-Morsch-Stiftung – nur für den Fall, dass ein ihr unbekannter Mensch an Leukämie erkrankt und die Mutter von zwei Töchtern die einzige ist, die ihn mit einer Stammzellspende retten kann. Exakt dieser Fall ist eingetreten. Heike Trier hat mit ihrer Stammzellspende einem Leukämiepatienten die Chance gegeben, geheilt zu werden – die einzige Chance, den Blutkrebs zu besiegen.

Vor fast zwei Jahren, im Herbst 2012 rief die Stefan-Morsch-Stiftung für einen Leukämiepatienten aus der Umgebung nach Saarbrücken zur Typisierung auf. „Vielleicht passe ich und kann helfen“, denkt sich Heike Trier und lässt sich als mögliche Stammzellspenderin registrieren. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Oftmals reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb ist die Stefan-Morsch-Stiftung nahezu täglich in ganz Deutschland unterwegs, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären. Sie ist Deutschlands älteste Stammzellspenderdatei und leistet seit fast 30 Jahren schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien.

Heike Trier, die Querflöte im Orchesterverein Harmonie Ormesheim spielt, ließ sich genau über das Thema Stammzelltransplantation informieren. Die Registrierung war ganz einfach: Ein Fragebogen, eine Unterschrift und ein Piek – ein Fingerhut voll Blut genügt, um die Gewebemerkmale festzustellen. „Typisierung“ ist der Fachbegriff dafür. Braucht ein Patient eine Stammzelltransplantation, werden seine Gewebemerkmale, die HLA-Werte, mit denen von registrierten Spendern verglichen. Um als Spender in Frage zu kommen, sollten im Idealfall zehn von zehn Werten übereinstimmen.

Im November 2013 meldete sich die Stefan-Morsch-Stiftung bei Heike Trier: Sie kam als Stammzellspenderin für einen Leukämiepatienten in Frage. „Ich war überrascht. Dann hab ich mich über die Chance, zu helfen, gefreut“, erinnert sie sich. Ihr wurde ein Blutentnahmeset zugeschickt, mit dem ihr der Hausarzt Blut abnehmen konnte. Das Set schickte Heike Trier wieder
zurück zur Stiftung, wo die Blutprobe noch einmal untersucht wurde. „Als mir im Januar gesagt wurde, dass ich die geeignete Spenderin wäre, hatte ich schon ein bisschen Angst. Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommt.“ Kurz darauf fuhr sie nach Birkenfeld zur Voruntersuchung, wo das ärztliche Aufklärungsgespräch stattfand und wo sie sich einem Gesundheitscheck unterziehen musste: „Ich war aufgeregt, aber die Ärztin hat mich über alles gut aufgeklärt.“

Die Familie von Heike Trier machte sich anfangs Sorgen wegen der Stammzellspende. „Meine Kinder hatten Angst um mich und mein Mann war skeptisch“, erzählt sie. Doch zur Apherese begleitet er sie: „Nachdem meine Frau es mir erklärt hat, fand ich, dass es eine gute Geschichte ist – man kann jemandem das Leben retten.“

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Die zweite Möglichkeit ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld – werden dann die Stammzellen herausgefiltert. Das nennt man Apherese. Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender.

Heike Trier hat sich für die Apherese entschieden. Dass sie sich selbst spritzen musste, hat ihr nichts ausgemacht: „Ich war überrascht, wie locker das war.“ Schon im Vorhinein hat sie viel an den Patienten gedacht: „Es geht einem schon durch den Kopf, was mit dem Patienten passiert und ob er alles gut verkraftet.“ Für Heike Trier war die Spende jedenfalls kein großes Problem: „Es geht. Ich hab ein bisschen mit Unwohlsein zu kämpfen“, gesteht sie. Doch sie ist überzeugt: „Mit einem kleinen Aufwand kann man hier relativ viel bewegen.“ Jetzt hofft sie, dass der Patient wieder gesund wird und es ihm gut geht.

Die nächsten Typisierungstermine im Saarland:

Mittwoch, 24. September, 15 bis 20 Uhr, Hülzweiler, Haus für Kultur und Sport, Talstraße
Dienstag, 30. September, 17 bis 20 Uhr, Wiesbach, Wiesbachhalle, Jägerbergstraße

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Warum liegt das Typisierungsalter bei der Stefan-Morsch-Stiftung bei 40 Jahren?
Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren registrieren lassen. Das Höchstalter für eine kostenlose Neuaufnahme haben wir für unsere Datei so festgelegt, da wir wissen, dass Spender, die älter als 40 Jahre sind, nicht mehr oder nur noch sehr selten von den Transplantationszentren als Spender angefordert werden. Das liegt unter anderem daran, das sich mit zunehmendem Alter die Zellteilung verlangsamt und die Beschwerden zu nehmen. Deshalb bitten wir, Spender, die älter als 40 Jahre sind, einen Beitrag für die Typisierungskosten zu leisten. Denn als gemeinnützige Organisation finanzieren wir die Registrierungen aus Spendengeldern. Und diese Gelder wollen und müssen wir so verantwortungsvoll wie möglich einsetzen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Spender findet?
Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen Stammzellspender zu finden liegt in der Größenordnung von 1 : 10.000 und 1 : 1.000.000 und ist abhängig von den Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) des Patienten. Je genauer die Übereinstimmung zwischen den Merkmalen dieses DNA-Teilstückes des Spenders und denen des Patienten ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für eine Stammzelltransplantation.

Ich bin bereits typisiert. Soll ich nochmal?
Wer bereits typisiert ist, sollte sich nicht noch einmal registrieren lassen. Egal, wo er registriert ist, die Daten aller Stammzellspenderdateien stehen anonymisiert über das deutsche Zentralregister des ZKRD für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. Wer mehrfach registriert ist, würde als Mehrfach-Treffer erscheinen und so zunächst den Eindruck erwecken, es gäbe mehrere Spender zu Auswahl. Letztendlich wäre das eine trügerische Hoffnung. Wer schon typisiert ist, sollte jedoch überlegen, ob die Spenderdatei noch die aktuellen Kontaktdaten hat.
Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 - 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.

Die Stefan-Morsch-Stiftung
Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz im rheinland-pfälzischen Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke – in jeder Frage. Leukämie - 11. 000 Mal pro Jahr wird allein in Deutschland diese Diagnose gestellt. Mal ist es ein berühmter Fußballer, mal die Frau eines Arbeitskollegen, mal der Sohn eines Vereinskameraden, mal der Bekannte eines Freundes – es könnte aber auch Ihr Kind, Ihre Frau, Sie selbst treffen.
Hilfe ist oft nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich freiwillig als Stammzellspender und damit als potenzieller Lebensretter für Patienten zur Verfügung stellen. Deshalb werben wir dafür, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich die Chance, für einen Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden. Nur dann hat die Übertragung von Stammzellen den gewünschten Erfolg, bei Krankheiten, für die es ansonsten keine vergleichbaren Möglichkeiten der Heilung oder des Überlebens gibt. So vermitteln wir täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der Spenderdatei als Lebensretter für Patienten weltweit.
Die Stiftung ist Teil eines Netzwerkes, das Menschen über alle Grenzen hinweg das Leben rettet. So sind wir angeschlossen an das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD), in dem alle für die Suche nach einem passenden Spender relevanten Daten aus ganz Deutschland zusammenlaufen und damit weltweit zur Verfügung stehen.
Aufgrund der internationalen Zusammenarbeit kann es sein, dass ein deutscher Patient Stammzellen aus Kanada erhält, oder ein Stammzellspender in Deutschland für einen Erkrankten in Griechenland gefunden wird.
Zudem bringen Vertreter unserer Stiftung über die Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD), European Group of Blood an Marror Transplantation (EBMT) und World Marror Donor Association (WMDA) auf nationaler und internationaler Ebene ihre Erfahrungen ein, wenn Experten die neuesten Forschungsergebnisse diskutieren und das weltweite Netzwerk optimieren.
Darüber hinaus hat sich die Stefan-Morsch-Stiftung zum Ziel gesetzt, Patienten und ihren Angehörigen zur Seite zu stehen. Wir helfen bei der Vermittlung von Kliniken oder Ärzten, beraten aber auch den Patienten nach der Transplantation. Die Stiftung gibt im Notfall finanzielle Hilfen. So können ungedeckte Kosten des Patienten, die durch eine Leukämie-Erkrankung entstanden sind und zu einer wirtschaftlichen Notlage geführt haben, übernommen werden.
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