Vergebung: nur ein Glaubensaspekt oder doch weit mehr?

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Dr. med. Konrad Stauss
Güttingen (Schweiz): Sokrates Gesundheitszentrum Bodensee | Zwei Koryphäen beschäftigen sich intensiv und seit Jahren mit dem Thema Vergebung und ihrer Auswirkungen auf seelische wie körperliche Gesundheit: der heute in Luzern im Ruhestand ansässige Prof. Dr. med. Helmut Renner, ehemals Leiter der Praxis für Strahlentherapie am Klinikum Nürnberg Nord und Dr. med. Konrad Stauss www.dr-stauss.de.

Letzterer referierte am 11. Dezember 2014 im neuen und aufstrebenden Sokrates Gesundheitszentrum Bodensee, Im Park 3, CH – 8594 Güttingen, www.klinik-sokrates.ch zum Thema “Du vergibst Dir Nichts, wenn Du vergibst!“.

Geschäftsführer Guido Schaub begrüßte in stimmungsvoll adventlich gestaltetem Rahmen ein erwartungsvolles und überaus zahlreich erschienenes Publikum, traf die Feststellung, dass das Vater unser Zentralthema der therapeutischen Arbeit ist und stattete allen GönnerInnen ein aufrichtiges Gelt’s Gott für ihre oftmals in bemerkenswerten Höhen stattfindenden Unterstützungen ab, ehe er den Referenten mit der Erwartung vorstellte, ihn nach einem nachmittäglichen MitarbeiterInnen-Workshop und dieser öffentlichen Veranstaltung bald wieder am Bodensee begrüßen zu dürfen.

Dr. med. Konrad Stauss ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Facharzt für Psychiatrie, Facharzt für Neurologie und Rehabilitationswesen, Dozent der Süddeutschen Akademie für Psychotherapie zur Weiterbildung für Ärzte und Psychologen, sowie ehemaliger Begründer und ärztlicher Direktor der Klinik für psychosomatische Medizin Bad Grönenbach.
Nach 21-jähriger Tätigkeit an diesem Haus möchte er seine Erfahrung und Wissen an junge Kollegen und Kolleginnen im Rahmen seiner Lehrtätigkeit weitergeben.
In den letzten Jahren hat er sich intensiv mit den Themen Vergebungs- und Schuldkompetenz auseinandergesetzt. Durch diese Kompetenzen kann man lernen, passiv erlittene Schuld und aktiv begangene Schuld zu bewältigen. Vergebungs- und Schuldkompetenz sind die Voraussetzung zur Versöhnung. In der Versöhnung treten Opfer und Täter in einen Dialog, um miteinander Frieden zu schließen. So der idealtypische Prozess. Oft aber gelingt Versöhnung nicht, weil entweder der Täter oder das Opfer dazu nicht bereit sind oder es aus anderen Gründen nicht können. Trotzdem gibt es den Weg der Vergebung für das Opfer und den Weg der Selbstvergebung für den Täter, um seinen inneren Frieden zu erlangen. Mit Selbstvergebung ist der Prozess gemeint, den man durchlaufen kann, um sich trotz der Schuld selbst anzunehmen und zu akzeptieren.
Kurz: die zentrale Frage lautet: was kommt vor der Versöhnung? Vor der Versöhnung kommt der Prozess der Vergebung von Seiten des Opfers und der Weg der Schuldbewältigung von Seiten des Täters. Beide Prozesse sind vorwiegend innerseelische Prozesse zur Reinigung des Herzens (puritas cordis), um versöhnungsfähig zu werden.
Die Seminarangebote von Dr. Stauss dazu sind: Fort- und Weiterbildungsseminare, sowie Seminare zur Weiterbildung für Ärzte und Psychologen an der Süddeutschen Akademie für Tiefenpsychologie, wie bsw.: Interventionsseminar II: Themenschwerpunkt: Behandlung von strukturellen Beeinträchtigungen Seminare mit dem Schwerpunkt Psychotherapie und Spiritualität
6 tägiges Weiterbildungscurriculum in drei mal 2 Tagen in Schuldkompetenz
6 tägiges Weiterbildungscurriculum in drei mal 2 Tagen in Vergebungskompetenz (siehe: Stauss. 2010: die heilende Kraft der Vergebung, Kösel Verlag) für Psychotherapeuten und Seelsorgern. TeilnehmerInnen, welche diese Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen haben, können Mitglied in dem Netzwerk: Vergebung und Versöhnung werden, über welches auch regionale Anlaufstellen bestehen.

Mit der Feststellung, dass Sokrates der erste Philosoph war, welcher die Wahrheit innen und nicht im Außen suchte, womit dieses Haus seine ganz besondere Bedeutung und Berufung habe, starteten 2 Stunden lebendigster Vortrag mit nachhaltigst beeindruckender Tiefenwirkung.

Versöhnung ist immer eine Doppelbeziehung, während Vergebung auch autark, also ohne Mitwirken des Täters, erfolgen kann und diesem durch seelische Befreiung als eine Gnade, die es noch dazu umsonst gibt, eine Macht nimmt, welche ihm gar nicht zusteht war der erste Kernsatz, ehe es zum “Schlachtfeld der Liebe“ ging, welches durch diverse Negativdeutungen immer wieder das oberste Ziel menschlichen Wohlbefindens: Liebe-Partnerschaft-Familie so schwer erreichen lässt, da eine gelingende Ehe das Treffen zweier Vergebender ist.

Da Vergebung beim Menschen und nicht der Tat beginnt, ist sie ein Akt der Menschenwürde, wozu Nelson Mandela bsw. feststellte, dass er der Kapitän seiner Seele ist und deshalb an dem ihm zugefügten Leid nicht zerbrach

Nichtvergeben ist eine zu tragende Last, sodass Rache das weitere Leben bestimmt und der Täter sein Ziel erreicht, wobei Haas in den Seelen die größte Massenvernichtungswaffe darstellt.

Vergebung ist keine individuelle Privatsache sondern Erlösung auch in die nächsten Generationen, da 80 % weiter gegeben werden, während die Ursachen im Nebel der Generationen verschwinden, während Bindungen auch in die andere, die geistige Welt übergehen, denn Alles ist miteinander vernetzt.

Über den säkularen wissenschaftlichen Ansatz der Psychotherapie hinaus erfolgt ein spiritueller Prozess in einem heiligen Raum, wobei im Idealfall eine Kombination angestrebt wird.
Jesus kippte die jüdische Auffassung, dass Jede(r) schuldig wird, indem sein Ziel die Heilung und nicht die Benennung der Schuld war.
Im Alten Testament bestand eine Abhängigkeit vom Täter, da Vergebung nur möglich war, wenn er Einsicht zeigt und seine Reue vor Gott brachte.
Die göttliche Vergebung des Neuen Testamentes hingegen hängt von der zwischenmenschlich erfolgten ab.
Deshalb auch geht die Vergebung mitten durch den Schmerz und nicht daran vorbei: ganz wie beim Kreuz von Golgota.
Mit Vergangenheit kann deshalb auch nur umgehen, wer den Mut hat, Wunden zu öffnen.

Die Marginalisierung der Spiritualität in Deutschland ist die noch heute wirkende größte Negativfolge der Nazizeit.
Langsam wird es jedoch zulässig, neben biologisch, sozial und seelisch auch die
Spiritualität als gleichbedeutenden Einfluss bei Krankheiten zu sehen und ihr so
Platz beim Heilungsgeschehen zu schaffen.
Barmherzigkeit führt zu Vergebung: “Ich hätte auch Du sein können“ schafft ein
Halten der Beziehung, oder wie Mahatma Gandhi wusste: “Schwache können nicht vergeben!“.

Die Metatheorie von Dr. Stauss lautet daher: das psychotherapeutische Menschenbild klammert den Gottesbezug aus, während das christliche auf die verändernde und heilende Gotteskraft vertraut, weshalb Gesundheit Einklang im Dreiklang ist.
Im Gegenzug seine Feststellung, dass der Neurotiker in einer vollen Wurstkammer verhungert.

So ist nach seiner Auslegung die Schlüsselszene im biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn der Moment in dem dieser in sich ging und sich damit der Bogen zu Sokrates schließt und sich folgende Empfehlungen ergeben:

a) Vergeben ist nicht vergessen, denn nicht der Täter hat sich verändert, sondern die Sicht auf ihn.

b) die Schätze des Christentumes sind wieder zu heben in einer Sprache, welche die Menschen heute verstehen, um Sinn zuordnen zu können.

Da die Suche so stark ist wie nie, hat das Sokrates Gesundheitszentrum Bodensee seine Zukunft war die Perspektive, mit der unter Betrachtung der skizzierten Praxisschritte die BesucherInnen beim Hinterfragen, wie dies gehen soll und gelingen kann, ungewohnte Einsichten erhielten.

Das Einlassen auf die Philosophie des Sokrates Gesundheitszentrum Bodensee und die Spiritualität von Vergebung und Versöhnung ist also angesagt und weitergehende Informationen dazu unter info@klinik-sokrates.ch, Telefon +41 (0)71 6 94 55 44, Fax 6 94 55 45!


Erich Neumann, freier Journalist über VZB Verband
der Zeitschriftenverlage in Bayern e. V.
und Medienunternehmer www.cmp-medien.de
Postfach 11 06, D – 82196 Gilching
GSM 01 72 3 55 08 00, e-Mail newsletter@cmp-medien.de


© Bild: www.cmp-medien.de CC – Startfolie Rembrandt
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