Verschlungene Wege nach Schwaben: Kinder auf der Flucht - 1945 und 2015

Wann? 01.04.2015 bis 04.10.2015

Wo? Schloss , Höchstädt an der Donau DE
Eine ganz besondere Geschichte hat Anna Waschner zu erzählen: Sie war als Flüchtlingskind vier Jahre lang in Schloss Höchstädt einquartiert und wird die Besucher am 26. April mit auf einen Erinnerungs-Rundgang durch ihr Schloss nehmen. Das Foto zeigt sie mit ihrem Bruder als ABC-Schützen im Schlosshof (Foto: Anna Waschner)
 
Neustart (Foto: Christina Bleier)
Höchstädt an der Donau: Schloss |

Die Sonderausstellung des Bezirks Schwaben „Neustart - Heimatvertriebenen- und Flüchtlingskindheit“ in Schloss Höchstädt (Landkreis Dillingen) erzählt von jungen Menschen und ihren Geschichten
1. April bis 4. Oktober 2015


Auf verschlungenen Wegen gelangten flüchtende Kinder als jüngste Opfer lebensverachtender Kriegswirren nach Schwaben: Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem deutschen Osten nach 1945. Aber auch in diesen Tagen des Jahres 2015 kommen wieder Flüchtlingskinder in unserer Region an. Sie fliehen vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat. Diese beiden Generationen von Flüchtlingskindern trennen rund siebzig Jahre und es liegen drei, vier Generationen zwischen ihnen. Darüber entstammen sie völlig unterschiedlichen Kulturkreisen. Doch es verbindet sie ein vergleichbares Schicksal. Sie wagen einen Neustart in Schwaben, mit oder ohne ihre Familien.

Laut Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl bestätigt die drängende Aktualität des gegenwärtigen Flüchtlingszustroms „unsere Ausstellungskonzeption, das Thema „Flüchtlingskinder in Schwaben“ in zwei Teilen zu zeigen. Neben der historischen Dokumentation der „Heimatvertriebenenkindheit in Schwaben“ schlagen wir mit diesem gesellschaftsrelevanten aktuellen Bezug eine Brücke in die Gegenwart, um auch den heutigen Kindern, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, eine Plattform zu geben.“

Flüchtlingskinder damals und heute erzählen ihre Geschichte

Doch wie stellt man aus, was nicht mehr da ist? Weil die Menschen, um die es geht, alles zurücklassen mussten. Der Ablauf und die Bedingungen der Vertreibung sowie das Eintreffen in der neuen Heimat waren von vielen Faktoren abhängig. Mit dem Kunstgriff der autobiografischen Perspektive wurde der historische Teil der Ausstellung angereichert mit verschiedenen Erinnerungen und Erzählungen einer kleinen Gruppe heute Fünfundsiebzig- und über Achtzigjähriger aus dem ehemaligen Sudetenland, Ostpreußen, Schlesien und der Bukowina. Als sogenannte Flüchtlingskinder waren sie bei ihrer damaligen Ankunft in Schwaben zwischen fünf und elf Jahre alt. Es sind vor allem diese lebendigen Berichte der für die Ausstellung befragten Zeitzeugen, die zum Beispiel auch in einer Hörstation, ein anschauliches Bild vom Gehen, Ankommen und Bleiben entstehen lassen. Neben dieser „Oral History“ dokumentieren herübergerettete Erinnerungsstücke und historische Fotografien zusätzlich den Neustart nach 1945.

Für den zweiten, aktuellen Teil der Ausstellung waren unter Anleitung der Augsburger Fotografin Christina Bleier sechs Flüchtlingskinder aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, der Ukraine, Serbien und Mazedonien, die in Augsburger Unterkünften leben, in der Stadt unterwegs. Dabei haben sie ihren Alltag selbst fotografisch festgehalten und zeigen damit „ihr Deutschland“. Neben den Fotos wurden aus liebevoll gestalteten und ausgefüllten Steckbriefen große Ausstellungsdisplays erstellt.

Die Idee hinter „Neustart“

Darauf angesprochen, ob es nicht möglich wäre, das Thema Heimatvertriebenenkindheit für eine Ausstellung aufzugreifen, „war gleich klar, dass dies eine der letzten Gelegenheiten ist, noch Zeitzeugen befragen zu können“, begründet die Kuratorin Stefanie Kautz M.A. das Thema. Im Mai 2014 fand dann ein erstes Treffen mit Vertretern der Sudetendeutschen Landsmannschaft statt „und die Idee begann langsam Form anzunehmen. Welche ungeheure Aktualität das Thema Flüchtlinge bekommen sollte, war zu diesem Zeitpunkt so noch nicht abzusehen“, berichtet sie.

Ausstellungsbausteine

Um den Besuchern ein möglichst vielseitiges Erlebnis zu ermöglichen, ist neben Texten, Fotografien und Objekten auch eine Hörstation installiert. Hier können große und kleine Besucher viele Ausschnitte aus den im Gespräch mit Heimatvertriebenen entstandenen Tondokumenten erleben. Beim Ausprobieren eines eigens erstellten Computerspiels kann jeder selbst erfahren, wie es ist, in kürzester Zeit sein bisheriges Leben auf einen Koffer voller Sachen zu reduzieren und sich zu entscheiden, was mitgenommen und was zurückgelassen wird.

Die heutigen Flüchtlingskinder aus den arabischen und afrikanischen Krisenregionen haben nicht nur selbst fotografiert und sind fotografiert worden, sondern alle haben auch einen liebevoll gestalteten Steckbrief ausgefüllt.

Aktuelle Informationen zum Thema Flüchtlingskinder zeigen ergänzend eine Auswahl kindgerechter Filme der UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

Schüler der Schillerschule in Augsburg befragen für ihren Film Mitschüler mit Fluchterfahrungen; er ist ab Juli ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Begleitprogramm

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Ob Abschlussfest, Kindertheatervorstellung, Führung oder Ferienangebot – hier ist für jeden etwas dabei.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm gibt es beim Bezirk Schwaben, Stefanie Kautz, unter Telefon 0821 3101-275 oder per E-Mail: stefanie.kautz@bezirk-schwaben.de
www.hoechstaedt-bezirk-schwaben.de

Veranstaltungsprogramm

Freitag, 10. April, 14 - 16 Uhr, Ferienprogramm Ostern: Kinderkino I

Sonntag, 12. April, 15 Uhr, Familienführung: Hinter den Kulissen - Wie entsteht eine Ausstellung?

Samstag, 25. April, 19 Uhr, „Drei Worte auf einmal“, Lesung mit Saxofon

Sonntag, 26.April, 14 Uhr, Erinnerungsrundgang mit dem Annerl vom Schloss

Sonntag, 10. Mai, 15 Uhr, Familienführung: Mädchenkram und Männersachen

Sonntag, 24. Mai, 14 Uhr, Überblicksführung „Neustart“

Sonntag, 31. Mai, Dr. Ortfried Kotzian, Jahrgang 1948, Sohn heimatvertriebener Sudetendeutscher, Leiter des Bukowina Institutes in Augsburg (1989-2022), Direktor des Hauses des Deutschen Ostens in München (2002-2012) spricht als fundierter Kenner der Materie zum Thema.
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