“Salto Vitale!” beim Circus Roncalli

Herne: Cranger Kirmes |

Bis zum 29. März ist der Circus Roncalli auf dem Festplatz der Cranger Kirmes in Herne zu Gast. 1.430 Plätze gibt es im Zirkuszelt, von denen keiner weiter als zehn Meter von der in der Mitte des Zelts gelegenen Manege entfernt ist. Die Besucher bekommen eine 2,5-Stunden-Show mit Artisten, Humor und Tierdressur geboten und können dabei ein Stück weit wieder Kind werden. Begleitet wird die abwechslungsreiche Show von Live-Musik eines kleinen Orchesters. Auch außerhalb der Manege sorgt der Circus für Ambiente, denn Circus-Gründer Bernhard Paul hat einen großen Namen, dem auch die Show „Salto Vitale!“ gerecht werden soll.

Für die Gäste der Premiere begann der Abend mit langen Schlangen vor dem Eingang. Nur nach und nach konnten die vielen Zuschauer der ausverkauften Show ins Circus-Zelt gelangen. Auf dem Weg galt es die Sorgen des Alltags abzustreifen und einzutauchen in die Welt des Circus´. So wurden die Gesichter der Besucher mit roten Punkten oder Herzen verziert. Konfetti regnete auf die Premierengäste herab. Gut gemeint waren sicher auch die großen Behälter, aus denen bunte Bonbons verteilt wurden, doch waren die schon in die Jahre gekommen und nicht mehr aus ihrer Plastikverpackung zu befreien. Im Zelt teilte sich der Besucherstrom dann zwischen Gästen für die nummerierten Plätze in den ersten Reihen und den vielen anderen Gästen. Diese hatten freie Platzwahl in den jeweiligen Bereichen des Zeltes, sodass eine frühe Ankunft gute Sicht bedeutete. Wer keinen Platz mehr im ersten Drittel fand, musste deutliche Abstriche bei der Sicht machen. Da die roten Holzbänke ohne großen Höhenanstieg im Zelt stehen, ist die Sicht auf die Manege durch die anderen Gäste deutlich eingeschränkt. Wer die Show komplett sehen möchte, sollte sich daher für die ersten Reihen entscheiden oder sehr früh ankommen.

Der Abend beginnt mit Clowns, die später als roter Faden immer wieder die artistischen Nummern verbinden werden. Zu Beginn des Abends sind sie mit Besen unterwegs und begeistern das Publikum zum rhythmischen Klatschen. Kurz darauf steht Yann Rossi, einer der wenigen Weißclowns, in einem wunderschönen Gewand und mit einem Saxophon auf der Bühne. Er lädt die Gäste ein, Kind und Clown zu werden. „Das Spiel beginnt“, kündigt er an und ist dabei von Artisten umgeben, die Konfetti regnen lassen. Dann wird es dunkel in der Manege. Als es wieder hell wird, steht ein großes Pferd auf der Bühne. Im blauen Bühnenlicht steigt der Schimmel für seine Dompteurin und tänzelt über die Bühne. Kurz darauf kommen Tänzerinnen und andere Pferde hinzu. Die Saabel Family präsentiert das Können ihrer Pferde, die zum Beispiel zusammen mit den Tänzerinnen eine kunstvolle Choreografie mit gespannten Tüchern zeigen. Wer vorne sitzt, sieht dabei auch die Bewegung der Beine der Pferde. Für die Gäste weiter hinten beginnt die Sicht in Bauchhöhe der Tiere. Darüber sieht man wippende Mähnen aus kunstvoll geflochtenen Locken.

Anschließend kommt das Trio Csàszàr auf die Bühne. Die Ungarn zeigen eine abwechslungsreiche Schleuderbrett-Show. Mit Hilfe der Schleudern baut das Trio menschliche Pyramiden, wirbelt sich gegenseitig in die Luft und zeigt den Salto in immer schwieriger werdenden Variationen. Anfangs wirbeln die Brüder Gàbor und Péter Csàszàr sich gegenseitig und ihre Bühnenpartnerin in Cornelia Abràn in die Luft. Das steigert sich bis zum dreifachen Salto. Danach sind alle Tierliebhaber begeistert. Ein kleiner Hund kommt auf die Bühne. Dort rennt er nicht nur schnell im Kreis und durch die Beine seines Besitzers. Er hüpft auch auf den Hinterpfoten und erweist sich als Experte im Seilchenspringen. Für einen Hund ungewöhnlich: Mit dem Maul hält er sich an einem Seil fest und lässt sich daran im Kreis herum wirbeln. Foxterrier Hündin Loulou beherrscht über 60 Tricks.

Um Kraft und Disziplin geht es anschließend bei den Curatola Brothers. Giuseppe und Emanuel zeigen gelungene Hand-auf-Hand-Akrobatik. Immer neue Hebefiguren präsentieren die beiden Italiener dem Publikum. Humorvoll wird es danach mit dem Komiker Gabor Vosteen. Der beweist auf der Bühne sein Können als Flötenspieler. Seine Flöte verwandelt er in der Phantasie des Publikums nicht nur in einen Bumerang oder in ein Schwert, sondern erdolcht sich damit auch gleich. Wer glaubt, damit wäre Vosteen schon am Ende der Möglichkeiten, hat weit gefehlt. Blitzschnell zieht er eine zweite Flöte hervor und spielt beide mit den Nasenlöchern. Eine dritte kommt hinzu für eine Jonglage. Zum Abschluss steht der Flötist auf einem Bein und spielt gleichzeitig auf fünf Blockflöten „Freude schöner Götterfunken“.

Hoch hinaus geht es dann mit dem Duo Reyal. Alla Klyshta und Reydi Argote zeigen ihre durchtrainierten Körper am chinesischen Mast. Dieser steht in der Mitte der Bühne, doch dass hindert das Artistenpaar aus der Ukraine und aus Kuba nicht daran, ihn zu erklimmen. Als wäre die Schwerkraft ausgeschaltet zeigen sie nur von ihren Händen in der Waagerechten gehalten Klimmzüge. Dabei steht sie freihändig auf seinem Körper. Später zeigt er einen spektakulären Sturz, den er erst wenige Zentimeter vor dem Manegenboden auffängt. Am Ende des Auftritts hängt sie an seinen Armen, während er sich kopfüber wie ein Karussell um den Mast dreht.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von Andrej Ivakhnenko auf dem Schlappseil. Mit seinem roten Stachelkostüm erinnert der Russe an ein Wesen aus einer Phantasiewelt. Zunächst hängt er unter dem über die Bühne gespannten Seil und dreht sich in wilder Folge. Kurz darauf steigt er auf das schwankende Seil. Oben angekommen beginnt er mit seinem Hut, einem Stock und mit einem halben Dutzend Bällen zu jonglieren. Zwar gelingt bei der Jonglage nicht alles, doch Andrej Ivakhnenko behält immer die Balance. Die beweist er auch auf dem Einrad, mit dem er über das Seil fährt. Der Auftritt endet mit einer Leiter. Die balanciert er erst auf dem Seil stehend auf der Stirn, um mit Reifen zu jonglieren. Dann stellt er die Leiter auf das Seil und erklimmt sie. Mit diesen Eindrücken verabschiedet man das Publikum in die 15minütige Pause.

Gestärkt geht das Publikum in die zweite Hälfte des Abends. Ein Hundeschlitten fährt durch die Manege. Neun sibirische Huskys und Samojeden-Spitze stehen im Mittelpunkt des Auftritts von Kelly, Alexandra und Tiziana Saabel. Die drei Frauen lassen die „Schlittenhunde in Action“ durch Reifen springen und eine Rutsche hinab gleiten. Um Akrobatik geht es dann bei Natalia Leontieva, von der zunächst nur ihr Schatten zu sehen ist. Die Artistin nutzt ihr Rhönrad wie einen Cry und pendelt knapp über dem Manegenboden. Später steht sie auf dem Rhönrad und präsentiert passend zur Musik schnelle Bewegungen. Daran schließt sich der Auftritt von Andrey Romanovsky an. Der Gummimensch zeigt Spagat im Gehen und scheint keine Knochen zu haben. Dann klettert er an einem schmalen Ofenrohr hoch, das auf der Bühne aufgestellt wurde. Er macht einen Handstand auf der Kante und verschwindet dann kopfüber in der engen Röhre. Durch eine kleine Tür verlässt er diese wieder und verblüfft mit seiner Beweglichkeit. Die zeigt er auch danach. Er steckt den Kopf durch seine Beine und kann sich seinen Rücken anschauen, während er über die Bühne geht. Im Anschluss springt er Seil mit einem an seinen Füßen befestigten Springseil, das mitsamt der Beine um seinen Körper rotiert.

Auch die musikalischen Clowns haben noch einiges zu bieten. Sie zeigen nicht nur ein Zwischenspiel auf Xylophonen, sondern spielen auch Auszüge aus der Oper Nabucco. Dafür verwenden sie Blasebälge, auf denen sie sitzen. Anschließend kommt die vom chinesischen Mast bekannte Alla Klyshta noch einmal auf die Bühne. Sie zeigt ihr bereits 2010 bei der Fernsehshow Supertalent bewiesenes Können mit Hula Hoop-Reifen umzugehen. Schnell wirbelt sie die Reifen um ihren Körper, wirft sie hoch in die Luft und fängt sie am Boden liegend auch wieder. Im Glitzeroutfit bewegt sie bis zu sieben Reifen um ihren Körper und zeigt bei der modernen Choreografie auch einen Spagat im Stehen. Nach einer interessanten Jonglage mit Noten, Bogen und Geige kommen Kelly und Alexandra in die Manage. Die italienischen Schwestern zeigen Handstand-Equilibristik vom Feinsten. Ihre Sportanzüge reflektieren das Licht wie ein Spinnennetz während die beiden zu klassischer Musik fast synchrone Bewegungen zeigen.

Zum Abschluss des Abends tritt das Duo Sorellas auf. Christophe Gobet und Jean-Rodrique Funke klettern an einem Seil zu ihrem Trapez hoch über den Köpfen. Wer keine Lautsprecher und Scheinwerfer im Blickfeld hat erlebt einen eindrucksvollen Auftritt der beiden Athleten. Zu den Klängen von „We will rock you“ zeigen die beiden Kraft und Balance zugleich. So hängt einer der beiden mit den Füßen am Trapez während sein Bühnenpartner an seinen Händen hängt und akrobatische Übungen zeigt. Es folgt das große Finale mit bunten Ballons in der Manege. Wer „Salto Vitale!“ sehen möchte, bekommt Karten für die unnummerierten Bankplätze von 19 bis 32 Euro. Die besseren Plätze im Parkett (38 Euro) und in der Parkettloge (42 Euro) sind den Aufpreis wert.
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