Endlich einen Stolperstein für Dr. Walter Sochaczewski ?

Barbara Dreyfuss möchte einen Stolperstein für ihren Vater

Hannover: Mitte | Simon Benne (HAZ) und Michael Krische (NP) berichteten in dieser Woche über ein Ereignis, das schon seit Wochen für großen Unmut sorgt:
Der hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil und Kulturdezernentin Marlis Drevermann verweigern dem hannoverschen Kinderarzt Dr. Walter Sochaczewski, verfolgt, vertrieben aus Deutschland und 1950 verstorben im Zufluchtsland Brasilien, einen Stolperstein, der an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern soll. Formal ist beiden Politikern kein Vorwurf zu machen, gibt es doch einen Ratsbeschluss, der aussagt, dass die Verlegung eines Stolpersteins nur dann möglich ist, wenn Verfolgte des Nazi-Regimes um's Leben kamen. Einen Flyer, den die Kulturdezernentin gerne vorzeigt, kann man allerdings auch anders interpretieren (Verlegung auch bei Verfolgung und Vertreibung).
Barbara Dreyfuss, Tochter des Kinderarztes und ihr Lebensgefährte Volker Simmendinger schrieben an den OB und die Kulturdezernentin mehrere Briefe mit der Bitte, ob nicht doch eine Ausnahme möglich wäre. Freundlich, aber bestimmt, erinnerte die Kulturdezernentin in ihrer Antwort jedes Mal an den Ratsbeschluss und fügte weiter an, dass es ein Projekt gäbe (Anm: gemeint ist "Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Hannover" unter der Federführung von Dr. Karljosef Kreter, Stadtarchiv Hannover), das unter anderem untersuchen soll, wie Hannover allen Verfolgten der NS-Zeit
gerecht werden kann.
Der Berichterstatter fragt sich, wie es dazukommen konnte, dass der Herzenswunsch einer 88-jährigen Jüdin abgelehnt wurde. Sich hinter einem Ratsbeschluss zu verschanzen, hat die Holocaust-Überlebende Barbara Dreyfuss nicht verdient.
Herr OB Weil und Frau Kulturdezernentin Drevermann, modifizieren Sie bitte den hannoverschen Ratsbeschluss und lassen auch Stolpersteine für diejenigen zu, die Hannover verlassen mussten, um ihr Leben zu retten.
Der Bericht kann nicht ohne folgenden Hinweis enden:
Der jetzt einsetzende Protest gegen die Nichtverlegung des Stolpersteins ist vor allem ein Verdienst von Jürgen Wessel aus Linden, der unermüdlich versuchte, Öffentlichkeit für sein Anliegen zu schaffen. Dafür herzlichen Dank.

Weiterveröffentlichungen:

Hannoversches Wochenblatt | Erschienen am 16.02.2011
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6 Kommentare zum Beitrag
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Elisabeth Patzal aus Garbsen am 12.02.2011 um 00:46 Uhr  
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Michael Wald aus Laatzen am 12.02.2011 um 01:07 Uhr  
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"Kein Schuldkult",...............Mahnsteine... Bürger haben gespendet, Kinder haben mit ihrer Hände Arbeit Geld gesammelt,...damit die Stolpersteine des Bildhauers Gunter Demnig auch in Sarstedt...