Teneriffa: Künstliche und lebende Naturwunder

Sieben Pools, von César Manrique gestaltet, ragen an den hier stürmischen Atlantik und erlauben ganzjährig gepflegtes Schwimmen in ruhigem Meerwasser.
 
Künstliche und lebende Architektur am Lago Martiánez
 
Holzbalkone sind typisch für die Häuser im Norden Teneriffas
Lanzarote, die viertgrößte Insel der spanischen Kanaren, ist die, die der spanische 1992 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Architekt César Manrique (1919-1992) entscheidend geprägt und gestaltet hat. Aus den Lavahöhlen und Grotten „Jameos del Agua“ und „Cueva de los Verdes“ machte er ein Restaurant mit Nachtclub und Schwimmbad sowie einer Konzerthalle. Verwunschenes Licht und verzaubernde Wasserspiegelungen faszinieren die Besucher. Mit dieser „Symbiose von Natur und Kunst“ erwarb Manrique sich einen legendären Ruf, der seinen Tod überdauert hat.

Auch auf Teneriffa, der größten Insel der Kanaren, hinterließ er seine Spuren. Im Norden gelegenen Puerto de la Cruz vollbrachte er ein Badelandschaft-Wunder, Costa Martiánez genannt. Sieben Pools, angepasst an die Form der sieben Kanarischen Inseln, ragen an den hier stürmischen Atlantik und erlauben ganzjährig gepflegtes Schwimmen in ruhigem Meerwasser. Eine weiß getünchte Anlage mit schwarzgrauen Lavasteinen versetzt, um den Vulkan-Charakter der Insel nachzuempfinden. Auch im Meer vor der Badelandschaft liegen Vulkansteine und Felsen und lassen die Wellen hüpfen, ein immer währendes Schauspiel der besonderen Art. Von meinem Hotelbalkon aus konnte ich stundenlang die Wellenformationen und die wild aufschäumende Gischt betrachten, ohne mich satt zu sehen. Obwohl kleine schwarze Strände zum Baden einladen, wagen es nur Mutige, dort ins Wasser zu steigen. Und Surfer, denen die Wellen gerade recht kommen. Oft schwappt der Atlantik über einen Teil der Pool-Mauern, weshalb die dort aufgestellten Liegen leer bleiben. Doch das Zuschauen allein macht schon Spaß.

Die vulkanischen Formationen erlebt man am besten auf dem Teide, mit 3718 Metern der höchste Berg Spaniens und höchste Erhebung im Atlantik und mit seinem Nationalpark UNESCO-Welterbe. Mit dem Mietwagen, etwa einem Peugeot von autoeurope (www.autoeurope.de), fährt man die Serpentinen der Teidestraße bis zum Téleférico, der Kabinenseilbahn, die 44 Personen fasst und in zehn Minuten den Gipfel Pico de Teide erreicht. Von dort zeigt sich der Vulkankrater in voller Größe. Doch nur dem zu empfehlen, der unbedingt oben auf verschiedenen Wegen wandern oder Kreislaufprobleme haben will. Der Aufstieg mit der Seilbahn kostet 27 Euro, das Anstehen nach Tickets kann zweieinhalb Stunden kostbarer Urlaubszeit kosten, es sei denn man zahlt 52 Euro für ein Sofort-Ticket oder, schlauer, löst vorher die Tickets im Internet. Wer Pech hat oder Glück - wie man es nimmt -, kommt gar nicht hoch, weil starker Wind die Fahrt nicht zulässt.

Viel schöner finde ich, den Téleférico links liegen zu lassen und die Reise im Mietwagen fortzusetzen an die Westküste nach Los Gigantes, der Steilküste, die gewaltig, gigantisch, wie der Name sagt, aus dem Meer aufragt. Die Vulkanlandschaft zu beiden Seiten des Weges ist so abwechslungsreich, dass sie bei weitem den Blick vom Pico de Teide übertrifft. Parkplätze helfen, auszusteigen, Fotos zu machen und die kantigen, eckigen Lavatürme und Türmchen zu genießen und zu bewundern. Das ehemalige Fischerdorf Puerto de Santiago bei Los Gigantes ist wunderschön und lädt zum Verweilen.
Eine weitere Möglichkeit, vom Teide abzubiegen, führt über ebensolche grandiose vulkanische Natursensationen nach Los Christianos und Playa de las Americas. Großzügige schwarze Sandstrände laden hier zum Baden und Entspannen. Obwohl das einstige Fischerdorf heute zugebaut ist mit unzähligen Hotels, ist der feine Sandstrand jungfräulich geblieben und der Atlantik relativ ruhig. Dennoch ist auch hier beim Baden Vorsicht geboten.
Der schnellste Rückweg führt über Santa Cruz an der Ostküste. Und wieder treffen wir auf César Manrique, der dem Wasserpark Parque Marítimo César Manrique den Namen verliehen hat. Auch diese Architektur hat der Künstler kreiert. Ein Pool-Paradies vom Feinsten mit kleinen eingestreuten Palmen-Inselchen, die das blaue Wasser gekonnt auflockern.

Palmen sind ein weiteres typisches Merkmal von Teneriffa. Gleich nebenan verführt das Palmetum zu einem Besuch, ein riesiges Areal über große Höhen. Doch alle Arten von Palmen sind allenthalben so zahlreich, dass man getrost verzichten kann. Palmen-Alleen entlang der Straßen, Palmen, wo auch immer ein Stück Erde zum Wachsen ausreicht, Dattelpalmen, Fächerpalmen, Königspalmen, kleinwüchsige, hoch aufragende schlanke, die einen mit glatter weißer Rinde, die anderen braun geschuppt.
Vier solcher hoch gewachsenen überragen erhaben das Rathaus von La Orotava, eine ansehenswerte Stadt nicht weit von Puerto de la Cruz. Das historische Zentrum steckt voller architektonischer Schmuckstücke. Höhepunkt, heißt es, sei die „Casa de los Balcones“, ein Haus von 1642 mit blumengeschmückten Balkonen zur Straßenseite und rund herumlaufenden Holzbalkonen zum Innenhof. Gegenüber wartet die Casa del Turista, ehemals Casa Molina, von 1590 auf Touristen. Sie zeigt die Trachten der Insulaner, ein Wassermühlen-Modell, verkauft gestickte und gewebte Tischwäsche und in der Galerie von Osman (http://casa-balcones.com/en/the-art-gallery-of-moh...) Malerei der Gegenwart, idyllische Landschaften der Insel, Menschen in traditionellen Gewändern, Wallfahrten. Man darf dem Künstler ägyptischer Herkunft gern beim Malen zugucken.

Nicht versäumen sollten Kunstinteressierte in Puerto de la Cruz das Museo de Arte Contemporáneo Eduardo Westerdahl (MACEW), ein Museum für Zeitgenössische Kunst, in dem man den Teide gemalt und auch deutsche Künstler finden kann. Naturfreunde ziehen eher die zahlreichen Gärten vor wie den „Jardín Botánico“, den „Jardín Acuático“ oder den „Jardín Orquideas“, in dem auch gewaltige Drachenbäume Heimat gefunden haben, neben denen man es sich im Café gemütlich machen kann. Auch wenn die Parks mühevoll treppauf erklommen und bergab wieder genommen werden müssen. Manches Mal glaubt man, die gepflasterten Straßen und Gassen hätten an die 50 Prozent Steigung und sie ersetzten regelrecht Wanderungen im Gebirge. Nur sind sie reizvoller, werden sie doch von Häusern mit malerischen Holzbalkonen gesäumt, die für den Norden von Teneriffa so typisch sind.

Eine Sehenswürdigkeit in Santa Cruz ist zweifellos das Auditorio de Tenerife „Adán Martín“, gestaltet von Santiago Calatrava, das sogar Ex-Präsident Bill Clinton besuchte. Wer über die Meeresmauer lugt, entdeckt auf den nicht überspülten Steinen im Wasser gemalte Gesichter von Pop-Musikern, die im Auditorio aufgetreten sind oder deren klassische Musik hier gespielt wird. Sehr witzig gemacht, Anton Bruckner neben Freddie Mercury, Mozart neben Lionel Richie und Céline Dion. Wessen Idee das wohl war?

Ach ja, die Hauptattraktion von Teneriffa, ja den gesamten Kanaren, scheint der Loro Parque in Puerto de la Cruz zu sein. Ein niedliches Bähnle fährt kostenlos ab Lago Martiánez, dann muss man Eintritt zahlen und darf genießen. Im Grunde ist das ein Zoo, der neben Wildtieren, Roten Pandas als neue Errungenschaft, Pinguinen, Flamingos und eine ganz besondere Unterwasserwelt in den Aquarien vor allem, wie der Name sagt, Papageien in allen Arten vorstellt, bunt, bunter, am buntesten, leider in sehr engen Käfigen. Eine Show zeigt, dass man sie trainieren kann. Man glaubt es kaum, die Trainerin fragt das Publikum nach einer Zahl, einer ruft neun, und der Papagei betätigt die Glocke vor ihm neun Mal. Applaus, Applaus! Er schafft es sogar, neun plus sechs zu addieren, und klingelt die genaue Zahl. Der eine fährt Rad, der andere transportiert Päckchen, er fliegt mit ihnen fort, alles auf Aufforderung und witzig gemacht.
Neben einer Orca-Show wird eine Delfin-Show präsentiert, beide ein rasantes und in den vorderen Reihen, der Splash Zone, ein nasses Publikumsvergnügen. Applaus ist allen gewiss.

Wie man schnell feststellt, kann das Leben auf Teneriffa für Touristen recht günstig sein, auch wenn man auswärts isst und trinkt. Ein Glas Wein in der Markthalle Mercado in Puerto de la Cruz - samstags Flohmarkt - kostet einen Euro, spanische Gitarrenklänge und Gesang gratis dazu, woanders ab zwei Euro aufwärts, eine Flasche ab sechs Euro, sättigende Tapas beginnen bei 3,50 Euro, fünf verschiedene leckere Shrimps-Spieße oder „gambas al ajillo“ (Shrimps in Knoblauchöl, mein Lieblingsgericht) zehn Euro, das Drei-Gänge-Menü des Tages ab 8,50 Euro. Deutsche kriegen sogar ihre Schweinshaxe. Bei den für die Kanaren so typischen „Papas arrugadas“, jenen in Meerwasser gekochten winzigen schrumpeligen Kartöffelchen, muss man aufpassen, dass man keine Pellkartoffel bekommt, wenn auch mit „mojo“, der roten scharfen und grünen aromatischen Sauce. Na klar, ein Kilo der runzligen Kartoffeln schlägt schon beim Einkauf im Mercado mit 2,50 Euro zu Buche.
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3 Kommentare
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Werner Szramka aus Lehrte | 18.04.2016 | 19:13  
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Fred Hampel aus Fronhausen | 20.04.2016 | 07:48  
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Elke Backert aus Hamburg | 20.04.2016 | 08:53  
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