Pilgerkapelle in St. Jacobi

Einblick in die Pilgerkapelle - 03.02.2014 (Foto: Manfred Hermanns)
 
Treppenhaus und Tür zur Pilgerkapelle im Turmfuß (Foto: Manfred Hermanns)
 
St. Jacobi Pilgermesse am 21.02.2015 - KM
Hamburg: St. Jacobi | Ein Rückblick auf die Einweihung mit der Predigt von Pilgerpastor Bernd Lohse

Liebe Gemeinde,
was hatten sie alles erlebt: in viele fragende und staunende Gesichter hatten sie gesehen, Menschen heil werden, Kämpfe mit Dämonen und durstige, lahme und hungrige Menschen hatten sie hautnah getroffen...
Unterwegs waren das Leiden der Anderen, das Glück der Fremden und die eigene Irritation in der Fremde und immer wieder Freude. Träume ich? fragten sie
Sie hatten sich von Christus rufen lassen auf den Weg; raus aus dem Gewohnten, der Arbeit, den Beziehungen in eine unbekannte Zukunft hinein – eine Zumutung.
Und nicht alle, die sie trafen, waren freundlich gewesen, im Gegenteil: sie waren Fremde gewesen fast überall und machten den heimischen Angst.
Wie oft hatten sie sich gefragt: was treiben wir hier eigentlich?
Jetzt konnten sie verweilen vom Unterwegssein und wahrnehmen, was mit ihnen geschehen war in der Fremde und im Vertrauten – sie waren sich fremd geworden und hatten sich doch ganz neu kennengelernt: jede/r sich selbst. Und staunen: „Mit fremden Anderen bist du in Gespräche gekommen, die du mit deinen besten Freunden nie geführt hast; was ist denn geschehen?“ Offene Häuser und Herzen. Kommt euch das bekannt vor? Es klingt nach Pilger-Erfahrungen ...

Jünger/in sein – das hat was von Pilgerschaft, peregrinatio – dem gehen in die Fremde. Hier hatte Jesus sie ausgesandt mit Mantel, Stab und seinen Ideen.
Und sie kehren wieder zurück in die Gemeinschaft und Jesus sagt: Erzählt von euren Erlebnissen. Ruht ein wenig , an einer einsamen Stelle.
Mehr noch: er schützt sie vor der Überlastung; er weiß wohl davon, dass eine, die immer nur läuft und hilft und tut, letztlich leer läuft.
Menschen des Wegs brauchen die Gemeinschaft, brauchen die Pausenorte, die einsamen Stellen zum Begreifen, Durchatmen, Hinspüren und Erzählen.
Was Pilgernde und Ausgesendete alles Erleben!

Hier ist ein Buch mit vielen leeren Seiten – das soll eure Erzählungen aufnehmen können; es wird in der Pilgerkapelle liegen: einem Ruheraum, Pausenort, Erzählstelle, Erinnerungshöhle, Karawanserei... Ruht ein wenig.
Der Lebensweg braucht wie der Pilgerweg Pausenorte: nenn sie „Karawanserei“, „Café“, „Bar“,„Albergo“, „Hospederia“ oder Kapelle – oder Kirchen.
Orte zum Anhalten, Innehalten, Hören und Erzählen und Kraft tanken. Da, wo du auch die anderen triffst, die mit dir unterwegs sind durchs Leben.
Und was sie erzählen! Einer ist jeden Tag Gott begegnet... eine hat ihre verstorbene Schwestergetroffen ... Einer hat ein Mitpilger 30 tage lang den vergessenen Pilgerstab hinterhergetragen... Einer hat alle Schmerzen verloren... Die Studentin hat Klarheit für ihren Weg gefunden und die beiden jungen Leute haben sich lieben gelernt unterwegs und Gott auch...
Sie erzählen von Befreiung, weil sie so gefangen waren in sich selbst und so viel Böses erlebt hatten, dass sie schon dem Gutem nicht mehr trauen
mochten... Und von Tränen ist da die Rede und Schmerzen unterwegs, von Blasen und Seelenschmerzen, die dir auf dem Weg bewusst werden...
Und immer wieder erzählen sie von Engeln, die im Weg standen und die Richtung wiesen, von Gastfreundschaft, offenen Häusern und Begegnungen...

Es sind so viele Geschichten über das Heilige, die ich bereits hören durfte und sie sagen mir: Gott handelt hier mitten unter uns.
Und oftmals kommt das Wort „Gott“ gar nicht vor in den Erzählungen... dafür aber viele Worte, die sich dem Geheimnis nähern und es doch Geheimnis sein lassen.
Sie alle brauchen es, dass jemand zuhört, hinhört... genau hinhört, versteht, mitfühlt und das Gehörte auch deutet.
Dafür ist eine Pilgerkapelle da und ein Pilgerbüro, ein Pastor und anderen Pilger, die sich engagieren für Pilgernde; z.B. beim Stammtisch...
Menschen, die sich auf Wege machen, die gerufen werden, die aufbrechen brauchen die anderen, die begleiten, die Türen öffnen und da sind.
Und dann entdeckst du: mal bist du der Gast und mal Gastgeber, mal bedürftig und mal kannst du geben – Pilger sind ja immer beides: unterwegs und angekommen; Fremde und irgendwo Beheimatete – niemand kann immer nur unterwegs sein.
Und deshalb gehört es zum Pilgern, dass es Orte gibt, an die du kommen kannst und die über sich hinausweisen: wir haben hier keine bleibende Stadt.
Leben ist Wandeln, Wandlung, Verwandlung und in unserem tiefen Inneren sind wir auf der Suche nach dem Ganz Anderen – das macht uns weit und beweglich.
Auch davon soll gesprochen werden in der Pilgerkapelle.
Hier soll nach Gottes Wirklichkeit gesucht werden können und danach, was der Mitgehende Gott mit uns macht, machen wird und schon gemacht hat. Wie er irritiert, manchmal wütend macht und wie er sich schließlich zeigt:
Als einer, der da ist – an den Wüsten-und Pausenorten und am Ziel der Reise.

Heute weihen wir die Pilgerkapelle ein, unsere Karawanserei-Rastplatz-Büro-Gebets-Segens-Nachdenk- und Teetrinkkirche inmitten von St. Jacobi: Alle diese Ebenen und Ecken finden sich unter den beiden Gewölben.
Und ich möchte Dank sagen allen, die diesen Ort möglich gemacht haben: Danke lieber KGR für den Weitblick und den Raum, den Ihr ermöglicht habt; Danke dir Regine Bracht (du magst nicht öffentlich gelobt werden, aber musst das jetzt einmal aushalten) für deinen Entwurf und die Bauleitung.
Danke euch Handwerkern, mit Herz und Verstand wart Ihr bei der Sache.
Und danke euch lieben Freunden/innen aus Pilgerteam, Stammtisch, AK für die gute Zusammenarbeit, die letztlich dafür verantwortlich ist, dass so ein Raum gebraucht und mit Leben gefüllt wird.
Und deshalb lasst uns heute fröhlich feiern.
Und ich sage: Danke Gott für das Rufen und Mitgehen.
Amen

Predigt am 16. November 2013 von Pilgerpastor Bernd Lohse mit freundlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung auf myheimat
http://www.jacobus.de/neu/deutsch/index_4.html

Die hier mit den Bildern vom 03.02.2014 vorgestellte Pilgerkapelle ist eine gotische Seitenkapelle im Turmfuß der Kirche. Sie befindet sich innerhalb der ältesten Bausubstanz von St. Jacobi. Durch die sechs Meter dicken Wände gelangt man in den 14 Meter hohen, hellen Raum, den zwei 10 Meter hohe Fenster prägen. (Quelle: Website)

Zum aktuellen Pilgerprogramm: http://pilgern-im-norden.de/
Daraus übernehme ich ein Zitat von Anselm Grün: "Pilgern heißt, den Weg der Sehnsucht zu gehen. Diese Sehnsucht zeigt mir, dass in mir etwas ist, das diese Welt übersteigt. Im Pilgern komme ich in Berührung mit meiner Sehnsucht. Sie ist die Spur, die Gott in mein Herz gegraben hat. Um sie zu fühlen, folge ich den Fährten, die andere Pilger in diese Welt eingegraben haben."

Ultreia! Mit diesem Pilgerruf ins myheimat-Land grüßt herzlich
Kirsten Mauss

Siehe auch: http://www.myheimat.de/hamburg/kultur/pilgerweg-vo...
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6 Kommentare
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Heike L. aus Springe | 29.07.2015 | 16:09  
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Elke Backert aus Hamburg | 30.07.2015 | 11:52  
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Kirsten Mauss aus Hamburg | 30.07.2015 | 11:52  
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Kirsten Mauss aus Hamburg | 30.07.2015 | 11:54  
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Heike L. aus Springe | 30.07.2015 | 13:49  
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Kirsten Mauss aus Hamburg | 30.07.2015 | 14:47  
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