Insel Borkum - wo ein Zaun aus Walkieferknochen an raue Zeiten erinnert

Zelte und Strandkörbe wetteifern an Borkums Strand um die Gunst der Gäste
 
Ein ganzer Zaun mit Walkieferknochen
 
Der Neue Leuchtturm von 1879
Vor der Nordseeküste reihen sich die sieben Ostfriesischen Inseln wie Perlen auf einer Schnur. Auf Sand gebaut und im Wattenmeer zu Hause. Sie und die Küste gehören zur beliebtesten Urlaubsregion im Reiseland Niedersachsen. Und jede Insel hat ihren eigenen Reiz und Fan…

Schon die Anreise mit dem schnellen Katamaran von Emden nach Borkum gefällt. Am Hafen wartet bereits die Kleinbahn, deren Wagen Namen tragen, die den meisten wohl nichts sagen und die niemand erklärt: Waterdelle, Greune Stee, Upholm, Kiebitzdelle, Hopp, Hohes Riff, Tüskendoor, Bantjedünen, Kobbedünen, Muschelfeld, Hooge Hörn… Das aber macht erwartungsvoll.

Seeluft auf dem Katamaran, Seeluft in der Bahn, vorausgesetzt man steht auf dem luftigen Einstieg, den heutige Züge nicht mehr kennen. Am Bahnhof Borkum heißt es aussteigen, genau vor dem Hotel Vierjahreszeiten. Ganz modern dagegen die digitalen Haltestellen-Schilder, die die Fahrt zurück zu den Schiffen ankündigen. Nicht nur nach Emden, auch nach Eemshaven in Holland.

Holländer scheinen Borkum zu mögen. Man stellt sich auf sie ein. Es wäre aber kaum nötig, etwa unter dem Schild Fahrradverleih auch noch Fietsverhuur anzuzeigen. Vielleicht macht es die Insel und den Ort internationaler.
Ein Fahrrad zu leihen, lohnt immer, denn die mit 36 Quadratkilometern größte der sieben Ostfriesischen Inseln braucht eine gewisse Zeit, sie näher kennenzulernen, zumal sich die Verkehrsmittel beinahe auf die Borkumer Kleinbahn, Räder, Pferde und Pferdekutschen beschränken.

Zuerst muss man natürlich den mit seinen über 300 Stufen herausfordernden Neuen Leuchtturm besteigen, um den besten Überblick über das Inselstädtchen, die Dünenlandschaft, das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und die offene Nordsee zu erhaschen. So neu ist er aber gar nicht: Seit über 130 Jahren weist er der nächtlichen Schifffahrt in der Emsmündung den Weg. Erbaut im Jahre 1879, nachdem der Alte Leuchtturm ausgebrannt war, überragt er mit seinen 60,3 Metern Höhe alle anderen Bauten.

Und dennoch ist er nicht das Wahrzeichen der Insel. Das ist der Alte Leuchtturm, der heute nicht mehr in Betrieb ist. Alte Seekarten beweisen, dass an seiner Stelle schon im Jahre 1400 eine kleine Kirche stand. Denn der Alte Leuchtturm steht direkt auf dem historischen Borkumer Walfänger-Friedhof. 1817 ließ man den alten Turm von einer Tagesmarke zum Leuchtturm mit Öllampen und Parabolspiegeln umbauen. Von diesem Alten Leuchtturm führt ein Weg direkt in den siebten Himmel: Denn das Standesamt von Borkum bietet im Teezimmer des Turms Trauungen an.

Tee trinken, laktosefreien Kuchen genießen und gut essen kann man gegenüber im „Luettje Toornkieker“. Und die Walkinnladen aus der Zeit der Grönlandfahrten 1715 bis 1782, die unter Denkmalschutz stehen, um die Ecke in der Wilhelm-Bakker-Straße vor dem Haus des Walfang-Kommandeurs Roloef Gerritsz Meyer als ganze Zäune bestaunen. Bei diesem Anblick kann manch einem schon mal die Kinnlade runterfallen…

Ein Pottwal-Skelett gehört zu den besonderen Exponaten im Heimatmuseum. Der Walfang, der im 18. Jahrhundert seine Blütezeit hatte und den Einwohnern zu etwas Wohlstand verhalf, spielte bei der Entwicklung der Insel eine wichtige Rolle. Nach seinem Niedergang versank Borkum zunächst in Armut. Viele Menschen verließen die Insel. Doch seit 1834 die ersten Badegäste kamen und 1850 die Anerkennung als Nordseebad erfolgte, ist der Tourismus wichtigster Wirtschaftszweig.

Doch weiter geht`s zur Strandpromenade mit dem 1911 gebauten Musikpavillon und dem 26 Kilometer langen, feinen Sandstrand und seiner Dünen-Landschaft, durch die extra angelegte Wander-, Rad- und Reitwege führen, sodass Pflanzen und Tiere geschützt bleiben. 92 Prozent der Inselfläche sind Nationalpark. Auffällig für den Betrachter ist, dass neben den üblicherweise an der Küste aufgestellten Strandkörben „Zelte“, ebenfalls in bunten gesteiften Farben, anzutreffen sind. Man kann sie nicht nach hinten klappen, um liegend ein Sonnenbad zu nehmen. In ihnen sitzt man aufrecht auf einer Holzbank.

Wir aber setzen unsere Tour mit dem Rad fort, kommen an der Haltestelle der Borkumer Kleinbahn FKK-Strand vorbei und radeln Richtung Ostland. Im Café Ostland, der „letzten Gaststätte vor Juist“ - die Borkumer haben Humor - legen wir eine Drink-Pause ein, während sich Feldhasen, Fasane und Rebhühner in den Wiesen friedlich nebeneinander vergnügen, ohne sich stören zu lassen.

Wer mehr über das Wattenmeer und seinen Schutz wissen möchte, radelt zum Nationalpark-Schiff „Feuerschiff Borkumriff“, das am Neuen Hafen liegt. Dort gibt es unter anderem ein Wattboden-Modell zu sehen.

Wer aber erfahren möchte, wie die Inselbewohner leben, sollte Freundschaft schließen und sich einladen lassen in ein Friesenhaus. Schon von außen fallen beinahe an jedem Wohnhaus verglaste lichte Wintergärten als Anbau auf. Sie rühren aus der Zeit, als die Bewohner im Sommer ihre Betten an Feriengäste vermieteten, als es noch keine Hotels gab. Der Wintergarten war der Frühstücksraum, und heute benutzen die Eigentümer ihn selbst als Esszimmer.

Und wozu stehen die beiden Porzellanpudel in den Fenstern? Madame errötet: „Das geht auf die Seefahrer-Zeit zurück. Waren die Ehemänner auf großer Fahrt, drehte man die sogenannten Puffhunde so, dass sie zum Fenster hinaus sahen. Das bedeutete für fremde Seeleute: `Bitte eintreten, hier wartet eine Frau auf einen Freier.` Kehrte der Ehemann zurück, zeigten die Pudel ihr Hinterteil.“ Eine unglaubliche, aber wahre Geschichte.

Als anerkanntes Nordseeheilbad hat die Insel eine lange Tradition in der Behandlung von Erkrankungen der Atemwege. Es gibt zahlreiche Kur- und Wellness-Angebote, klassische und für die Nordsee typische Thalasso-Therapien, aber ebenso spezielle Kuren. Die pollenarme Luft macht Borkum auch für Allergiker attraktiv. Neben den Kliniken ist das ganzjährig geöffnete Gezeitenland ein Ort für Wellness und Spaß am Meer. Und das bei milden Temperaturen: Der Golfstrom sorgt für nicht zu heiße Sommer und nie sehr kalte Winter.
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9 Kommentare
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 05.11.2014 | 17:42  
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Elke Backert aus Hamburg | 05.11.2014 | 18:44  
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Shima Mahi aus Langenhagen | 05.11.2014 | 21:11  
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Elke Backert aus Hamburg | 05.11.2014 | 21:57  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 06.11.2014 | 00:42  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 06.11.2014 | 07:15  
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Elke Backert aus Hamburg | 06.11.2014 | 11:08  
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